Bürgermeister erzählen vom ersten Amtsjahr

Amtsantritt in Bernau im Schatten von Corona

Die Corona-Pandemie blockiert momentan noch manches Vorhaben in Bernau, etwa eine Klausurtagung des Gemeinderats zum Thema Ortsentwicklung. Dies berichtet Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber im Gespräch.
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Die Corona-Pandemie blockiert momentan noch manches Vorhaben in Bernau, etwa eine Klausurtagung des Gemeinderats zum Thema Ortsentwicklung. Dies berichtet Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber im Gespräch.
  • Tanja Weichold
    vonTanja Weichold
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Bernau – Seit einem Jahr ist sie im Amt, aktuell befindet sich Bernaus Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber (CSU) nach der Geburt ihrer Zwillinge Paul und Ludwig in Mutterschutz. Nach der dreimonatigen Auszeit wird sich ihr Mann Christian A. Biebl eine Elternzeit nehmen und die 35-Jährige nimmt die Amtsgeschäfte wieder auf. Für die Interviewreihe mit den neu gewählten Bürgermeistern in den OVB-Heimatzeitungen nahm sie sich schon jetzt die Zeit und beantwortete die Fragen.

Welche Erwartungen haben sie mit dem Bürgermeisteramt verknüpft und wie sieht die Wirklichkeit aus?

Irene Biebl-Daiber: „Eigentlich habe ich keine großen Überraschungen erlebt. Familiär bedingt (Vater Klaus Daiber war ebenfalls Bürgermeister, Anm. d. Red.) habe ich ja gewusst, was auf mich zukommt im Bürgermeisteramt und mir macht es nach wie vor großen Spaß und ich bin sehr dankbar, dass ich dieses Amt ausüben darf. Schade ist natürlich, dass es aufgrund Corona wesentlich weniger Kontakt mit den Bürgern und Vereinen gibt, als das normalerweise der Fall ist, aber das wird sich hoffentlich wieder ändern.“

Wie lange hat es gedauert, bis Sie in Ihrer neuen Aufgabe „angekommen“ sind?

Biebl-Daiber: „Im Amt bin ich relativ schnell angekommen. In der Verwaltung hat man sich unheimlich lieb um mich gekümmert und mir Vorstellungstermine mit allen Büros organisiert, mit denen wir bei wichtigen Themen zusammenarbeiten. So konnte ich auch in die Themen gut hineinwachsen, mit denen ich trotz zwölf Jahren im Gemeinderat noch nicht so umfassend betraut war.

Sehr viele Bürger haben im ersten Jahr zu mir Kontakt aufgenommen und das ist mir auch sehr wichtig. Ich möchte, dass jeder Bürger weiß, dass er mit seinen Anliegen zu mir ins Rathaus kommen kann und wo es geht, versuchen wir zu helfen. Meine Bürgersprechstunde am Montag war bis zum Lockdown gut besucht. Wenn ich aus dem Mutterschutz zurück bin, überlege ich, Online-Sprechzeiten anzubieten.“

Erstes Jahr „unglaublich von Corona überschattet“

Hat die Corona-Pandemie den Start erschwert? Wie wirkt sich das Thema aktuell aus bei Ihnen vor Ort?

Biebl-Daiber: „Leider war das erste Jahr ja unglaublich von Corona überschattet. Mit diesem Problem hatten wir natürlich alle zu kämpfen. Das Erstellen von Hygieneplänen für alle Einrichtungen, die Abstimmungen, was wir wie machen können oder welche Einrichtungen wir wie öffnen können, nehmen unheimlich viel Zeit in Anspruch. Trotz oder gerade wegen Corona haben wir einige Aktionen durchführen können, die sonst wahrscheinlich nicht oder natürlich anders stattgefunden hätten. So hat der Nikolaus dieses Jahr seine Runden mit der Kutsche im Ort gedreht. Auch war der 3. Oktober in Bernau unter dem Motto „Dahoam in Bernau“ mit Hofflohmarkt und Einheitsbuddeln ein voller Erfolg. Wir sind für 2021 schon wieder in Planung, um diesen Tag zu gestalten.

Oder auch die Weihnachtsaktion mit dem Bernauer Wirtsgutschein in Zusammenarbeit mit dem Gewerbeverein kam unheimlich gut an.

Schade ist natürlich, dass aufgrund der Pandemie der Kontakt zu den Vereinen und Bürgern sehr eingeschränkt ist.

