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Online-Diskussion: Bürger hegen Bedenken

Ortsumfahrung Altenmarkt: Zweiter Bauabschnitt „völlig überdimensioniert“?

Aubergtunnel in Altenmarkt
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Der Aubergtunnel in Altenmarkt ist seit rund einem Jahr in Betrieb. Wie geht es im Zuge des zweiten Bauabschnitts der Ortsumfahrung weiter?
  • Marina Birkhof
    VonMarina Birkhof
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„Straßenbauwahn oder erhoffte Entlastung?“ Unter diesem Titel führten die Traunsteiner Grünen via Zoom-Meeting eine Online-Diskussion mit den Bürgern durch. 80 Teilnehmer beteiligten sich am Montagabend (29. November) an der virtuellen Debatte um den zweiten Bauabschnitt der Ortsumfahrung Altenmarkt.

Traunstein/Altenmarkt/Trostberg - Fest steht: Für die Grünen gibt es viele Gründe, die gegen den geplanten Bau sprechen, darunter Flächenverbrauch, keine Entlastung für die Stadt Trostberg, Steigerung des Straßenverkehrs oder die Zerstörung der Natur im Alztal.

Bis zu 85 Prozent weniger Schwerlastverkehr im Ort

Doch auch die Bürger lassen die Planungen nicht kalt: Dass die B304-Trasse die Menschen im Chiemgau bewegt, wurde schon auf den jüngsten Bürgerinformationsabenden in Traunreut und Trostberg deutlich, als die Verantwortlichen des Staatlichen Bauamts das Planfeststellungsverfahren genauer vorstellten. Via 3D-Visualisierung von Luftaufnahmen wurde den Leuten vor Augen geführt, wohin die Reise gehen soll.

Christian Rehm, der Leiter des Staatlichen Bauamtes Traunstein, versicherte, dass gerade der Kern von Altenmarkt durch den Trassenbau enorm entlastet werde. „Der Schwerverkehr wird sich sogar um bis zu 85 Prozent in den Ortsdurchfahrten reduzieren“, unterstrich er im Gespräch mit chiemgau24.de.

Die Ortsdurchfahrt von Altenmarkt aus Traunstein kommend in Richtung Trostberg und Altötting ist noch stark von Verkehr geprägt.

Dass das Projekt jedoch als „Ortsumfahrung“ angepriesen werde und sich dahinter ein mehrspuriger Trassenbau in Form einer Nord-Süd-Achse verberge stößt vielen Bürgern sauer auf, wie in der Online-Diskussion deutlich wurde. Gleich zu Beginn warf ein Tachertinger die Frage in den Raum, wie man so eine „völlig überdimensionierte Straße“ im Chiemgau denn jetzt noch verhindern könne.

Einwendungen können laufendes Planfeststellungsverfahren verzögern

Grünen-Politiker Markus Büchler, Sprecher für Mobilität, stand an diesem Abend Rede und Antwort. Er weiß, dass nur konkrete Einwendungen aus der Bürgerschaft, von Initiativen, Vereinen oder Kommunen laufende und bereits weit fortgeschrittene Planfeststellungsverfahren wie das zum zweiten Bauabschnitt der Ortsumfahrung Altenmarkt verzögern können.

„Ein positiver Ausgang eines Planfeststellungsbeschluss geht einher mit einem Baurecht für den Vorhabensträger, in unserem Fall dem Staatlichen Bauamt Traunstein. Je länger das Projekt geschoben wird, umso wahrscheinlicher ist es, dass es womöglich so gar nicht mehr gebaut wird. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir in zehn Jahren immer noch massiv Straßen bauen - das ist nicht mehr zeitgemäß im 21. Jahrhundert“, erläuterte Büchler. Dabei müsse man bedenken, dass die Mitarbeiter des Staatlichen Bauamts professionell planen und etwaige Bedenken bereits auf dem Schirm hätten.

