Nähe schaffen auf Abstand

Auf ein Gespräch am Wochenmarkt: So sucht Bernaus Gemeindereferentin Kontakt zu den Menschen

Gemeindereferentin Cornelia Gaiser (links) im Gespräch mit Christa Weingartner (Mitte) und Gerda Daiber. Auf dem Bernauer Wochenmarkt war sie kürzlich präsent, um den Kontakt zwischen Kirche und Bürgern zu fördern.
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Gemeindereferentin Cornelia Gaiser (links) im Gespräch mit Christa Weingartner (Mitte) und Gerda Daiber. Auf dem Bernauer Wochenmarkt war sie kürzlich präsent, um den Kontakt zwischen Kirche und Bürgern zu fördern.
  • vonElisabeth Kirchner
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  • Elisabeth Sennhenn
    Elisabeth Sennhenn
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Sie entlasten den Pfarrer, sind aber mitunter näher am Menschen als die Geistlichen: Gemeindereferentinnen. Cornelia Gaiser aus Bernau sucht den Kontakt zu den Bürgern in diesen Zeiten sogar auf dem Wochenmarkt.

Bernau – Ein Lächeln unter der Maske, ein paar aufmunternde Worte: In Zeiten des Abstandshaltens viel wert, fand Bernaus Gemeindereferentin Cornelia Gaiser. Sie war deshalb mit einem kleinen Stand auf den Bernauer Wochenmarkt präsent, um Passanten und Besuchern des Wochenmarktes ein Gespräch anzubieten oder sich auf das ein oder andere Thema aufmerksam machen zu lassen.

Vieles wird an sie heran getragen

Das Interesse der Bernauer war trotz frostiger Außentemperaturen groß. „Was haben Sie denn da?“ war eine der meistgestellten Fragen an Gaiser, die Einladungen zum (Online-)Hausgottesdienst dabei hatte, Infos zur Bernauer Weihnachtshilfsaktion und den Pfarrbrief vom Pfarrverband Westliches Chiemseeufer. Besonders interessierte die Passanten ein Handzettel: „Geh mit – einen oder alle 150 Kilometer von Nazareth im Advent in und um Bernau“. Gaiser erklärt, dass dies eine Einladung zum Mitwandern sei, gemeinsam vorbereitet und organisiert von der Katholischen und Evangelischen Gemeinde. Wer will, könne in Anlehnung an die 150 Kilometer lange Wegstrecke, die der Überlieferung nach Josef und Maria von Nazareth nach Bethlehem zurücklegen mussten, über 24 Etappen in und um Bernau wandern. Anregungen zu diesen Etappen finden sich im Bernauer Taschenkalender, der derzeit kostenlos in den Kirchen ausliege. Die Flyer zu der Idee gehen flott weg.

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Vieles wird an diesem Tag an Geiser herangetragen. Etwa, dass sich eine Bernauerin nach dem Tod ihres Mannes so einsam fühle. Gaiser, studierte Religionspädagogin, hört verständnisvoll zu und macht ihn auf das „Trostcafé“ für Trauernde im katholischen Pfarrheim in Prien aufmerksam. Trotz der Pandemie treffe man dort andere Hinterbliebene, jeden zweiten und vierten Dienstagnachmittag im Monat, außer in den Schulferien.

Der Bedarf an Seelsorge ist groß

Nebenher erzählt Gaiser, in Teilzeit beim Pfarrverband angestellt, der Chiemgau-Zeitung, dass es im Moment für die Kirche nicht einfach sei, nah dran zu bleiben an den Menschen. Deshalb gehe man gezielt und vermehrt „auf die Straße“, ergänzt ihre Kollegin Ursula Stacheder. Sie ist als Gemeindereferentin desselben Pfarrverbands zuständig für Bad Endorf, Stephanskirchen und Wildenwart.

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Sie ist an diesem Tag zwar nicht an Geisers Seite, dennoch eint die beiden Frauen, dass sie sich im Namen ihrer Kirche verstärkt um zwischenmenschlichen Kontakt zu den Bürgern bemühen. „Nicht nur wegen Corona“, bemerkt Stacheder, „sondern weil wir spüren, dass die Menschen sich mehr nach dieser Art der Ansprache sehnen, und weil auch gerade vor Weihnachten der seelsorgerische Bedarf groß ist.“

Sie erinnert vielfach an die Anmeldung zum Gottesdienst

Deswegen, aber auch, weil die Kirchen derzeit nicht voll besetzt sein dürfen, veranstalte man einige Gottesdienste mehr – „vor allem im Freien, was Familien gern annehmen.“ Prompt erkundigt sich ein älterer Herr bei Cornelia Geiser am Stand nach den Weihnachtsgottesdiensten. Geiser gibt hier gern Auskunft: In Bernau gebe es zwei ökumenische Kinderkrippenfeiern im Kurpark, um 17 Uhr eine Wort-Gottes-Feier, um 22 Uhr die Christmette. „Für die Weihnachtsgottesdienste müssen Sie sich im Pfarrbüro anmelden, weil wir leider weniger Plätze als sonst haben“, erinnert sie an diesem Tag mehrfach. Roswitha Fischer, eine Bernauer Rentnerin, tritt an den Tisch heran. Sie freut sich über die Einladung zum Hausgottesdienst: „Ich gehe nur für die nötigsten Einkäufe und Besorgungen raus.“ Das hört Geiser an diesem Tag öfter. „Corona verunsichert die Menschen“, dafür hat sie viel Verständnis.

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In stürmischen Zeiten suchen die Menschen schon immer spirituellen Beistand. Weil sich daran bis heute, trotz 272 771 Kirchenaustritten im Jahr 2019, kaum etwas geändert hat, können die Pfarrer allein dieser Aufgabe nicht gerecht werden. Die Referentinnen spielen daher eine wichtige Rolle. „Wir arbeiten mit unserem Pfarrer sehr auf Augenhöhe“, lobt Stacheder Pfarrverbandsleiter Klaus Hofstetter. Es sei nicht immer leicht, gibt sie zu, aber sie könne sich keinen anderen Beruf vorstellen.

Die Arbeit der Gemeindereferenten

Katholische Gemeindereferenten üben einen hauptberuflichen Dienst in der katholischen Kirche aus, zusammen mit Priestern, Diakonen, Pastoralreferenten sowie Ehrenamtlichen. Sie nehmen etwa an der Verkündung, den Gottesdiensten und der Seelsorge teil.

Zum Beispiel bereiten sie den Sakramentenempfang vor, erteilen Religionsunterricht oder sind in Jugendarbeit und kirchlicher Erwachsenenbildung tätig. Während viele Referenten ein religionspädagogisches Studium innehaben, ist heute auch der Einstieg mit Mittlerer Reife möglich.

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