Arbeitsagentur Traunstein berät Auszubildende - Per Online-Test zum Traumberuf

Ein Schweißer lässt die Funken fliegen. Der Trend bei Jugendlichen geht allerdings mehr zu den kaufmännischen Berufen und das schon seit Jahren.
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Ein Schweißer lässt die Funken fliegen. Der Trend bei Jugendlichen geht allerdings mehr zu den kaufmännischen Berufen und das schon seit Jahren.

Gute Zeiten für Auszubildende: Mehr als 500 Ausbildungsplätze sind noch frei. Wie die Arbeitsagentur Traunstein und die IHK Schulabgänger bei der Berufswahl unterstützen.

Von Martin Tofern

Traunstein – Wer in diesem Sommer im Landkreis Traunstein noch einen Ausbildungsplatz sucht, der hat freie Auswahl: Nach Angaben der Agentur für Arbeit in Traunstein stehen derzeit 966 Bewerbern 1507 Ausbildungsplätze gegenüber, das heißt 541 Plätze sind noch zu haben. 140 Bewerber sind noch nicht fündig geworden.

Internet-Tool hilft bei der Berufswahl

Besonders schwer haben es Schulabgänger, die noch nicht wissen, was sie werden wollen. „Um die kümmern wir uns immer sehr intensiv“, erklärt Jutta Müller, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Traunstein. „Wir sind in die Schulen gegangen und haben Informationsveranstaltungen sowie persönliche Beratungsgespräche durchgeführt“, erklärt Müller. Die Mitarbeiter der Agentur seien in diesem Jahr verstärkt in die telefonische Beratung eingestiegen. Ausbildungsmessen, auf denen Firmen ihre Branche und ihre Ausbildungsberufe präsentieren, habe es heuer wegen Corona nicht gegeben.

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Müller legt jungen Schulabgängern für die Berufswahl besonders ein Online-Tool ans Herz, das auf der Seite der Arbeitsagentur zu finden ist.Es heißt „Check-U“ und ist eine Art Werkzeug, mit dem jeder selbst erkunden kann, was er für Fähigkeiten hat und was ihm Spaß machen würde. Das Tool entwickelt für jeden Teilnehmer ein sogenanntes Kompetenzprofil und bietet eine Ausbildungsplatzbörse. Spaßeshalber könnten übrigens auch Leute mitmachen, die schon lange in einem Beruf arbeiten, erklärt Müller. „Vielleicht finden sie ja einen neuen Traumberuf.“

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Apropos Traumberuf: Auf dem Ausbildungsmarkt sind die Gewichte immer noch ungleich verteilt. Unbeliebt bei Jugendlichen sind Berufe, bei denen die Arbeitszeiten unattraktiv sind wie etwa bei Metzgern oder Bäckern. Beim Frisörberuf hat sich herumgesprochen, dass die Bezahlung nicht besonders gut ist. Bei anderen Berufsfeldern wiederum gibt es keine Berufsschule in vertretbarer Nähe. Wer will schon täglich nach München zur Schule fahren, wenn er in Staudach-Egerndach oder in Inzell wohnt? Auch das kann aber für die Wahl des Ausbildungsplatzes entscheidend sein. Darüber hinaus hätten viele Jugendliche bei manchen Berufen überkommene Vorstellungen. So würde der Beruf des Müllers immer noch mit Mehlstaub und weißen Haaren assoziiert. Stattdessen sitze der Müller an einer computergestützten Steuerungsanlage.

Kaum Wechsel bei beliebtesten Berufen

„Bei den Top Ten der beliebtesten Berufe hat es in den vergangenen Jahren kaum Wechsel gegeben“, erklärt Müller. Beliebt seien immer noch der Einzelhandelskaufmann, die medizinische Fachangestellte oder der Kaufmann für Büromanagement. Kaufmann für Büromanagement? „Das heißt jetzt alles etwas moderner“, erklärt Müller. „Das war früher der klassische Büroangestellte.“ Jetzt komme zu den Bürotätigkeiten noch der Umgang mit den Neuen Medien dazu.

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„Leider passen Neigung und Eignung nicht unbedingt immer zusammen“, bedauert Müller. Es hätten heuer auch keine betrieblichen Praktika angeboten werden können, die zur Orientierung hätten beitragen können. Aber bei der beruflichen und persönlichen Ausrichtung könne auch ein Freiwilliges Soziales Jahr oder der Bundesfreiwilligendienst helfen.

Für Jugendliche, die in der Schule nicht ganz so gut abgeschnitten haben oder die nicht so gut Deutsch sprechen, empfiehlt Müller für ein Jahr die sogenannte Einstiegsqualifizierung. „Das ist ein probates Mittel, besonders für unsere Flüchtlinge“, so Müller.

IHK warnt vor Fachkräftemangel

Wolfgang Janhsen, IHK-Regionalgeschäftsführer, und Nikolaus Binder, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Traunstein, machen sich angesichts der Zahl von mehr als 530 unbesetzten Ausbildungsplätzen Sorgen um die Zukunft der Unternehmen. Sie sehen in dem „Stellenüberangebot“ den Fachkräftemangel von morgen. Auch sie erklären den Mangel an Auszubildenden in bestimmten Branchen mit wenig attraktiven Arbeitszeiten. So sei etwa im produzierenden Gewerbe Schichtbetrieb üblich. Deshalb gehe der Trend klar zu kaufmännischen Berufen.

Betriebe sollten weiter um die künftigen Fachkräfte werben, etwa bei Ausbildungsmessen und Bildungspartnerschaften mit Schulen, bei denen sie den Schülern vor allem durch Praktika Orientierung bieten. Corona eröffne auch eine große Chance: Firmen sollten den regionalen Wertschöpfungscharakter der Produktion hervorheben, um ihre Attraktivität zu steigern, raten die IHK-Vertreter.

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