Rückenwind bekam er von Landtagskollegin Gisela Sengl: „Einwendungen dürfen nicht unterschätzt werden, die Mühe lohnt sich. Es müssen sich Gruppen zusammenschließen und diese müssen gemeinsam viele Einwendungen schreiben, damit das Ganze verzögert werden kann.“

„Umweltverbände werden im Zuge solcher Verfahren ausgehungert“

In diesem Zusammenhang meldete sich der Vorsitzende des Umweltschutzverband Alztal und Umgebung (UVA), Reinhold Schopf, zu Wort. Die Mitglieder des UVA würden schon seit dem Raumordnungsverfahren 2001 Einwendungen erheben - ohne Erfolg: „Wir haben jahrelang in Rechtsgutachten investiert, um Akteneinsicht zu erhalten und den Plänen Einhalt zu gebieten. Doch Umweltverbände werden im Zuge solcher Verfahren ausgehungert, uns gehen nach der ersten Instanz die Mittel aus.“

„Über Jahrzehnte wurde den Anwohnern vorgegaukelt, dass mit dieser Straße die große Entlastung kommt - nun kommt die Planung und man will natürlich keine Grundsatzdiskussion mehr. Wir aber bleiben dran, arbeiten aktuell an neuen Aspekten in Bezug auf Klimawandel und CO2-Belastung“, zeigt sich Schöpf weiter kämpferisch: ‚Fridays for Future‘ zeigt, dass es so nicht weiter gehen kann, die Natur immer mehr zu verbauen.“

Lastwagen reihen sich regelmäßig an der Ampel in Altenmarkt aneinander.

Lieber in die Bahn als in Straßen investieren?

Im weiteren Verlauf der Debatte fielen die Stichworte Ausbau und Elektrifizierung der Bahn in Südostbayern. Bei der Realisierung der Ortsumfahrung Altenmarkt würde die Bahn nach Ansicht mehrerer Bürger „weiter untergraben werden als es schon der Fall ist“. Die Maßnahme würde das „nurmehr befeuern, dass noch weniger auf Öffis umsteigen“.

Ein Aspekt, den Büchler auch so sieht: „Wir müssen die Bahn unbedingt Bahn attraktiver machen und vor allem mit einem anständigem Takt bedienen. Bei einem Zwei-Stundentakt fährt keiner gerne mit. Für die Ortsumfahrung werden 75 Millionen Euro in die Hand genommen - was könnte man mit der selben Summe auf einer Bahnlinie alles machen?“ 

Andere Länder seien da weiter als Deutschland - langfristig müsse man auf Güterverkehr umschwenken, betonte Büchler und bezog sich dabei abschließend auf den Bau des Brenner-Basis-Tunnels.

Das millionenschwere Straßenbauprojekt rund um Altenmarkt an der Alz

Im November 2020 startete der Betrieb des 440 Meter langen Aubergtunnels. Bis zu 9000 Fahrzeuge rollen seit der Eröffnung täglich durch den Tunnel. Für die Verbindung Trostberg-Wasserburg oder Traunstein-Wasserburg muss der Verkehr jetzt nicht mehr durch den Ort. Vor allem Stauungen durch Abbiegeverkehr am Knotenpunkt B 304/B 299, dem sogenannten „Schneeweißeck“, gehören der Vergangenheit an.

Die Planungen für den zweiten Bauabschnitt der Ortsumfahrung Altenmarkt an der Alz sollen Anfang 2022 ins Planfeststellungsverfahren gehen.

Der 30 Millionen schwere Tunnel ist Teil des 1,5 Kilometer langen ersten Bauabschnitts der Ortsumfahrung Altenmarkt. Nun werden die Planungen für den zweiten Bauabschnitt konkreter: Für insgesamt 75,4 Millionen Euro soll auf einer Länge von 6,3 Kilometer die gesamte Ortsumgehung von Altenmarkt entstehen. Denn der Nord-Süd-Verkehr von Traunstein nach Trostberg und umgekehrt ist trotz Tunnel nach wie vor präsent, wie Bürgermeister Stephan Bierschneider in einer ersten Bilanz nach Öffnung des Aubergtunnels offenbarte.

Im Zuge des zweiten Bauabschnitts soll die Verkehrssicherheit und Leistungsfähigkeit verbessert werden, der Bahnübergang entfallen und die Anwohner entlastet werden. In der Planungsphase heißt es, der Bau sei „zwingend erforderlich“, um die beiden Bundestraßen B 299 und B 304 ihrer Bedeutung als überregionale Nord-Süd-Achse entsprechend zwischen der A94 (Altötting) und der A8 (Traunstein) leistungsfähig auszubauen. Die Planungen sollen 2022 ins Planfeststellungsverfahren samt Erörterungstermin gehen.

mb

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