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Standortsuche in Südostbayern

Atommüll am Chiemsee: Warum ein Endlager hier keinen Sinn macht

Gesteinsproben, präsentiert vom Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE): Granit, Brocken aus einem Salzstock und Tongestein (von links). Sie alle gelten als geeignetes Wirtsgestein zur Lagerung von Atommüll. Besonders Tongestein kommt in Gegenden des Chiemgaus häufig vor. Daher zählt die Region auch zu den 90 Gebieten in ganz Deutschland, die theoretisch als Endlagerstätte in Frage kommen. 2031 will der Bund eine Entscheidung für einen Standort treffen.
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Gesteinsproben, präsentiert vom Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE): Granit, Brocken aus einem Salzstock und Tongestein (von links). Sie alle gelten als geeignetes Wirtsgestein zur Lagerung von Atommüll. Besonders Tongestein kommt in Gegenden des Chiemgaus häufig vor. Daher zählt die Region auch zu den 90 Gebieten in ganz Deutschland, die theoretisch als Endlagerstätte in Frage kommen. 2031 will der Bund eine Entscheidung für einen Standort treffen.
  • Elisabeth Sennhenn
    VonElisabeth Sennhenn
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Das östliche Chiemseeufer als Atommüll-Endlager? Bislang nur eine Theorie. Warum die Pläne der Standort-Sucher auch in der Praxis nicht aufgehen können, darüber geben ein Politiker und ein Geologe aus der Region Auskunft. Eine Naturschützerin fordert zudem von der Politik mehr Zeit zur Bürgerbeteiligung.

Rimsting/Siegsdorf/Chiemsee – Nach Breitbrunn war die Endlagersuche auch zuletzt Thema im Rimstinger Gemeinderat. Der Chiemgau als potenzielle Atommüll-Endlagerstätte provoziert nicht nur den Widerstand der Kommunen am östlichen Chiemseeufer, welches im Fokus steht. Auch ein Tourismus-Vertreter, eine Naturschützerin und ein Gesteinswissenschaftler melden sich nun zu Wort.

„Halte ein Endlager im Chiemgau für ausgeschlossen“

Dabei nimmt vor allem Klaus Stöttner, tourismuspolitischer Sprecher der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag, kein Blatt vor den Mund: „Ich halte ein Endlager im Chiemgau sowie in der gesamten Region für ausgeschlossen und werde alle Hebel in Bewegung setzen, um diese Diskussion im Keim zu ersticken“, betont der Landtagsabgeordnete, der sich unter anderem dafür einsetzt, dass Schloss Herrenchiemsee den Weltkulturerbe-Titel erhält.

„Tongestein ist nicht einfach zu handhaben“

Er kritisiert außerdem das Vorgehen der Bundesgesellschaft für Endlagersuche (BGE). Jenes hat zunächst in Form eines „reinen Aktenstudiums“, wie Geschäftsführer Steffen Kanitz in einem früheren Bericht erklärte, potenzielle Endlagerstätten-Teilgebiete identifiziert. Heraus sei eine Karte gekommen, auf der rund 54 Prozent der Fläche Deutschlands bestimmte Mindestanforderungen an ein Endlager erfüllen sowie der „Zwischenbericht Teilgebiete“.

Alles zum Thema Endlagersuche lesen Sie hier.

Im Chiemgau ist es das große Vorkommen an Tongestein, das wie Salz und Granit in der Lage sein soll, radioaktive Strahlung abzuschirmen.

Geologe: Kann sich nicht sicher auf das Chiemgauer Tongestein verlassen

Der bekannte Siegsdorfer Geologe Dr. Robert Darga ist allerdings nicht überzeugt, dass man sich auf das Chiemgauer Tongestein sicher verlassen könne. „100 Prozent taugliches Gestein für diese Zwecke gibt es nicht, jedes kann Risse und Sprünge haben, selbst Granit“, erklärt der Wissenschaftler, Buchautor und Leiter des Siegsdorfer Naturkundemuseums. Die voralpinen Tonkörper seien nicht einfach zu handhaben, warnt er.

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„Ton ist sehr feinkörnig. In größeren Mengen abgelagert, bilden sich Schichten, aus denen der Wassergehalt ausgepresst wird und das Gestein verfestigt sich“, fasst er grob zusammen, wie sich der Laie die Entstehung von Tongestein vorstellen kann. Umgekehrt quelle Ton auf, wenn Wasser in die Schichten vordringe, und werde dadurch instabil.

Gefahr von Erdbeben: Sensibles Gleichgewicht der Gesteinsschichten

Zum Beispiel, wenn es zu Erschütterungen kommt: „Durch Bohrungen, die zwangsläufig sein müssten, um ein Lager anzulegen, kann Flüssigkeit in die Schichten eindringen oder versickern.“ Auch könne strahlende Substanz das Material lockern und Folgeelemente bilden, die durchs Tongestein wandern könnten.

Darga erinnert an das Erdbeben in Kufstein im Oktober 2019, welches im Inntal zu spüren war, und an das kroatische Beben im Dezember 2020, das auch Passau zittern ließ: „Jederzeit kann so das sensible Gleichgewicht der Gesteinsschichten ausgehebelt werden, auch im Chiemgau.“

Gebirgsdruck nicht zu unterschätzen

Gerade dort sei auch der sogenannte Gebirgsdruck nicht zu unterschätzen: Künstlich erzeugte Hohlräume wie Kavernen, Tunnel oder Bergbaustollen verändern die empfindliche Spannungsverteilung im Gebirge: „Das Gestein gibt nach und wandert Richtung Hohlraum, schließt ihn über kurz oder lang. In Hausham in der Gemeinde Miesbach waren Kohlestrecken wegen dieser Druckeinwirkungen teils schon nach 15 Jahren nicht mehr begehbar.“

Lesen Sie auch: Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit informiert über die Kernkraftwerke in Deutschland

„Höchstmaß an Transparenz und Information nötig“

Iris Feuchtmeir von der Rimstinger Ortsgruppe des Naturschutzbundes sagt, man verfolge „mit erhöhter Aufmerksamkeit“ das Geschehen. Das Standortauswahlgesetz fordere Öffentlichkeit und Bürgerbeteiligung, „was absolut wichtig und richtig ist.“

Die Datenlage des Zwischenberichts Teilgebiete müsse nun fachlich fundiert überprüft werden. Feuchtmair bemängelt, die Zeit für die öffentliche Diskussion der jetzt schon vorliegenden Ergebnisse sei zu kurz – das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) hat dafür ein halbes Jahr vorgesehen.

Weitere Nachrichten aus dem Chiemgau finden Sie hier.

„Die Politik ist aus meiner Sicht nur glaubwürdig, wenn sie mit einem Höchstmaß an Information, Transparenz und mit allen Beteiligten auf Augenhöhe diese Endlagersuche betreibt. Auch die bayerische Politik darf sich dabei nicht aus der Verantwortung stehlen“, appelliert sie an die Regierung des Freistaats.

Wegen Besiedelung und Tourismus „absolut ungeeignet“ für Endlager

Einer ihrer Stellvertreter ist MdL Klaus Stöttner. Er ist überzeugt, dass die Region wegen der dichten Besiedelung und der großen Abhängigkeit vom Tourismus für ein Endlager „absolut ungeeignet“ ist und geht „felsenfest“ davon aus, dass die Region daher nicht infrage kommt.

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