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„Biologie live“

Von Mühlkoppen und Mojitominze: Rosenheimer FOS-Klasse erkundet die Ruhpoldinger Röthelmoosalm

Das Klassenzimmer tauschte die 12. Klasse der Rosenheimer FOS mit dem Naturschutzgebiet Röthelmoos.
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Das Klassenzimmer tauschte die 12. Klasse der Rosenheimer FOS mit dem Naturschutzgebiet Röthelmoos.
  • Heidi Geyer
    VonHeidi Geyer
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Die jungen Leut interessieren sich nur noch für ihre Handys? Dass es auch ganz anders geht, zeigt der Rosenheimer Lehrer Dr. Wolfgang Bachleitner: Biologie live auf den Röthelmoosalmen – was der Sportartikelhersteller Vaude damit zu tun hat.

Ruhpolding – Alle Augen richten sich auf Dr. Wolfgang Bachleitner. Vielmehr auf seine Hand: Dort zappelt eine Mühlkoppe. Seine Schüler der 12. Klasse der Rosenheimer Fachoberschule blicken fasziniert auf den Kleinfisch, den ihr Lehrer gerade eigenhändig unter einem Stein im Röthelbach gefunden hat.

„Das ist Biologie live“, sagt Bachleitner und freut sich, wie gut sein Unterricht bei den Schülern ankommt. Wenige Tage vor Bewerbungsschluss wurde er auf ein Projekt der Albrecht von Dewitz-Stitung aufmerksam. Die Organisation des Gründers der Sportbekleidungsmarke „Vaude“ ermöglicht Schülern mit dem Programm „Outdoor macht schule“, die Natur zu erkunden.

Naturerlebnis statt Handy

Trotz der geringen Vorbereitungszeit gelang es dem Biologie- und Chemielehrer, den Zuschlag für 800 Euro Projektbudget zu bekommen. Die Busfahrt, Tier- und Pflanzenführer, Ferngläser sowie eine Brotzeit für ihn und die 13 Schüler sind von der Stiftung bezahlt.

„Mir ist es wichtig, dass die Schüler mal was anderes sehen als ihr Handy“, sagt Bachleitner. In der Tat sind seine Schüler schon eine Besonderheit auf den Ruhpoldinger Röthelmoosalmen. Ruhig ist es dort an diesem sonnigen Donnerstagmorgen, nur ein paar Rentner sind mit ihren E-Bikes unterwegs. Dazwischen: junge Leute in bauchfreien Crop Tops, mit teils pink lackierten Fingernägeln und Sneakers statt Bergschuhen.

Man kennt das noch aus eigenen Schulzeiten – selbstverständlich ist nahezu alles, was eine Ablenkung vom normalen Unterricht bietet, herzlich willkommen. Genauso geht es auch den Schülern der Rosenheimer FOS, die kurz vor dem Abitur in der 12. Klasse stehen. Aber wenn man sich mit ihnen unterhält, spürt man, dass Bachleitners Idee aufgeht.

Die Schüler befassen sich auch mit dem Thema Wolf

In mehreren Gruppen untersuchen sie mehrere Fragestellungen im Naturschutzgebiet. Zum Beispiel, wie es dort aussehen würde, wenn der Mensch die Almen und den Forst nicht bewirtschaftet hätte. „Das war anfangs gar nicht so leicht. Wir haben im Internet recherchiert, aber kaum etwas gefunden“, sagt Daniel Bouduin. Gemeinsam mit seinen Mitschülern Robin und Fritz hat er ein vorab ein Referat gehalten. „Keine Almen, keine Zäune, keine Wege“, sagt Fritz Fischer. Dafür aber ganz andere Tiere, unter anderem auch Wölfe, meint er.

Die Mühlkoppe auf der Hand von Lehrer Dr. Wolfgang Bachleitner fasziniert Emily Stocklöw, Quirin Pirchmoser, Simon Schneider und Fritz Fischer (von links).

Wohl kaum ein Thema hat den Chiemgau im vergangenen Jahr so polarisiert wie das Thema Wolf, nachdem es einige Risse in der Region gegeben hatte. Passend zu ihrem Nachnamen hat sich Nicola Wolf für dieses Thema entschieden: „Wir haben einige Touristen und die Almbäuerin befragt. Die Sorgen sind groß.“ Und mit einem Jäger haben sie gesprochen, der prompt erst vor kurzer Zeit einen Wolf in der Region gesehen haben will. Dass die Almbauern um ihre Existenz fürchten, kann Nikolas Mitschülerin Irene Themanou nachvollziehen. Fritz findet den Ansatz aus der Schweiz gut: „Dort werden die Bestände reguliert, weil sich Wölfe ja so schnell vermehren.“ Er ist zwar nicht in der Gruppe, die den Wolf untersucht, aber das hat er schon im Unterricht bei Wolfgang Bachleitner gelernt.

Was man sonst einfach übersieht

Es scheint also schon was hängen zu bleiben. Die Handys bleiben aus, weil auf Röthelmoos ohnehin kein Signal zu bekommen ist. Die Schüler sollen aufmerksamer werden und ein besseres Gefühl für den Wert der Natur bekommen. Den Respekt von der Schöpfung vermisst Bachleitner auch bei Menschen, die schon lange aus dem Schulalter raus sind: „Auf den Wegen bleiben und Hunde anleinen, das sollte im Naturschutzgebiet selbstverständlich sein.

Woher die Minze im Mojito kommt erschnuppern die Schüler in Röthelmoos.

Die Schüler gehen mit offenen Augen durch Röthelmoos. „Wenn man mit der Intention raufgeht, fällt einem viel mehr auf“, sagt Maria Hilz. Zum Beispiel, dass Rohre im Moor verlegt sind und auch Bachläufe an den Menschen angepasst sind. Ein kleiner Staudamm, der beim Holztransport, helfen soll, wurde ebenfalls angelegt. Alles Dinge, die man beim normalen Berggehen gar nicht wahrnimmt, finden Maria und ihre Mitstreiter.

Ihr Lehrer ist dabei immer für Überraschungen gut. „Da, riecht‘s mal hin!“, sagt Bachleitner und reicht den Schülern etwas Grünes. „Mojito!“, bemerkt Fritz. In der Tat handelt es sich um Minze, die eben auch in dem kubanischen Mixgetränk vorkommt. So groß der Kontrast zwischen der Generation Smartphone und dem Naturerlebnis manchmal wirken – unvereinbar sind sie nicht.

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