Heizen mit Holz

Auch im Achental und in Prien: Kleine Schnitzel, große Zukunft

Hackschnitzel, wohin das Auge reicht: Wolfgang Wimmer, Geschäftsführer des Biomassehofs Achental in Grassau, vor einem Frontlader inmitten eines Hackschnitzellagers. Damit beliefert er eine wachsende Zahl an Gemeinden im Chiemgau, die Kommune, Bürger und Gewerbe mit erneuerbaren Energien beheizen.
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Hackschnitzel, wohin das Auge reicht: Wolfgang Wimmer, Geschäftsführer des Biomassehofs Achental in Grassau, vor einem Frontlader inmitten eines Hackschnitzellagers. Damit beliefert er eine wachsende Zahl an Gemeinden im Chiemgau, die Kommune, Bürger und Gewerbe mit erneuerbaren Energien beheizen.
  • Elisabeth Sennhenn
    vonElisabeth Sennhenn
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Mit dem 1. Januar 2021 startete das Emissionshandelssystem in Deutschland – auch für den Bereich Wärme. Für den Ausstoß einer Tonne CO2 wird dann eine Abgabe von 25 Euro fällig. Heizen mit Holz ist wachsendes Thema für die Verbraucher.

Achental/Prien/Rimsting – Das neue System macht nachwachsende Energierohstoffe wie Holz umso interessanter, bindet es doch Kohlenstoffdioxid, wie Wolfgang Wimmer, Geschäftsführer des Biomassehofs Achental in Grassau vorrechnet: „In einem Kubikmeter Holz sind etwa 917 Kilo CO2 gebunden.“

Klimaneutraler Ausgleich

Doch irgendwann werde das CO2 auch wieder freigesetzt – ob der Baum nun im Wald umfällt und verrotte, oder ob sein Holz für Energiezwecke verbrannt werde. Gehe es um die Frage, wie effizient und klimaverträglich geheizt werden könne, so Wimmer, sei aus dieser Sicht die CO2-Freisetzung durch Verbrennung eine sinnvolle.

Professor Dr. Alexander Knohl, Bioklimatologe an der Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie der Georg-August-Universität Göttingen ergänzt: „Insgesamt wird beim Verbrennungsprozess von Holz nur so viel CO2 freigesetzt, wie vorher durch die Photosynthese aus der Atmosphäre aufgenommen worden ist.“

Immer mehr Gemeinden setzen auf kommunale Wärmeversorgung

Eine Rechnung, wie sie derzeit auch immer mehr Kommunen aufmachen: Im Chiemgau und speziell im Achental setzen immer mehr Gemeinden auf eine eigene Wärmeversorgung für kommunale Einrichtungen und Privathaushalte der Bürger. Dafür werden Millionen Euro in Anlagen und Infrastruktur investiert. Austauschpflichten und eine attraktive Förderung des Bundes für Biomasseanlagen machen das Heizen mit Holz auch für Verbraucher zu einem Thema.

Biomassehof verheizt heimisches Holz

Beim Biomassehof Achental laufen für Chiemgauer Wärmeversorger häufig die Fäden zusammen, denn dort werden nicht nur die Hackschnitzel für die Anlagen produziert – aus heimischem Holz, wie Wimmer anmerkt –, sondern dort werden Gemeinden auch beraten und können vom Netzwerk an Partnern aus der Region profitieren. So gehören beispielsweise Rimsting, Grassau, Grabenstätt und Reit im Winkl zu den Vorreitern in Sachen kommunaler Wärmeversorgung; Marquartstein und Prien wollen diesen Weg nun auch beschreiten.

Das Thema beschäftigt die Marktgemeinde Prien

Nicht immer spielt für sie bei dieser Entscheidung die CO2-Bepreisung eine Rolle, wie Tobias Kollmannsberger vom Priener Bauamt erzählt: „Das Thema kommunale Wärmeversorgung beschäftigt die Marktgemeinde Prien schon länger“, doch jetzt sei man soweit, das Ganze zu verwirklichen.

Noch stehe kein Betreibermodell fest und es habe auch noch keine Ausschreibung für das Ingenieurbüro stattgefunden, da stehe man noch am Anfang mit vielen Fragen, auch der nach dem genauen Standort der Anlage. Andererseits wisse man schon, dass man das Gewerbegebiet Reitbach rund um Bauhof und Feuerwehr sowie die kommunalen Gebäude entlang der Bernauer Straße versorgen möchte. Auch die Investitionssumme stehe schon fest: Rund drei Millionen Euro.

Rimsting sparte 680.000 Liter Heizöl ein

In der Nachbargemeinde Rimsting rechnete Hans-Peter Jakobi, Vorstand des kommunalen Wärmeversorgers kürzlich den Gemeinderäten vor, dass man seit der Inbetriebnahme der Anlage vor rund fünf Jahren bereits 680.000 Liter Heizöl gespart habe. Laut CO2-Rechne hat die Gemeinde so 1 985,6 Tonnen CO2-Emissionen vermieden.

23 Haushalte werden derzeit versorgt. In Grassau hat man schon seit über zehn Jahren Erfahrung mit dem Fernwärmeheizen: 332 Gebäude, das sind 830 Haushalte und Gewerbebetriebe, sind ans Netz angeschlossen, berichtet Vorstand Sebastian Stephan: „Wir haben ausgerechet, dass wir mit den Hackschnitzeln pro Jahr 2,6 Millionen Liter Heizöl sparen und damit jährlich 8200 Tonnen CO2.“

Das Fernwärmenetz wird immer größer

Im Moment laufe eine Machbarkeitsstudie, um auch Rottau mit einem eigenen Holzwerk und Fernwärmenetz auszustatten. „Wir sind guter Dinge, das es 2021 klappt.“ 90 Gebäude zeigten bereits ihr Interesse. Angeschlossen werden soll auch ein neues Gewerbegebiet und in Zukunft eventuell der Ortsteil Mietenkam.

Nun ist Marquartstein am Zug – ähnlich wie in Prien sollen ungefähr drei Millionen Euro in das Fernwärmevorhaben fließen, das Bürgermeister Andreas Scheck und seine Gemeinderäte 2019 auf den Weg brachten und das im kommenden Jahr an den Start gehen soll. Interessierte Abnehmer stehen schon bereit.

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