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Kunst zur Prinzregentenzeit

Als München leuchtete und Prien glänzte

Die Büste Ludwigs von Zumbusch hat sein Vater, Caspar von Zumbusch, angefertigt. Hinten: Leo Putz „Am Ufer“.
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Die Büste Ludwigs von Zumbusch hat sein Vater, Caspar von Zumbusch, angefertigt. Hinten: Leo Putz „Am Ufer“.
  • VonElisabeth Kirchner
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Wahrhaft glanzvoll geht es ab Samstag (12. März), in der Galerie im Alten Rathaus zu: Einerseits ein nostalgischer Blick zurück auf die „gute alte Zeit“, die Prinzregentenzeit (1886 bis 1912) und anderseits eine Würdigung der Künstlerpersönlichkeiten rund um den Chiemsee, die sich zu jener Zeit dort niederließen,

Prien – Die Kunst vieler dieser Maler entwickelte sich weg von der traditionellen Genre- und Historienmalerei und unter dem Einfluss des französischen Impressionismus hin zu einem freieren Umgang mit Formen und Farben.

Berühmte Malerund illustre Gäste

Ähnlich den Salons in München und doch eigenständig erwuchs rund um den Chiemsee eine lebendige Künstlerlandschaft, sei es Christian Maximilian Baer auf der Fraueninsel, Leo Putz in Hartmannsberg, Julius Exter in Übersee oder Ludwig von Zumbusch in Aiterbach. Dass berühmte Gäste wie die Maler Max Slevogt, Edward Cucuel oder Wilhelm Leibl und sogar der Prinzregent Luitpold höchstpersönlich sich dort gerne einfanden, auch davon zeugt die Ausstellung. Ihnen allen huldigt die Ausstellung mit Ölgemälden, Aquarellen, Gouachen und Zeichnungen, Porzellan und Skulpturen, Fotografien, Zeitschriften und einem Gästebuch.

Zur gleichen Zeit g begann auch der Tourismus am Chiemsee aufzublühen: Die Bahnanbindung, die Öffnung des Schlosses Herrenchiemsee für die Allgemeinheit und die Chiemsee-Schifffahrt sorgten für einen Boom, was sich auch auf die Kunst auswirkte. Die pittoreske Idylle des Chiemsees halten die „Inselkönige“ Karl Raupp und Josef Wopfner sowie jene der Vertreter der Moderne wie Leo Putz, Julius Exter und Brynolf Wennerberg in ihren Werken fest. Ein Schiffsmodell der Chiemsee-Schifffahrt sowie die Künstlerchronik der Fraueninsel sind ebenfalls prächtige Beweise der damals aufblühenden Sommerfrische am See.

Weiblichen Künstler ein Denkmal gesetzt

Die Kuratorinnen, die Kultur- und Kunsthistorikerinnen Ingrid Fricke und Ute Gladigau, gehen in der Ausstellung sogar noch einen Schritt weiter: Glanzvoll setzen sie auch weiblichen Künstlern der Prinzregentenzeit ein Denkmal. Dass Künstlerinnen in der damaligen Zeit nur im Schatten ihrer männlichen Kollegen glänzen durften und nur an (teuren) privaten Malschulen rund um den Chiemsee ihre Kunst ausleben durften, ist – aus heutiger Zeit betrachtet – ein Unding. Braucht sich doch die Kunst von Marie Haushofer (sie verschaffte mit dem Festspiel „Zwölf Culturbilder aus dem Leben der Frau“ der Frauenrechtsbewegung Auftrieb), der Scherenschnitt „Gräser“ von Paula Göschen-Rösler (der an Matisse erinnert) oder die Malerei von Josefine Mühlen-Schmid (deren „Sitzendes Mädchen“ an einen Picasso heranreicht) keineswegs zu verstecken. Exposees aus dem Münchner Fotoatelier Elvira, betrieben von dem Paar Anita Augsburg und Sophia N. Goutstikker, geben Zeugnis davon, dass das Atelier ob seiner Kunst und Kreativität berühmt und geachtet und ob seiner Exzentrik berüchtigt war.

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Glanzvoll reihen sich in der Ausstellung Werke von Künstlerinnen und Künstler aneinander, die vom Leuchten Münchens und dem Glanz Priens, vom Mut zur Eigenständigkeit der Künstlerinnen und Künstler (sinnbildlich hier die „Vanitas. Der Spiegel des Lebens“ von Leo Putz) und vom Aufbruch in die moderne Zeit (sinnbildlich hier „Badende mit Kahn“ von Julius Exter) erzählen.

Auch Speisekartefehlt nicht

Die Leihgaben stammen überwiegend aus Privatbesitz, etwa aus den Beständen der Sammlung Siegfried Unterberger (Meran), der Sammlung Abé im Kronast-Haus Prien und der Kunstsammlung der Marktgemeinde Prien. Öffentliche Leihgeber sind beispielsweise das Landesmuseum Mainz, das Münchner Stadtmuseum, die Sammlung Hierling im Buchheim-Museum der Phantasie und die Bayerische Schlösser-Verwaltungsowie die Sammlung Café Luitpold München. Letztere samt Café-Haus-Kultur bekommt einen Ehrenplatz im Erdgeschoss: Die Speisekarte des Münchner Café Luitpold von damals macht Appetit auf Mehr, wenngleich die Prinzregententorte von heute mit sieben Böden im Vergleich zu den damaligen acht Böden (für die sieben bayrischen Regierungsbezirke plus die heute nicht mehr zu Bayern gehörende Pfalz) geringfügig schlanker ausfällt.

Zu sehen bis 19. Juni

Die Ausstellung läuft vom 12. März bis zum 19. Juni. Geöffnet ist donnerstags von 17 bis 19 Uhr sowie freitags bis sonntags von 14 bis 17 Uhr. Am Karfreitag und 15. April ist geschlossen. Rund um die Ausstellung gibt es ein Rahmenprogramm mit Führungen (20. März, 3. und 24. April)

Und natürlich wacht der Prinzregent: Blick in die Räumlichkeiten der Ausstellung.

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