Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


AUS DEM GERICHTSSAAL

Anlagebetrug mit hohem Schaden

Traunstein – Eine Landwirtsfamilie vertraute ihrem Versicherungsmakler, angeblich Mitarbeiter einer Finanzdienstleisterfirma in Traunstein, ohne Vorbehalte.

Deshalb freuten sich zwei Brüder auch über dessen scheinbar lukrative Geldanlageofferten. Der hinsichtlich der angeklagten 17 Betrugstaten geständige 61-Jährige steckte die insgesamt weit über 100 000 Euro jedoch in seine private Tasche. Das Schöffengericht Traunstein mit Richter Wolfgang Ott vertagte gestern ein Urteil – um ein Zivilurteil des Landgerichts Traunstein am 9. Juni abzuwarten. Das Strafverfahren wird am 22. Juni um 13.30 Uhr fortgesetzt.

In der Familie aus der Umgebung von Traunstein stand die Übergabe des Hofs an einen 36-jährigen Sohn und Baupläne im Raum. Seit rund zehn Jahren kümmerte sich der Angeklagte zuverlässig und zur Zufriedenheit aller Familienmitglieder um Versicherungsfragen. Der 61-jährige Finanzfachmann aus dem östlichen Landkreis hatte in der Traunsteiner Firma von 2005 bis Mai 2016 ein Büro – aber nicht als angestellter Mitarbeiter, sondern als selbstständiger Handelsvertreter, wie der 36-Jährige erst heuer in dem noch laufenden Zivilprozess vor dem Landgericht Traunstein erfuhr. Vorher glaubte er immer, das Finanzdienstunternehmen stehe hinter den Versicherungen und den späteren Geldanlagen ab dem Jahr 2012.

„Gold professionell“ als etwas ganz Spezielles angepriesen

Der 36-Jährige schilderte: „Ich habe mich über meine Bank geärgert. Da sagte der Angeklagte: Du, da hätten wir was.“ Der 61-Jährige pries „Gold professionell“ als etwas ganz Spezielles an – mit täglicher Verfügbarkeit des Geldes, einer Verzinsung von drei bis 3,5 Prozent und als Dreingabe „kleine Goldelemente“. Der 36-Jährige berichtete weiter: „Ich hab ihm gesagt, ich bin kein Spieler.“ Daraufhin habe der Angeklagte versichert, das Geld werde in Gold angelegt und sei „eine absolut sichere Sache“. Der Landwirt überwies dem Betrüger 2012/2013 drei Beträge von zusammen 49 000 Euro und überreichte ihm vielfach kleinere Beträge in bar. Der Zeuge zitierte den Betrüger mit: „Das Geld verreckt auf der Bank.“ Er habe dem 61-Jährigen vollkommen vertraut. Die Quittungen für die Barsummen legte der Angeklagte in einen Ordner, der – auch auf Wunsch des Zeugen – in dem Traunsteiner Büro blieb. Der Gesamtschaden für den 36-Jährigen summierte sich letztlich auf über 90 000 Euro. Die Vorwürfe hinsichtlich der Barbeträge stellte Staatsanwalt Thomas Wüst im Vorfeld des Prozesses ein mit Blick auf das strafrechtliche Gewicht der verbleibenden großen Beträge.

Als das Bauprojekt des 36-Jährigen aktuell wurde, hätte er mit seinem Eigenkapital und der Anlagesumme keinen Kredit benötigt. Als die ersten Rechnungen eintrudelten, forderte der Bauherr sein Geld zurück, bekam aber nur Ausflüchte zu hören und wurde wochenlang hingehalten. Der Geschädigte wurde damals wie gestern vor Gericht „narrisch“: „Es war alles Lug.“ Der 61-Jährige habe stets beteuert, das Geld sei da, aber gerade aus irgendwelchen Gründen nicht greifbar. Der Angeklagte sei zeitweise nicht erreichbar gewesen oder hatte einen „Verkehrsunfall“ erlitten und lag im „Krankenhaus“. In seinem Zimmer in der Bürogemeinschaft in Traunstein waren vorgeblich die Unterlagen verschwunden, im PC nichts mehr zu finden. Der 36-Jährige verlor zusätzlich 4000 Euro, weil die mit den Handwerkern ausgehandelten Sonderkonditionen platzten. Die Schwiegereltern sprangen glücklicherweise ein und retteten den Weiterbau mit einem Darlehen.

Von rund 80 000 Euro bislang nichts wiedergesehen

Dem Vorbild des 36-Jährigen folgte 2013 dessen in einer anderen Gemeinde wohnender 38-jähriger Bruder. Er steckte nach und nach sein für die Zukunft gedachtes Geld, rund 80 000 Euro, in angeblich risikolose Termingeldanlagen. Auch er sah von seinem Geld, rund 80 000 Euro, bislang nichts wieder.

Die Sachbearbeiterin der Kripo Traunstein informierte über einen dritten Fall. Ein betagtes Ehepaar aus der Nachbarschaft des Angeklagten in Laufen hatte 30 000 Euro in bar investiert, allerdings beharrlich und erfolgreich die Rückzahlung in Raten durchgesetzt. Somit entstand dem Ehepaar unter dem Strich kein Schaden.

Der 36-Jährige und sein Bruder strengten 2016 eine Zivilklage beim Landgericht Traunstein an, und zwar nicht gegen den 61-Jährigen, sondern gegen dessen angeblichen „Arbeitgeber“, das Finanzdienstleisterunternehmen. Wenn der Klage stattgegeben wird, bekämen die Brüder ihr Geld von der Firma zurück, in deren Namen der Angeklagte offensichtlich stets aufgetreten ist. Wird die Klage abgewiesen, so Richter Wolfgang Ott weiter, stehen die Chancen schlecht. Der Grund: Der verschuldete Betrüger wird den Schaden wohl nicht wieder gutmachen können.

Dem 61-Jährigen, dem Reinhard Roloff aus Laufen als Verteidiger zur Seite steht, hatte die Firma in Traunstein vor einem Jahr den Weggang nahegelegt. Seither ist er als Tankwart in Salzburg tätig.

Das ergaunerte Geld wollte er in die Ausbildung seiner Kinder gesteckt haben. Dafür hätten die Einkünfte in Traunstein nicht ausgereicht, erklärte der Verteidiger. Sein Mandant wolle nichts beschönigen. Doch sei dessen Situation zu den Tatzeiten „prekär“ gewesen. kd

Kommentare