Die Angst fährt mit

Nur noch ein Taxisteht aktuell am Priener Bahnhof. Meist wird aufgrund der Corona-Krise nur noch auf Abruf gefahren. berger
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Nur noch ein Taxisteht aktuell am Priener Bahnhof. Meist wird aufgrund der Corona-Krise nur noch auf Abruf gefahren. berger

Prien/Rimsting – „Ich fahre nur noch auf Abruf“ – wo sonst am Taxistand am Priener Bahnhof viel los war, herrscht derzeit gespenstische Ruhe.

Touristen, Tagesausflügler, Geschäftsreisende – fast alles weggebrochen, klagt Bernd Gassenhuber, Taxifahrer seit knapp 20 Jahren in Prien und Umgebung. „Zu gefährlich“, so der selbstständige Taxiunternehmer. Und auch seine Kollegen schließen sich dieser Meinung an. 70 Prozent weniger Umsatz verzeichnet Taxiunternehmerin Monika Negele. Natürlich habe sie Verständnis für die Ausgangsbeschränkungen und sie finde es auch „gut, dass sich viele daran halten.“ Und dennoch: Die eingeschränkte Mobilität bedeutet für sie große wirtschaftliche Einbußen. Die früheren Aufträge – seien es Fahrten zum Einkaufen oder zum Friseur, seien es Fahrten zum Flughafen oder auch in Kliniken für anstehende Operationen – abgesagt beziehungsweise nun entfallend.

70 Prozentweniger Umsatz

Die Taxifahrten quer durch die Region und deutschlandweit – derzeit nicht gefragt. Die Minijobber, die Negele beschäftigt, sind momentan nicht im Einsatz, dafür seien es einfach zu wenige Aufträge, so Monika Negele weiter. Das Hauptgeschäft beschränke sich derzeit auf Krankenfahrten, sei es für Dialyse oder Chemo. Und wie es danach weitergehe, könne man nicht vorhersagen. Sie habe mittlerweile finanzielle Hilfe beantragt. Auch ihr Kollege Gassenhuber, der gar über 80 Prozent Umsatzeinbußen verzeichnet, hat einen Antrag auf Soforthilfe gestellt, wie er am Telefon berichtet. Simon Riedl und Hans Rupp, beide über 70 Jahre alt, sind seit Jahrzehnten mit Leib und Seele Taxifahrer, wie man ihnen beiden am Telefon anhört. Nun aber ruht ihr Fahrservice, denn: „Die eigene Gesundheit geht vor,“ so Riedl, der schon seit über 43 Jahren selbstständiger Taxiunternehmer ist.

Rupp, dessen Taxi-Konzession noch bis 2022 geht, betont zwar, dass er auch bis dahin weiterhin gerne Taxi fahren wolle, aber in Corona-Zeiten müsse das Geschäft ruhen, weil er gesund bleiben wolle. „Nun sitze ich halt isoliert zu Hause“, klagt Rupp. Und auch Gassenhuber, der sonst ständig unterwegs war, erklärt, nicht mehr am Taxistand am Priener Bahnhof auf Kunden zu warten, sondern es zu bevorzugen, angerufen zu werden. Eine Meinung, der sich viele seiner Taxler-Kollegen anschließen. Eine lausige Auftragslage, auch da sind sich die Taxler unisono einig. Laut Monika Negele lebten viele der rund 15 Taxiunternehmer, die meisten davon Einzelunternehmer, vom Tagesgeschäft. Wie es nach der Corona-Krise weitergeht, könne sie nicht vorhersagen, so Negele, aber sie hoffe, „dass es irgendwann wieder aufwärts geht.“ Zuversichtlich fügt sie hinzu: „Da müssen wir optimistisch bleiben.“ Elisabeth Kirchner

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