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Auch mit 70 Jahren stark engagiert für Gläubige: Pfarrer Ekkehard Purrer aus Schleching

Ekkehard Purrer; evangelischer Pfarrer in Ruhestand, zuhause in seinem Wohnzimmer. Wunderlich

Der evangelische Pfarrer Ekkehard Purrer aus Schleching wünscht sich mehr „Deutlichkeit“ seitens der Kirche und ist auch mit 70 Jahren noch stark im Einsatz für Gläubige, speziell für die Evangelen. Seiner langjährigen Kirchengemeinde in Marquartstein ist der gebürtige Mittelfranke auch weiterhin eng verbunden und freut sich auf den dortigen Musik-Gottesdienst anlässlich seines Geburtstags.

Schleching/Marquartstein –Ekkehard Purrer ist evangelischer Pfarrer im Ruhestand, über 20 Jahre hat er in der Gemeinde Marquartstein gewirkt, bevor er die letzten fünf Jahre seines Berufslebens eine neue Herausforderung als Pfarrer in der Andreaskirche in München und als Schulbeauftragter für 45 Realschulen fand.

Zu seinem 70. Geburtstag erinnerte sich der gebürtige Mittelfranke, an seinen Werdegang: „Ich habe das evangelischen Gymnasium besucht und wollte eigentlich Mathematik und Sport studieren.“ Aber sein Vater –  selbst Pfarrer – riet ihm zum Theologiestudium, mit dem Hinweis „da wird es dir nie langweilig“, was Purrer aus heutiger Sicht nur bestätigen kann. Und so wurde aus ihm der jüngste von vier Pfarrerssöhnen.

Liebe zu Musik und Sprachen

Die Liebe zur Musik hat ihm die Mutter, Tochter eines Musikprofessors, in die Wiege gelegt. Mit zehn Jahren lernt Purrer Geige spielen; später kommt Posaunen-Chor hinzu. Bis heute liegt ihm die Kirchenmusik sehr am Herzen. Im Studium lernt er Hebräisch. Vorbild war hier sein Vater, „der zehn Sprachen beherrschte“.

Im Studium an der Freien Universität im damaligen West-Berlin hört er eine Rede von Helmut Gollwitzer, Anhänger der „bekennenden Kirche“, einer Oppositionsbewegung evangelischer Christen gegen den Nationalsozialismus, die ihn „nachhaltig und bis heute“ beeinflusst habe. Auch Purrers Vater gehört zu den „Bekennern“.

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40 Jahre als Pfarrer tätig

Er studiert in mehreren Städten; in Tübingen fasziniert ihn die Philosophie, er wird Schüler des jüdischstämmigen, deutschen Philosophen Ernst Bloch. In dieser Zeit befasst er sich auch mit dem evangelischen Theologen Jürgen Moltmann („Theologie der Hoffnung“), dessen Gedanken ihn bis heute gedanklich begleiten. 1978 heiratet Purrer seine Frau Martina, tritt schließlich seine erste Stelle als Pfarrer im Kleinwalsertal an. Weitere Stationen folgten; die längste Zeit seines 40-jährigen Pfarrerlebens wirkte er in der Gemeinde der Erlöserkirche in Marquartstein. Dort hat er gemeinsam mit anderen Gemeinden viele Projekte angestoßen. In diese Zeit fällt auch sein Engagement in Tansania – wo er als Dekanats-Missionspfarrer gewirkt hat, wo er unter anderem beim Bau von Brunnen, Kindergärten, Schulen, einer Krankenstation und einer neuen Kirche mitgewirkt hat.

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Gastgeschenke wurden zum Verhängnis

Ein Besuch in Tansania zur Kircheneinweihung brachte ihm eine Anzeige ein, wie er sich schmunzelnd erinnert. Denn als Gastgeschenk erhielt er kunstvoll gefertigte Schwerter, die ihm prompt am Flughafen zum Verhängnis wurden –  so erreichte ihn zuhause Post vom Bundeskriminalamt für unerlaubten Waffenschmuggel. Was mit einer gütlichen Einigung endete, erinnert Purrer aber bis heute an die Bibelpassage des „zweischneidigen Schwerts“.

Schwierige Situationen hat er auch im Beruf erlebt, den er insgesamt aber mit viel Freude ausgeübt habe: „Die Beerdigungen von jungen Rauschgiftsüchtigen, Selbstmördern und Alkoholikern haben mich tagelang belastet.“

Lichtblicke dagegen seien stets Jugendarbeit und Seelsorge sowie der persönliche Kontakt zu den Gemeindemitgliedern gewesen: „Hausbesuche und die direkte Hilfe vor Ort standen immer in meinem Terminkalender.“

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Heute engagiert er sich im Arbeitskreis Evangelische Erneuerung (AEE) und wünscht sich mehr „Deutlichkeit“ in den Aussagen der Kirche zu den heutigen Problemen. Dabei fällt ihm ein Zitat von Gollwitzer ein: „Die Täter von Auschwitz waren getaufte Christen“ – auch nach 75 Jahren ein aktueller Satz.

Obgleich im Ruhestand, kann bei Purrer von Ruhe keine Rede sein. So organisiert er gerade eine Reise nach Israel und Palästina im Juni.

Konzert-Gottesdienst am Samstag

Auch seiner Leidenschaft fürs Bergwandern. Über die Jahre hat er eine sehenswerte Sammlung von Fotos und Texten über die Gipfelkreuze im Achental und im Alpenraum geschaffen, die er zu einem Buch mit dem Titel „Die Botschaft der Gipfelkreuze“ verarbeitet hat.

An seinem Geburtstag hat sich Schlechings Bürgermeister Josef Loferer zum Gratulieren angesagt – auch Purrers vier erwachsene Kinder mit den vier Enkeln, die alle im Umkreis wohnen, kommen. Für Purrer ein besonderer Höhepunkt: Ein Konzert-Gottesdienst mit dem Bläserchor der Münchner Andreaskirche, seiner letzten Wirkungsstätte, in der Evangelischen Erlöserkirche in Marquartstein am Samstag, 8. Februar; um 18 Uhr.

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