Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Einheimischer nach Tragödie bei Waging verurteilt

„Schicksalhafter Unfall“: Fridolfinger (59) starb bei Zusammenstoß - Ursache gibt Gericht ein Rätsel auf

Bei einem schweren Unfall am Freitagmorgen verlor ein Fridolfinger sein Leben.
+
„Es hat ausgesehen, wie auf dem Schlachtfeld“, sagt der Polizist, der damals den tödlichen Unfall aufgenommen hat. Der Unfallverursacher, ein Mann aus Fridolfing, wurde nun verurteilt.
  • Christina Eisenberger
    VonChristina Eisenberger
    schließen

Ein Fridolfinger verliert bei einem schweren Unfall auf der TS26 bei Tettenhausen sein Leben. Den Unfallverursacher, der dabei selbst lebensgefährlich verletzt wurde, hat das Amtsgericht Traunstein jetzt verurteilt.

Traunstein/Fridolfing - Am frühen Morgen des 25. März 2022 machte sich ein 59-Jähriger aus Fridolfing auf den Weg in die Arbeit - und kam nie an. Gegen 5.38 Uhr geriet der Angeklagte auf der TS26 zwischen Fridolfing und Tettenhausen mit seinem Seat auf die Gegenfahrbahn und krachte in den Fiesta des älteren Mannes. Der 59-Jährige erlag noch am Unfallort seinen schweren Verletzungen. Der Unfallverursacher wurde ebenfalls schwer verletzt. Die Ärzte kämpften im Krankenhaus um sein Leben.

Tödlicher Autounfall auf TS26 bei Tettenhausen: Urteil am Amtsgericht Traunstein

Am Donnerstag (1. Dezember) sitzt deswegen der Fridolfinger auf der Anklagebank im Amtsgericht Traunstein. Der Vorwurf: Durch Fahrlässigkeit den Tod eines Menschen verursacht zu haben. Der Unfallhergang gibt Richterin Zehetmeier und Staatsanwalt Merkel indes ein Rätsel auf. Wie landete der Angeklagte mit seinem Auto auf der Gegenfahrbahn? Das Urteil der Richterin fällt am Ende verhältnismäßig mild aus. Der zweifache Familienvater sei der fahrlässigen Tötung schuldig. Die Strafe: 2700 Euro, drei Monate Fahrverbot und die Verfahrenskosten.

Fridolfinger sagt aus: „Ich kannte den Verstorbenen“

Der Angeklagte befand sich damals auf dem Heimweg von einem Bereitschaftseinsatz seiner hauptberuflichen Arbeit. Doch dann setzten nach seiner Aussage seine Erinnerungen aus. „Ich kann mich nur erinnern, dass ich im Krankenhaus wach geworden bin. Das macht mir sehr zu schaffen.“ Er würde selbst gerne wissen, was passiert sei. „Fridolfing ist klein. Ich kannte den Verstorbenen. Man hat ein Gesicht dazu. Das belastet mich sehr.“

Der Angeklagte wurde selbst sehr schwer bei dem Unfall verletzt. Sein linkes Bein stand kurz vor der Amputation. Rippen und Brustbein gebrochen, mit einer schweren Hirnerschütterung und unter Sauerstoffbeatmung im Bett. Wochenlang kämpfte er, um sich überhaupt wieder aufsetzen, geschweige denn gehen zu können. Noch heute befindet sich der Angeklagte in ambulanter Reha, kann mittlerweile wieder gehen, aber den Fuß und auch die damals schwer verletzte Hand kaum belasten. Er lebe täglich mit Schmerzen. „Ich kann bis heute nicht richtig arbeiten. Ich kann mich nicht hinknien. Aber ich bin froh, dass ich wieder auf den Füßen bin und dass ich lebe. Ich muss jetzt das beste daraus machen.“ Sein Ziel sei es, wieder arbeiten zu können.

Warum kam der Angeklagte auf die Gegenfahrbahn?

Seit Ende September steigt der Fridolfinger auch wieder ins Auto. In Simulationen und unter psychologischer Betreuung hat der Angeklagte sich wieder ans Autofahren gewagt, Fahrstunden gemacht. „Seitdem fahre ich kleinere Sachen wieder selbst, etwa meine Tochter in den Kindergarten bringen.“

Unklar ist bis zum Schluss, wie der Angeklagte mit seinem Auto auf die Gegenfahrbahn kam. Laut eigenen Aussagen habe er keinen Alkohol getrunken gehabt. Ein medizinischer Notfall sei quasi ausgeschlossen. Als Ehrenamtlicher mache er auch regelmäßig Gesundheitschecks, auch jetzt sei er abgesehen von den Unfallfolgen wieder gesund, so der Angeklagte.

Verteidiger Netzer fordert indes einen Freispruch. Netzer könnte sich vorstellen, dass etwa ein Wildwechsel - ein Hirsch - der Grund war. Es gehe darum, einen potenziell tödlichen Unfall zu vermeiden, so der Verteidiger. Staatsanwalt Merkel kontert, dass dies einem nicht das Recht gebe, in die Gegenfahrbahn zu lenken und einen Menschen zu töten. „Ich sehe hier keine Anhaltspunkte, dass es ein unverschuldeter Unfall gewesen ist“, so Richterin Zehetmeier.

