Andreas Schaller, Rektor vom LTG Prien: „Unsere Schüler werden die Masken nicht lieben“

„Wir alle sind froh, wenn wir wieder Präsenzunterricht haben“: Oberstudiendirektor Andreas Schaller freut sich auf den Unterrichtsbeginn am Priener Ludwig-Thoma-Gymnasium.
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„Wir alle sind froh, wenn wir wieder Präsenzunterricht haben“: Oberstudiendirektor Andreas Schaller freut sich auf den Unterrichtsbeginn am Priener Ludwig-Thoma-Gymnasium.

Der Schulleiter des Priener Ludwig-Thoma-Gymnasiums, Andreas Schaller freut sich auf den Schulstart am Dienstag, 8. September. „Ich hoffe, dass wir das Richtige tun, damit wir‘s später nicht bereuen müssen“, sagte der Oberstudiendirektor im Interview mit den OVB-Heimatzeitungen.

Von Ulrich Nathen-Berger

Prien - Die Schulen in Bayern werden trotz anhaltender Corona-Krise am Dienstag, 8. September, wieder öffnen. Um den Schulstart „so sicher wie möglich zu gestalten“. verkündete Ministerpräsident Markus Söder nach Beratungen mit Eltern, Lehrer- und Schülervertretern ein neues Hygienekonzept, Wie sich das Priener Ludwig-Thoma-Gymnasium auf die neue Situation einstellt, erfuhr die Chiemgau-Zeitung im Gespräch mit dem Schulleiter, Oberstudiendirektor Andreas Schaller.

Alle Schüler sind verpflichtet, in den ersten neun Tagen während des Unterrichts Masken zu tragen. Wie werden ihre Schüler damit umgehen?

Andreas Schaller: Sie werden es nicht lieben. Bisher mussten sie im Schulbereich, in der Pause und bei Toilettengängen auch den Mund-Nasen-Schutz tragen. Bin gespannt, ob das Kultusministerium noch festlegen wird, ob die Maske beim Sprechen abgenommen werden soll. Ich erwarte eher von Eltern Rückmeldungen, wenn ihre Kinder durch ärztliche Atteste von dieser Pflicht zu befreien sind. Das macht’s nicht einfacher.

Präsenzunterricht geht vor Distanzunterricht, hat sich Söder festgelegt. Wie beurteilen Sie diese Entscheidung?

Andreas S.: Wir alle sind froh, wenn wir wieder Präsenzunterricht haben. Der Distanzunterricht ging vielen Lehrerkollegen auf die Nerven, weil sie damit psychisch nicht zurechtkamen. Ihre Argumentation: Dafür seien sie nicht ausgebildet. Dazu kommen Konflikte mit Eltern, zwar nur mit wenigen, die aber dafür umso lauter zum Beispiel mehr Videokonferenzen zwischen Lehrern und Schülern einfordern. Am besten jeden Tag, und dann zum Zeitpunkt des regulären Stundenplans. Da gibt’s halt viele Lehrer, die sagen, das können sie nicht. Was logisch ist, weil sie nicht entsprechend ausgerüstet und geschult sind.

Ist denn Homeschooling wirklich so negativ für die Entwicklung der Schüler, wie in der öffentlichen Diskussion befürchtet wird? Welche Rolle spielen die Eltern?

Andreas S.: Es ist schwer, das so zu generalisieren, weil die Schüler völlig unterschiedlich damit umgehen. Ich sehe das Thema eher bei den Eltern: Da gibt es das Dilemma gerade in Bayern mit verschiedensten Untersuchungsergebnissen, dass das Elternhaus für den schulischen Erfolg von großer Bedeutung ist. Deren Rolle ist nach den Schulschließungen meiner Ansicht nach jetzt noch entscheidender geworden: Dass sie kontrollieren, dass sie anschieben, motivieren, dass sie sich überhaupt durchsetzen. Wenn das nicht funktioniert, haben diese Schüler einen echten Nachteil.

Auch für die Lehrer gibt‘s Maskenpflicht. Sechs Stunden Unterricht mit der Maske – wie sollen sie das aushalten?

Andreas S.: Das ist in der Tat absolut unlustig. Ich bin gespannt, was aus dem Lehrerkollegium kommt bei der Konferenz am Montag. Bisher hat sich kein Lehrer abgemeldet, auch nicht von den über 60-Jährigen. Vielleicht gibt‘s Vorschläge aus dem Kultusministerium, welcher Maskentyp noch gute Artikulation bei hohem Schutz bietet. Aber bis zu sechs Stunden – das wird heftig…

Der Verband der Kinder- und Jugendärzte befürchtet, dass Lehrer in Klassenräumen zu Superspreadern werden könnten. Wie sehen Sie das?

Andreas S.: Am Montag werden wir freiwillige Reihentests machen, wie uns von der Regierung auferlegt wurde, die wir auch selbst organisieren müssen. Wir haben hier 80 Lehrer, die Hälfte von ihnen lässt sich testen. Ich weiß von einer anderen Schule, dass sich dort nur zwei testen lassen – da muss ich meine Lehrer einfach loben.

Wenn Sie zu entscheiden hätten, Homeschooling oder Unterricht mit Maske, was würden Sie tun?

Andreas S.: Mich für den Unterricht mit Maske entscheiden. Bisher haben wir es an unserer Schule geschafft, ohne Corona-Probleme durchzukommen. Ich denke da grundsätzlich positiv. Ich freue mich darauf, dass alle Schüler und Lehrer in der kommenden Woche wieder hier am LTG sein werden. Ich bin bereit für dieses Risiko und ich hoffe, dass wir das Richtige tun, damit wir‘s später nicht bereuen müssen.

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