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Mehr ambulante Pflegeangebote ein Wunsch

Alt werden am Chiemsee: Allein wohnen oder mit Familie?

Senioren spielen das Würfelspiel „Mensch ärgere dich nicht“. Angebote wie Spielenachmittage gibt es in fast jeder Chiemsee-Gemeinde, um Senioren Unterhaltung zu bieten. Nach der Corona-Pause, sagt der Bernauer Seniorenbeauftragte Franz Praßberger, kommen nicht mehr so viele Teilnehmer.
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Senioren spielen das Würfelspiel „Mensch ärgere dich nicht“. Angebote wie Spielenachmittage gibt es in fast jeder Chiemsee-Gemeinde, um Senioren Unterhaltung zu bieten. Nach der Corona-Pause, sagt der Bernauer Seniorenbeauftragte Franz Praßberger, kommen nicht mehr so viele Teilnehmer.
  • Elisabeth Sennhenn
    VonElisabeth Sennhenn
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Die Seniorenbeauftragten aus Bernau und Breitbrunn sprechen über Kernthemen ihrer Gemeinden. Hier wünscht man sich vor allem ambulante Pflege. Auf der Fraueninsel dagegen setzt man auf die Gemeinschaft – und den Bürgermeister, der die Spielenachmittage organisiert.

Breitbrunn/Bernau/Chiemsee – Knapp 22 Prozent der Bevölkerung im Landkreis Rosenheim ist über 65 Jahre alt. Altwerden in der Stadt oder auf dem Land – ein Riesenunterschied, findet Thomas Waldvogel. Der Beauftragte des Landkreises Rosenheim für die Belange älterer Menschen macht diesen Unterschied an einigen entscheidenden Fragen aus: Etwa, ob es einen Arzt in unmittelbarer Nähe gibt, eine Einkaufsmöglichkeit in Fußnähe, und ob Senioren eingebunden sind in familiäre und nachbarschaftliche Strukturen.

Allein oder mit Familie?

„Viele ältere Menschen leben inzwischen allein in ihren Häusern, die Kinder sind ausgezogen, der Partner ist verstorben“, sagt Waldvogel. So geht es auch Senioren in den Chiemseegemeinden, auch wenn sie oft in einem Eigenheim leben, wie es Breitbrunns Seniorenbeauftragte Martina Wagner beschreibt. Nur vereinzelt kenne sie Fälle, wo Senioren auf der Suche nach bezahlbarem Wohnraum seien. „Dieser Bedarf wird zunehmen“, warnt Bernaus Seniorenbeauftragter Franz Praßberger. Auch Zuzug von außerhalb sorge dafür, dass Wohnraum in der Gemeinde knapp werde und gerade Senioren mit nicht allzu üppiger Rente es schwer haben, bezahlbaren Wohnraum zu finden – schließlich sei nicht jeder Immobilienbesitzer.

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Während in Bernau schon betreutes Wohnen angeboten wird, gilt es in Sachen Tagespflege noch eine Lücke zu füllen. „Ich habe immer wieder Nachfragen von pflegenden Angehörigen deswegen“, sagt Franz Praßberger, und endlich gebe es mit der geplanten Tagespflege über Kranken- und Bürgerhilfe einen Silberstreif am Horizont. „Zwei Jahre können aber noch ins Land gehen, bis das Projekt realisiert ist“. In Breitbrunn wartet man ebenso dringend auf ein Angebot im ambulanten Pflegebereich.

„Vorbildlich“ dagegen funktioniert laut Martina Wagner die Tagespflege für demente Senioren in Prien und Bad Endorf, wohin auch Breitbrunner Senioren mit einem Bus gebracht werden. Die ärztliche Versorgung für die Senioren in der Gemeinde bezeichnet Wagner als gut. Einen Landarzt gibt es auf der Fraueninsel nicht, dafür kommt jeden ersten Dienstag im Monat der Allgemeinarzt Sebastian Zipplies aus Gstadt auf die Insel. „Er macht Hausbesuche und hält seine Sprechstunde im Pfarrheim ab“, berichtet Kurt Lehner.

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Soziale Aktivitäten und Unterhaltung

Den Spielenachmittag für Senioren gibt es in Bernau schon seit vielen Jahren. „Aber so viele Mitspieler wie vor Corona kommen im Momen nicht“, bedauert Seniorenbeauftragter Praßberger, „manche sind einfach noch verunsichert.“ Das sei schade, „denn dadurch nimmt auch die Vereinsamung zu.“ Dafür bekam der traditionelle Seniorenausflug auf die Fraueninsel zuletzt großen Zuspruch: „Es fuhren fast 150 Männer und Frauen mit. Das war schön, denn so bin ich mit vielen ins Gespräch gekommen“, freut sich Praßberger. Das sei nicht selbstverständlich: „Gerade auf dem Land vertrauen sich die Menschen nicht jedem an, es geht weniger anonym zu. So kriegt man selbst als Seniorenbeauftragter nicht immer mit, wo Not herrscht.“ Er kenne ein paar Fälle, wo die Rente sehr knapp sei: „Aber die Betroffenen jammern nicht, das finde ich bewundernswert.“

Die Kaffeenachmittage in Breitbrunn sind ein beliebter Treffpunkt, berichtet Martina Wagner, im Schnitt kämen 30 Personen. Was sie sich wünscht: dass auch neu zugezogene Senioren dabei sind. „Bis jetzt kommen die, die sich schon kennen.“ Was zu ihrem Bedauern nicht angenommen wurde, waren Spielenachmittage im Pfarrheim. „Vielleicht lag es an der Nähe zur Kirche, da fühlt sich wohl nicht jeder angesprochen“, mutmaßt Wagner. Auf der Fraueninsel hat das geklappt, zwei Mal im Jahr wird dort ein Spielenachmittag angeboten – organisiert von Bürgermeister Armin Krämmer persönlich.

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