Trotzdem haben wir in der Verwaltung versucht, die begonnenen Projekte weiter voranzutreiben, wie zum Beispiel den Rückbau der alten Rasthausstraße am See oder den Bau des Radwegs an der Priener Straße. Der Anschluss außerorts an den Radweg wird übrigens für dieses Jahr finanziell unser größtes Projekt werden. Wir stehen da eigentlich schon in den Startlöchern, warten nur noch auf die Zusage der Förderung.“

Wie wirkt sich Corona auf die Arbeit im Gemeinderat aus?

Biebl-Daiber: „Auch in der Arbeit mit dem Gemeinderat zeigen sich Auswirkungen mit der Pandemie. Wir bieten seit mehreren Sitzungen für unsere Gemeinderäte freiwillige Tests an, um einigermaßen sicher durch die Sitzungen zu kommen.

Eigentlich wollten wir schon letzten Sommer eine Klausurtagung abhalten mit dem Thema „Ortsentwicklung“. Für viele Grundsatzbeschlüsse und weitere Entwicklungsmöglichkeiten wie zum Beispiel auch bezahlbaren Wohnraum wäre diese Klausur sehr wichtig.

Corona hat uns da aber bei jedem Anlauf einen Strich durch die Rechnung gemacht. Online kann man so etwas fast nicht abhalten, da wäre es schon wichtig, dass man physisch und auch persönlich wieder mit 25 Personen zusammenkommen kann.“

Tourismus: Einbruch nur bei 10 Prozent

Bernau ist Tourismusgemeinde, wie hat sich die Pandemie in diesem Bereich ausgewirkt bisher?

Biebl-Daiber:„Im Tourismus sind wir 2020 noch mit einem „blauen Auge“ davon gekommen, wir hatten „nur“ einen Einbruch von rund 10 Prozent. Das wird dieses Jahr anders aussehen. Ich kann auch verstehen, dass die Stimmung unter den Gastronomen und Vermietern wie auch teilweise den Einzelhändlern äußerst schlecht ist. Es fehlt an jeglicher Öffnungsperspektive.

Wie sich das auf die Einnahmen der Gemeinde dann auswirkt hinsichtlich Kur- und Fremdenverkehrsbeiträgen, werden wir sehen müssen. Die Auswirkungen im Haushalt werden wir dann wahrscheinlich erst nächstes oder übernächstes Jahr massiv spüren.“

Was empfinden Sie als besonders schön und was als sehr herausfordernd in diesem Amt?

Biebl-Daiber: „Ich habe gemerkt, dass ich unheimlich gerne Trauungen halte, aber auch da haben vergangenes Jahr wesentlich weniger stattgefunden als sonst. Herausfordernd ist natürlich die Themenvielfalt in einer Gemeinde, was aber zugleich viel Abwechslung bietet.“

Radwegbau wichtiges Thema

Welches sind große Gemeindethemen gewesen im ersten Jahr?

Biebl-Daiber: „Wir haben 2020 noch Projekte weitergeführt, die vom letzten Gemeinderat schon angestoßen worden waren, wie der Radweg an der Priener Straße, den Rückbau der alten Rasthausstraße oder die Neuverlegung der Wasserleitung von Bergham bis zur Buchenstraße. Die Wasserleitung ist eine sehr wichtige infrastrukturelle Maßnahme, um die Versorgung der Bürger sicherzustellen. Auch dieses Jahr stehen große und wichtige Maßnahmen an: Der Weiterbau des Radweges ist wie vorhin schon erwähnt ein großer Punkt, dazu kommt die Sanierung des Haus des Gastes. Hierfür möchte die Verwaltung zusammen mit Bürgern und dem Gemeinderat ein Konzept entwickeln.Aus dem Haus des Gastes soll ein Haus für die Bürger entstehen. An erster Stelle steht aber die Sanierung der Touristinfo, die sich ja auch in dem Haus befindet. Wir möchten dieses Jahr in die Planung und Ideenfindung gehen, ab 2022 kann dann mit finanzieller Unterstützung der Städtebauförderung nach Saisonende mit den Sanierungen losgelegt werden. Im Herbst diesen Jahres sollen dann auch die Sanierungsplanungen für die Grundschule wieder angestoßen werden. Unser Schulgebäude muss dringend barrierefrei werden. Aber auch da werden wir dieses Jahr „nur“ planen und dann später in die Ausführung gehen, da wir mit unseren finanziellen und personellen Ressourcen umsichtig haushalten müssen.“

Frauen sind immer noch in der Unterzahl in diesem Beruf, wie fühlen Sie sich akzeptiert in hauptsächlich männlicher Gesellschaft?

Biebl-Daiber: „Ganz klar: Ja, ich fühle mich gut akzeptiert. Unter den Kollegen ist die Zusammenarbeit und der Austausch super, sowohl im Landkreis als auch Landkreis übergreifend mit den Nachbargemeinden.“

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