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Projekt MnemoLab

Vokabeln lernen leicht gemacht: Ehemalige Priener Abiturientin entwickelt App für Gedächtnistraining

Das menschliche Gehirn - hier in einer Ct-Aufnahme als Querschnitt – gibt noch immer viele Rätsel auf. Wie sich das Gedächtnis effektiver nutzen lässt, wird unter anderem an der an der kanadischen University of Alberta erforscht.
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Das menschliche Gehirn - hier in einer Ct-Aufnahme als Querschnitt – gibt noch immer viele Rätsel auf. Wie sich das Gedächtnis effektiver nutzen lässt, wird unter anderem an der an der kanadischen University of Alberta erforscht.
  • Dirk Breitfuß
    VonDirk Breitfuß
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Vielleicht können bald viele Menschen dank einer ehemaligen Schülerin des Ludwig-Thoma-Gymnasiums (LTG) Prien ihr Gedächtnis viel effektiver nutzen als bisher. Felicitas Kluger, die 2011 am LTG ihr Abi gemacht hat, ist Doktorandin an der kanadischen University of Alberta, wo sie auf dem Gebiet kognitiver Neurowissenschaft zum Thema Gedächtnisstrategien forscht.

Prien/Alberta - Während Corona hat die 28-Jährige von zuhause am Chiemsee aus das Projekt MnemoLab ins Leben gerufen.

Gemeinsam mit Wissenschaftlern in den Bereichen Neurowissenschaft, Mensch-Technik-Interaktion und Computerwissenschaft möchte Kluger ihre Forschungsergebnisse für Menschen im Alltag und insbesondere für Schüler mit Lernschwierigkeiten und ältere Menschen mit Gedächtnisproblemen nutzbar machen. Die Chiemgau-Zeitung hat mit Felicitas Kluger über ihr Projekt gesprochen.

Sie wollten einmal Lehrerin werden, jetzt erforschen Sie das menschliche Gedächtnis. Wie kam es dazu?

Felicitas Kluger : Als ich auf mein erstes Staatsexamen für mein Lehramtsstudium an der LMU München lernte, kam ich auf die Idee, Lerninhalte in autobiographische Geschichten einzubauen und mir die Geschichten mit den Lerninhalten so vorzustellen, als seien sie tatsächlich passiert.

Ich war fasziniert, wie gut das funktionierte und habe meinen Nachhilfe-Schülerinnen und -schülern diese Methode beigebracht, die damit ebenfalls erfolgreich lernten.

Nach meinem Lehramtsstudium habe ich beschlossen, die autobiographische Methode wissenschaftlich zu untersuchen und bin dank eines Stipendiums von der LMU für ein Forschungspraktikum an die University of Alberta. Dort wurde meine wissenschaftliche Neugier für das menschliche Gedächtnis entfacht und aus dem Praktikum wurde eine Doktorarbeit.“!

Felicitas Kluger hat vor zehn Jahren am Priener Gymnasium Abitur gemacht. Jetzt erforscht sie in Kanada das menschliche Gedächtnis.

Wie funktioniert eigentlich unser Gedächtnis, haben wir eine Festplatte im Kopf?

„Kluger : Wir wissen erstaunlich wenig über das menschliche Gedächtnis. Festplatte trifft es nicht ganz. Das Gedächtnis ist vielmehr ein hochkomplexes, sich ständig wandelndes Netzwerk aus Verbindungen, in dem ständig neue Informationen mit bestehenden Erinnerungen verknüpft werden.“

Gedächtnistechniken helfen

Nach Ihren bisherigen Erkenntnissen: Wieviel Erinnerungs-Potenzial im menschlichen Gehirn ist ungenutzt?

Kluger: Ungenutzt ist, denke ich, nicht der richtige Ausdruck, denn unser Gedächtnis ist ja ständig aktiv. Wir wissen nur nicht, was wir tun müssen, um neue Informationen so abzuspeichern, dass wir sie verlässlich abrufen können. Genau dabei helfen uns Gedächtnistechniken.

Es konnte gezeigt werden, dass sich durch Training mit Gedächtnistechniken die Merkfähigkeit mehr als verzehnfachen lässt. Ich stelle mir oft einen Schüler oder eine Schülerin vor, die sich, wenn sie die Fähigkeit zum effektiven Lernen erworben haben, statt zehn Vokabeln in einer halben Stunde 100 Vokabeln lernen können.“

Gibt es populäre Beispiele, was Gedächtnistraining bewirken kann?

