Annette-Kolb-Gymnasium in Traunstein: Zweitbester Abitur-Jahrgang in der Geschichte

Sie freuen sich über ihre Auszeichnungen als beste Abiturientinnen am Annette-Kolb-Gymnasium in Traunstein (von links): Tamara Müller (1,1), Sarah Forster (1,4) und Anna Öttl (1,5) mit Schulleiter Bernd Amschler.
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Sie freuen sich über ihre Auszeichnungen als beste Abiturientinnen am Annette-Kolb-Gymnasium in Traunstein (von links): Tamara Müller (1,1), Sarah Forster (1,4) und Anna Öttl (1,5) mit Schulleiter Bernd Amschler.

„Nur“ 22 junge Gymnasiasten haben heuer sm Annette-Kolb-Gymnasium in Traunstein ihr Abitur gemacht. Der kleinste war aber zugleich der zweitbeste Jahrgang in der Geschichte der Schule. Und ein außergewöhnlicher: Wegen Corona war es ein Abschluss mit Abstand und Hindernissen.

Von Axel Effner

Traunstein – Weiße Luftballons mit Namen und rosa Schleifen zum Empfang auf dem roten Teppich, Blumenschmuck an den Stühlen und auf dem Podium sowie ein Glas Sekt zum Anstoßen: Auch wenn der von der Schule versprochene große Abschlussball noch etwas warten muss, wusste das Annette-Kolb-Gymnasium (AKG) in Traunstein die Zeugnisverleihung an „einen ganz außergewöhnlichen Abiturjahrgang“ gebührend zu feiern.

Zweitbester Schnitt in der Schulgeschichte

Angesichts von nur 21 Abiturientinnen und einem Abiturienten des letzten G8-Jahrgangs war man anfangs sogar im bayerischen Kultusministerium in München skeptisch, ob sich die Schulleitung nicht verzählt hätte. Hintersinnig lächelnd sprach Schulleiter Bernd Amschler deshalb vom „bisher kleinsten Abschlussjahrgang“ am AKG, der aber mit 2,09 den bisher zweitbesten Notendurchschnitt in der Geschichte der Schule erreicht habe. Glücklich über die besten Ergebnisse zeigten sich Tamara Müller (1,1), Sarah Forster (1,4) und Anna Öttl (1,5).

In seiner Rede über das „Abitur mit Abstand“ machte Amschler deutlich, dass vor den Prüfungen lange nicht sicher gewesen sei, ob man angesichts der mit der Corona-Krise verbundenen Einschränkungen in diesem Jahr nicht generell „Abstand vom Abitur“ nehmen wolle. Zum Glück habe sich alles zum Guten gewendet, auch wenn die Umstände Schüler, Lehrer und Eltern außerordentlich gefordert hätten.

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Angesichts der deutlichen weiblichen Dominanz des Abiturjahrgangs erinnerte der Schulleiter an die erste junge Dame, die 1899 an einem öffentlichen Gymnasium in Karlsruhe die erste Abiturrede einer Schülerin halten durfte. Er erinnerte an deren Wunsch nach Gedankenfreiheit und Eigenständigkeit, die der jungen Frau im Übrigen auch den ersten weiblichen Studienplatz für Medizin in Heidelberg beschert hatten.

Bildung begreifen als „Haltung zum Leben“

Bildung, so Amschler, sei nicht als „Berg von Wissen“, den man erklommen habe, sondern idealerweise als „Haltung zum Leben“ zu begreifen. Freiheit und die Verantwortung, sich auch einzumischen, gingen dabei Hand in Hand. Inspirierend sei vor diesem Hintergrund das Buch „Engagez-vous“ des französischen Kult-Philosophen Stéphane Hessel (93), der im Interview mit dem 35-jährigen Journalisten und Öko-Aktivisten Gilles Vanderpooten über die Aufgabe spricht, „eine Aufbruchstimmung in die Köpfe, Gedanken und Haltungen der jungen Leute zu bringen“, so der Schulleiter.

Über Aufbruchstimmung, neue Freiheiten und Entscheidungsdruck sowie den Wunsch, „dass wir uns von den vielen Unsicherheiten nicht überwältigen lassen“, machten sich die beiden Schülersprecherinnen Sophia Biller und Tamara Müller Gedanken. „Während um uns herum scheinbar die Welt unterging, lernten wir fürs Abitur“, fasste Müller die vielen Ausnahme-Ereignisse seit Jahresanfang zusammen.

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Spontanität, der Bruch mit Traditionen und ein festes Zusammengehörigkeitsgefühl habe den Jahrgang geprägt. Ein besonderes Wort des Dankes ging an die „Lehrer, die uns trotz Corona souverän durch die Prüfungen geführt haben“.

Mit anspruchsvollen oder auch schwungvollen und einfühlsamen Musikstücken lockerten Sophia Biller, Simona Jell, Ramona Thaller, Valentina Zeitel und Teresa Waldherr aus der Q 11 die festliche Stimmung auf.

Oberstufenkoordinator Rudi Heid erinnerte im Detail daran, warum es sich bei den diesjährigen Abiturienten um den in vielerlei Hinsicht „mit Abstand außergewöhnlichsten Jahrgang“ handelte. Wo gebe es schon einen Französischkurs mit nur zwei Schülern? Corona-bedingt habe man mit Kompromissbereitschaft und Gesprächen viele „schüler- und lehrerfreundliche Lösungen“ gefunden.

„Geht mutig und freudig euren Weg“

Wie Arbeit, Gemeinschaft, Muße und die Kunst des Müßiggangs den Abiturjahrgang geprägt haben, hob Johannes Zeitel als Vertreter der Eltern hervor. Stefan Hartmann erzählte als Vorsitzender des Elternbeirats eine Geschichte zum Umgang mit Problemen. Man könne sie als Herausforderung sehen und an ihnen wachsen. „In diesem Sinne: Geht mutig und freudig euren Lebensweg.“

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