Der Angeklagte hat das Rechtsfahrgebot nicht eingehalten. „Mir fällt es schwer, mir den Nachweis irgendeiner Ursache vorzustellen, die nicht zu einem Fahrlässigkeitsvorwurf führen würde“, so Richterin Zehetmeier. Selbst wenn es ein Hirsch gewesen wäre, „das kennt man aus der Fahrschule: Lenkrad festhalten und nicht ausweichen“.

Polizist: „Es hat ausgesehen, wie auf dem Schlachtfeld“

Im Zeugenstand erklärt der Polizeibeamte Hofmann seine Einschätzung zu dem Unfall. „Ich war noch in der Nachtschicht. Als wir ankamen, waren Feuerwehr, Notarzt und Rettungsdienst schon da. Es hat ausgesehen wie auf einem Schlachtfeld.“ Er selbst habe nicht mit dem Angeklagten sprechen können. „Die Personenrettung ist vorgegangen.“ Daher konnte der Polizist auch keinen Alkoholtest durchführen. Auch im Krankenhaus konnten die Ärzte aufgrund der schweren Verletzungen kein Blut abnehmen.

Unbeteiligte Zeugen des Unfalls gab es keine. „Für mich hat es an der Unfallstelle so ausgesehen, als wäre der Herr mit seinem Fahrzeug auf die Gegenfahrbahn gekommen.“ Die Stelle sei eigentlich relativ übersichtlich. Die Fahrbahn war trocken. „Ich kann es mir selbst nicht erklären, warum der Unfall so passiert ist.“

Die Aussagen des Polizisten bestätigt auch Gutachter Heim. Die Autos waren beide verkehrstüchtig. Keiner war zu schnell unterwegs. Die Spuren auf dem Splitterfeld deuten auch laut dem Gutachter darauf hin, dass die Kollision auf der linken Fahrbahnseite - die des Verstorbenen - stattgefunden haben muss. Seine Überlegungen überprüfte der Gutachter noch einmal mit automatisierten Rechnungen und kam auch dort auf dasselbe Ergebnis.

Wodurch es zur Schrägstellung des Autos des Angeklagten kam, kann auch Heim nur mutmaßen. Es müsse etwas vorgefallen sein, das die Stellung ausgelöst habe. Eins ist jedoch klar: Der Verstorbene konnte nicht mehr ausweichen. Die Reaktionszeit sei zu kurz gewesen.

Staatsanwalt: Angeklagter der fahrlässigen Tötung schuldig

Der Angeklagte habe gegen das Rechtsfahrgebot verstoßen und dadurch die Kollision verursacht, bei der ein Mensch ums Leben kam - ein schicksalhafter Unfall, so Staatsanwalt Merkel. Der Angeklagte „muss aktiv nach links gelenkt haben. Für andere Alternativen gibt es keinen Anhaltspunkt.“ Der Angeklagte habe sich dadurch der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht. „Das Gesetz sieht eine Freiheitsstraße bis fünf Jahren und eine Geldstrafe vor.“

Der Fridolfinger sei noch nie straf- oder verkehrsrechtlich in Erscheinung getreten. „Er hat einen Fehler im Straßenverkehr gemacht. Er ist auch selbst betroffen, hat selbst schwere Verletzungen erlitten und leidet bis heute darunter.“ Das wirke aus Sicht des Staatsanwalts strafmildernd.

Psychischer Schmerz schlimmer als Wunden und Brüche

Man wisse nicht, was genau geschehen war, meint Verteidiger Netzer. Der Verteidiger schließt auch einen dritten Verkehrsteilnehmer, der möglicherweise überholt hatte, nicht aus. Sein Mandant habe auch keine Verpflichtung, in einen Hirsch hineinzufahren und dabei in Kauf zu nehmen, zu sterben. „Ich muss im Bruchteil einer Sekunde entscheiden: will ich sterben - ja oder nein. Das kann ich ihm nicht vorwerfen.“ Es sei extrem belastend für den Angeklagten, in den Tod eines Menschen verwickelt zu sein und nicht zu wissen, warum. Der Fridolfinger sei deswegen auch in psychologischer Behandlung.

„Wir wissen nur eins: Er ist ein extrem sorgfältiger Mensch. Er trinkt nicht, ist nicht zu schnell gefahren und weiß, was Unfälle bedeuten. Weil er bei der Freiwilligen Feuerwehr und beim Roten Kreuz gefahren ist.“

„Mir macht das große Schwierigkeiten, weil ich nicht weiß, was ist. Ich bin auch in psychologischer Betreuung. Es macht mich wahnsinnig und fertig, belastet mich mehr als meine Wunden und Schmerzen, die ich mit mir trage“, so der Angeklagte, „wenn ich könnte, würde ich es gern ungeschehen machen. Es tut mir leid, dass ich keine Aussage treffen kann.“

Kein Freispruch, aber milde Strafe

Die nicht aufklärbaren Punkte würden Richterin Zehetmeier nach eigenen Aussagen nicht so überzeugen, dass sie zu einem Freispruch kommen würde. Im Strafmaß ist die Richterin am Ende unter den Forderungen der Staatsanwaltschaft geblieben. „Was aus meiner Sicht sehr ins Gewicht fällt, sind Ihre schweren Verletzungen und das mühevolle Rantasten ans Fahren. Das zeigt sehr viel Verantwortungsbewusstsein und wie dramatisch das auch in psychischer Hinsicht ist.“

ce

Kommentare