„Kluger : Die Leistungen, die Gedächtnis-Athleten und Athletinnen auf den World Memory Championships erbringen, sind beeindruckend. Sie merken sich beispielsweise über 180 Namen und Gesichter in 15 Minuten oder über 150 historische Fakten mit Jahreszahl in fünf Minuten – und das ohne angeborene Fähigkeiten. Ihre Merkleistung ist auf Training mit Gedächtnisstrategien zurückzuführen.“

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Wie funktioniert Ihr Training, wie lässt sich die Gedächtnisleistung verbessern?

„Kluger: In meiner Forschung vergleiche ich verschiedene Gedächtnistechniken miteinander, um herauszufinden, wie man das Training mit diesen Techniken optimieren kann. Diese Gedächtnistechniken verwenden ein Gerüst aus Erinnerungen, in das neue Informationen eingebettet werden. Bei der bekanntesten Gedächtnistechnik, der Loci-Methode, besteht dieses Gerüst aus einer Route, die man im Kopf abgeht und dabei die Lerninhalte mit Orten verknüpft.

Bei der Autobiographischen Methode besteht das Erinnerungsgerüst aus einer Geschichte aus dem eigenen Leben, in die Lerninhalte eingebettet werden. Wenn man die Lerninhalte in dem Erinnerungsgerüst verankert hat, kann man sie zuverlässig und mühelos wieder abrufen.“

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Ziel Ihrer Arbeit ist die Entwicklung einer App. Wann, glauben Sie, wird sie zur Verfügung stehen?

„Kluger : Ich hoffe, dass zum Ende des Jahres die Forschungsversion zur Verfügung steht, um die ersten Experimente damit durchzuführen. Dabei wollen wir die Experimente, die wir bisher im Labor durchgeführt haben, in den Alltag der Lernenden integrieren.“

Selbsttest auf der Homepage

Auf der Homepage gibt es seit wenigen Tagen einen Selbsttest. Wie funktioniert er, was muss ich tun, was beachten?

„Kluger : Bei dem Selbsttest werden Wortlisten gelernt – zunächst ohne Gedächtnistechnik und dann mit. So kann man selbst erfahren, wie man seine Merkleistung schon beim erstmaligen Verwenden der Technik steigern kann.

Haben Sie bei Ihrer Arbeit bestimmte Zielgruppen im Auge, wem soll das Training vor allem nutzen?

„Kluger : Gedächtnistechniken können Menschen jeden Alters helfen, ihre Merkfähigkeit zu steigern. Jüngere Menschen können diese Techniken besonders zum Lernen für die Schule, Ausbildung und Uni gewinnbringend nutzen. Ältere Menschen können damit ihre Merkleistung steigern und womöglich bis ins hohe Alter aufrecht erhalten.“

Fähigkeiten zum effizienten Lernen

Lassen sich mit regelmäßigem Training mit Ihrer Gedächtnistechnik Krankheiten wie Alzheimer vorbeugen?

„Kluger: Dies ist eine unserer Forschungsfragen, die wir zu beantworten versuchen.“

Was haben Sie persönlich vor, wenn diese Arbeit beendet ist? Sind Sie auf den Geschmack gekommen und wollen sich weiter mit dem Gedächtnis beschäftigen?

„Kluger: Genau, ich habe erkannt, wie wichtig es ist, dass neue wissenschaftliche Erkenntnisse zum menschlichen Gedächtnis in den Bildungsalltag einfließen und Menschen die Fähigkeit zum effizienten Lernen erwerben. Nach meiner Doktorarbeit möchte ich gerne weiter zum menschlichen Gedächtnis forschen.“Interview: Dirk Breitfuß

Unter dem Projektnamen Mnemolab haben sich Wissenschaftler unter der Leitung der ehemaligen Priener Abiturientin Felicitas Kluger zusammengeschlossen, um Menschen zu helfen ,ihre Gedächtnisleistung zu verbessern.

Wie es um die eigene Merkfähigkeit steht, kann jeder bei einem Online-Selbstversuch herausfinden, der dieser Tage in Betrieb gegangen ist. Hier gehts zum Versuch:

https://mnemolab.de/experiment/

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