Auf den neuen Pfarrer in Prien damals besonders gespannt

Anlässlich eines Besuchs zelebrierte Kardinal Joseph Ratzinger (Dritter von rechts) 1992 eine Messe mit Pfarrer Preis (links, daneben).
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Anlässlich eines Besuchs zelebrierte Kardinal Joseph Ratzinger (Dritter von rechts) 1992 eine Messe mit Pfarrer Preis (links, daneben).

Erinnerungen an Priens Pfarrer Josef Preis: Der ehemalige Pfarrgemeinderatsvorsitzende Hans-Dieter Dummert über Wirken und Tod des beliebten katholischen Seelsorgers.

Von Anton Hötzelsperger

Prien – Zwölf Jahre war Hans-Dieter Dummert aus Prien Gemeinderatsvorsitzender der Pfarrei „Maria Himmelfahrt“, zehn Jahre davon diente er dabei Pfarrer Josef Preis. Über die Zeit mit ihm sagt Dummert: „Diese Jahre waren für mich die schönsten, aber auch die anstrengensten“. Preis starb im Jahr 2000 mit nur 46 Jahren, er war damals Pfarrer von Reit im Winkl.

An den Tag, als der gebürtige Allgäuer Preis sein Amt in Prien antritt, erinnert sich sein ehemaliger Mitarbeiter heute noch ganz genau: „Es war ein historischer Moment am 7. Oktober 1988. Der Empfang war zur selben Stunde, in der in München der Trauer-Festzug für den verstorbenen Bayerischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß stattfand.“

Seine Ankunft wurde mit Spannung erwartet

In Prien sei man auf Preis ganz besonders gespannt gewesen, endete doch die Amtszeit seines Vorgängers Konrad Huber mit einem Eklat: Nach dessen Abschiedsgottesdienst landeten anonyme Briefe bei den Priener Bürgern, in denen nach dem Schuldigen für Hubers Weggang gesucht wurde. Gespannt war man auch, da der gelernte Industriekaufmann Preis als Spätberufener galt.

In seiner ersten Kirchenverwaltungssitzung musste sich Pfarrer Preis, damals 35 Jahre alt, gleich mit der Kirchenrenovierung befassen. „Er konnte sich bei der Auswahl des Architekten gegen das Ordinariat zugunsten eines Ortsansässigen durchsetzen“, erzählt Dummert und schmunzelt, der Pfarrer habe hartnäckig sein können: „Man sagte ihm auch einen Allgäuer Dickschädel nach.“

Ein zweites sensibles Thema war 1988 die von Preis angeregte Verlegung des 40-stündigen Gebetes. Dieses fand seit dem 17. Jahrhundert am Faschingsende statt. „Eine außerordentliche Pfarrversammlung dauerte fast bis Mitternacht, kurze Zeit später fand eine Abstimmung in der Priener Pfarrkirche und in den Filialkirchen statt. Das Ergebnis war überwältigend: 72 Prozent der Gläubigen waren für und 25 Prozent gegen eine Verlegung“, so Dummert. Seit 1990 beginnt das 40-stündige Gebet erst am ersten Fastenwochenende.

Das nächste große Thema, dem sich Pfarrer Preis und Dummert gemeinsam stellten, waren der Neubau der Kirchenorgel und die Vergrößerung des Pfarrheims. Zu einer Orgel-Erkundungsfahrt ging es an zum Bodensee. Insgesamt ging es um rund 1,3 Millionen Mark. Die neue Woehl-Orgel wurde an Kirchweih 1995 eingeweiht, ebenso das vergrößerte Pfarrheim. Gern an ihn zurück denkt auch Ehrenbürger Michael Anner, der damals Gemeinderat war: „Preis war sehr an der Chor- und Kirchenmusik interessiert und er hat sie unterstützt, wo es ihm möglich war“.

Preis war für viele innovative Ideen zu haben. So schlug Dummert 1998 vor, mit allen ausgeschiedenen Mitgliedern des Pfarrgemeinderats, neuen und ehemaligen Geistlichen einen Stammtisch zu gründen. Das wurde gerne angenommen: „Heuer im März wäre es der 216. Stammtisch gewesen, aber wegen Corona pausieren wir derzeit“.

Zum großen Bedauern der Kirchengemeinde und vieler Priener Bürger wechselte Preis nach zehn Jahren in Prien nach Reit im Winkl, erkrankte zudem an Krebs.

Am Karfreitag im Jahr 2000 wollte Hans-Dieter Dummert den kranken Pfarrer anrufen. Preis befand sich damals in der Klinik in Ruhpolding. „Als ich anrief, sagte die Schwester: Er ist vor 15 Minuten verstorben“, erzählt Dummert, noch immer bewegt. Als der damalige Kaplan Franzl die Todesnachricht bei der Karfreitagsliturgie bekannt gab, weinten Dummert zufolge viele Gottesdienstbesucher: „Preis war eine Sonne, die in seinen Händen jede Blume erblühen ließ“, findet er eine Metapher für Preis´ Wirken. Dieser wurde am 26. April 2000 in seinem Allgäuer Geburtsort Heimenkirch zu Grabe getragen, fast 1000 Leute verabschiedeten sich von ihm, Traueransprachen hatte er sich verbeten. Die Marktgemeinde Prien mit Bürgermeister Lorenz Kollmannsberger würdigte ihn, indem sie einen Weg nach Josef Preis benannte.

Herzlicher Empfang für Pfarrer Josef Preis (links) 1988 auf dem Priener Marktplatz. Archiv Berger

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