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Arzthelferin verfällt in eine Drogenabhängigkeit

Angeklagte erbt Anfälligkeit für Suchterkrankung

  • VonTheo Auer
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Die 20-jährige Altenpflegerin hat keine leichte Kindheit hinter sich.

Chiemgau – Der leibliche Vater war alkohol- und drogenabhängig. Wechselnde Lebensgefährten der Mutter waren nicht in der Lage oder gewillt, eine Vaterstelle darzustellen, sodass das Mädchen, und mehr noch der Teenager, depressiv und für sich und ihre Umwelt schwierig wurde. Dennoch – oder gerade deshalb – schaffte sie einen guten Realschluss-Abschluss. Auch ihre Ausbildung zur medizinisch-technischen Assistentin (MTA) beschloss sie mit Auszeichnung.

Ihre Tragödie begann mit einem Reitunfall. Wegen eines Schlüsselbeinbruches bekam sie zur Schmerzlinderung ein Fentanyl-Pflaster. Bei diesem gebräuchlichen Mittel gegen starke Schmerzen handelt es sich gleichwohl um ein Opiat. Bei der jungen Frau wirkte dieses jedoch nicht nur schmerzlindernd, sondern löste darüber hinaus eine derartige Euphorisierung und ein Wohlbefinden aus, sodass sie nach diesem Problemlöser und Stimmungsoptimierer umgehend süchtig wurde.

Rezepte in fremdem Namen ausgestellt

Als MTA wusste sie natürlich um den Opiatgehalt dieser Pflaster und begann nun, Medikamentenampullen aus dem Drogenschrank der Praxis zu entwenden. Obwohl dessen Kontrolle wohl sehr lax war, musste sie befürchten, dass ihr Diebstahl auffliegen könnte.

So begann sie auf eigene Faust, am Computer Rezepte für eine schwer kranke Patientin auszustellen, deren Schmerzen mit Opiaten beseitigt wurden. Im Vertrauen auf die Richtigkeit zeichnete der Arzt die Rezepte ungelesen ab und die Angeklagte holte die Ampullen von der Apotheke für sich selbst ab – bis dann notwendigerweise Rückfragen der Apotheke in die Praxis kamen und der Diebstahl sowie die Rezeptbetrügereien aufflogen.

Beginnt mit Entzug

Die 20-Jährige wurde angezeigt und umgehend entlassen. Sofort begann sie mit einem „kalten Entzug“ und suchte eine Drogentherapie auf. Gleichermaßen beantragte sie regelmäßige Kontroll-Screenings auf eigene Kosten bei der MTU und fand auch umgehend eine neue Arbeitsstelle als Kranken- und Altenpflegerin.

Vor dem Jugendschöffengericht unter dem Vorsitz von Richter Hans-Peter Kuchenbaur war sie umfassend geständig. Dass die Angeklagte bereits auf das medizinisch gebotene Fentanylpflaster wie ein Junkie mit berauschenden Glücksgefühlen reagierte, erklärte der Richter mit neuesten Studien. Ein Drogenmissbrauch ist demzufolge genetisch vererbbar. Präzise seien epigenetische Ablagerungen am Erbgut feststellbar, die eine Neigung zu Drogen- und/oder Alkoholsucht nachweisen.

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Dieses ererbte Schicksal hat die Angeklagte offensichtlich erreicht. Jedoch, völlig untypisch für Drogenabhängige, hat die junge Frau sofort damit begonnen, gegen das Abgleiten in eine „Drogenkarriere“ anzukämpfen. Dies bestätigte nicht nur die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe, sondern auch der Staatsanwalt. Die eine empfahl, der andere beantragte einen Schuldspruch nach §27 des Jugendgerichtgesetzes. Nach dem wird zwar die Schuld der Angeklagten festgestellt, jedoch keine Strafe ausgesprochen. Vielmehr wird eine Bewährung verhängt, während der die Verurteilte Gelegenheit hat zu beweisen, dass sie nun keinerlei schädliche Neigungen mehr aufweist. Gelingt ihr das nicht, wird erneut in dieser Sache ein Verfahren eröffnet und eine Jugendstrafe ausgesprochen. Bleibt sie straffrei und kommt allen Bewährungsauflagen nach, ist die Sache in eineinhalb Jahren vergeben und vergessen – so lautete auch das Urteil.

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