Bernauer Musiker Albert Osterhammer landet mit virtuellem Konzert vor Stofftieren einen Hit

Im Internetvideoverbeugt sich Klarinettist Albert Osterhammer theatralisch und Jubel brandet auf. Die Stofftiere als Zuschauer sehen das eher gelassen. Privat
  • vonMartin Tofern
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Im Internet begeistert derzeit ein ganz besonderes Musikvideo: Ein Wohnzimmer mit ein paar Notenständern ist zu sehen. In der Sofalandschaft sitzen und liegen viele Stofftiere - das Auditorium. Unter großem Jubel stürmt der erste Musiker im Frack und mit Fliege herein, ein Notenständer kippt um.

Bernau – Man hört Stimmengewirr wie im Konzertsaal vor Beginn einer Aufführung. Der zweite Musiker kommt, ebenfalls bejubelt, und muss sich sein Noteblatt erst einmal vom Boden aufklauben. Auch er in Frack und Fliege, trägt eine etwas andere Frisur, sieht dem ersten Musiker ansonsten aber recht ähnlich. Herein kommt der dritte Kollege, ebenfalls in Frack und Fliege, die Haar etwas hochgegelt. Er sonnt sich im Jubel und genießt den Beifall. Theatralisch wirft er die Frackschöße nach hinten, bevor er sich auf seinen Stuhl setzt. Und schon kann es losgehen. Gegeben wird ein Stück von Wolfgang Amadeus Mozart. Die drei Musiker spielen es mehrstimmig auf einer Bassklarinette.

Dreifacher Osterhammerspielt Mozart

Spätestens nach den ersten Takten wird allerdings klar: Die drei Musiker sind ein und dieselbe Person, für das Video wurden die drei Stimmen getrennt aufgenommen. Der Musiker ist Albert Osterhammer aus Bernau, Mitglied der Münchner Philharmoniker und im Internet derzeit auf populären Kanälen wie Facebook oder Instagram zu bewundern. „Ich kriege viele positive Rückmeldungen“, sagt Osterhammer. 

Als Dirigent gibt Albert Osterhammer bei der Bernauer Blaskapelle seit 2002 den Ton an.

Die Nachrichten seien derzeit ja nicht so optimistisch. Und weil das Orchester komplett auftrittslos sei, seien die Musiker angehalten, ein wenig Werbung zu machen. Bei der durchaus professionellen Produktion des Videos hat ihn Tochter Elisabeth unterstützt. Die 16-Jährige ist das mittlere von drei Geschwistern und ganz offensichtlich fit im Umgang mit den neuen Medien. Bild und Ton hat sie mit dem iPad aufgenommen und mit einem virtuellen Mischpult zusammengebaut.

Stofftiere der drei Kinder lagen nochauf dem Speicher

Die Stofftiere, also die Zuschauer, einst Spielzeug der drei Kinder, waren alle noch auf dem Speicher.

Der 54-jährige Osterhammer ist gebürtiger Bernauer, seine Vorfahren leben bereits seit Generationen in dem Ort. Die Familie war immer musikalisch, schon seit Vater spielte Klarinette, viele Vorfahren waren schon Mitglied der Bernauer Musikkapelle. Und wie sich das für einen angehenden Musiker in der Gegend gehört, besuchte auch Osterhammer die Musikschule in Grassau. Nach ein paar Jahren meinte sein Vater, für die Blasmusik würde es nun reichen. Doch Schulgründer Hans-Josef Crump erhob glücklicherweise Einspruch: Es würde sich lohnen, noch etwas mehr Unterricht in den Jungen zu investieren.

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Osterhammer lernt also weiter, beteiligt sich an Musikwettbewerben wie etwa „Jugend musiziert“.

Später absolviert Osterhammer die Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule in München. „Da bewerben sich viele, aber nur zwei werden genommen“, sagt Osterhammer. Er gehörte dazu. Nach vier Jahren schloss er das Studium mit dem Diplom ab und geht anschließend für ein Jahr an die Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker. Seine erste Stelle findet Osterhammer an der Oper in Frankfurt am Main. „So weit weg von Zuhause, das ist das normale“, kommentiert Osterhammer die beruflichen Anfänge.

Nach drei Jahren kann Osterhammer bei den Münchner Philharmonikern als Bassklarinettist anheuern. Seine Frau ist Schulmusikerin und hat ebenfalls Musik studiert. Kennengelernt haben sich die beiden aber schon vor dem Studium in der Marktkapelle Grassau, in der wir mitgespielt haben. Nach Geburt der ersten Tochter bauen die Osterhammers in Bernau ein Haus, viele Musikanten und Menschen aus dem Umfeld der Bernauer Blaskapelle helfen mit. „Das ist schön, weil man sich kennt und Vertrauen hat“, sagt Osterhammer.

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Und nun sitzt der Musiker, der seit 2002 auch noch die Bernauer Blaskapelle dirigiert und im Stiftungsrat der Grassauer Sawallisch-Stiftung wirkt, also gezwungenermaßen zuhause. Er muss täglich mit seinem Instrument üben, stellt aber fest, dass das ohne Mitspieler doch einigermaßen fad ist. Nichts geht mehr, heißt es bundesweit. „Das ganze Kulturleben steht ja still“, sagt er bedauernd.

Andere Orchester haben deshalb ihr digitales Konzertarchiv geöffnet, um im Gespräch zu bleiben. So etwa die Berliner Philharmoniker mit ihrer „Digital Concert Hall“, in der man sich Konzerte des Orchesters kostenlos ansehen und -hören kann. „Eines Abends haben wir auch einen Konzertabend zuhause veranstaltet. Wir haben den Computer an die Stereoanlage angeschlossen und uns ein Konzert auf dem Fernseher angeschaut“, erzählt er. Musikunterricht gibt er derzeit ebenfalls per Computer über Skype.

Sein heimlichesHobby ist einanderes Instrument

Osterhammer unterrichtet normalerweise auch Schüler am Mozarteum in Salzburg. Darüber hinaus hat er noch ein heimliches musikalisches Hobby, er spielt Tuba. Auch seine kurzfristigen Pläne haben mit Musik zu tun. Mit Unterstützung der Familie würde er gern vor seinem Haus ein Konzert geben. Da bräuchten die Nachbarn nur die Fenster öffnen und könnten zuhören, und das völlig ohne Virengefahr.

Und wenn Osterhammer aber gerade mal gar keine Musik macht, dann fährt er gern Ski oder Fahrrad. „Im Sommer fahre ich gern mit dem Radl, entweder mit dem Liegefahrrad oder mit dem Mountainbike“, sagt er. Und was hat er noch für Ziele? „Das ist eine sehr gute Frage“, sagt er schließlich nach längerer Überlegung. Sein Ziel sei es, mit seinem Instrument noch besser zu werden und noch viele schöne Konzerte zu geben. „Ich fühle mich sehr wohl an dem Platz, an dem ich bin“, sagt der Bernauer und das kann man ihm wohl durchaus abnehmen.

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