Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Nach Corona- kommt der Teuer-Frust

Alles wird teurer, Hilferuf vom Chiemsee: Inselbräu stellt Papp-Kanzler auf

Inselbräu und Gastwirt Daniel Hagen neben seinem Papp-Kanzler in der Gaststube.
+
Inselbräu und Gastwirt Daniel Hagen neben seinem Papp-Kanzler in der Gaststube.
  • Tanja Weichold
    VonTanja Weichold
    schließen

Der ein oder andere hat sich vielleicht schon gewundert: Im Gastgarten von Inselbräu Daniel Hagen steht eine lebensgroße Figur Bundeskanzler Olaf Scholz. Hinter dieser Aktion verbirgt sich großer Frust.

Fraueninsel – Bundeskanzler Olaf Scholz steht beim Inselbräu Frauenchiemsee an diesem regnerischen, wolkigen Freitag in der Gaststube. Normalerweise ist sein Platz draußen, neben der Speisekarte, die dort in einem hölzern eingefassten Schaukasten hängt. Aber der Bundeskanzler soll nicht vom Regen aufgeweicht werden, deshalb hat ihn Wirt und Bräu Daniel Hagen lieber ins Wirtshaus geholt. Scholz ist nämlich eine Pappfigur. Er steht da nicht zum Spaß, dem Inselbräu steht der Sinn angesichts der Teuerungsrate nicht gerade nach Humor. Die zwang ihn wie viele Gastwirte dazu, die Preise zu erhöhen.

Höhere Preise quer durch die Einkaufsliste

„Die Situation ist für alle schwierig“, sagt Daniel Hagen im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. In einem Post auf Facebook schrieb er unter den beiden Hashtags „traurig aber wahr“ und „bausparerauflösen“: „Liebe Gäste, ihr habt es ja mitbekommen, alles wird teurer ... Malz, Hopfen, Strom, Gas, Heizöl, Benzin und damit die Lieferung teurer.“ Frittier- und Speiseöl sei eher schon unbezahlbar, Schweine- und Rindfleisch teurer – diese Liste könne man ewig weiterführen: „Das merkt auch jeder schon im Supermarkt.“ Daher habe auch er seine Preise leider anpassen müssen. Dazu der Hinweis: „Bei Fragen dazu haben wir direkt neben unsere Speisekarte den richtigen Ansprechpartner hingestellt. Wir fragen uns nämlich alle das Gleiche: Wer soll sich das noch leisten?“

+++ Das könnte Sie auch interessieren: OVB-Themenseite Gemeinde Chiemsee +++

Was aber nun ist konkret der Vorwurf an Olaf Scholz? Hagen dazu: „Ich mache ihm keinen persönlichen Vorwurf. Er repräsentiert für mich die Politik und von der fühle ich mich im Stich gelassen.“ Bei der Verteuerung der Waren profitiere der Staat, weil er prozentual an der Mehrwertsteuer verdiene. Und da sieht der Inselbräu durchaus eine gute Möglichkeit, wie die Politik die Allgemeinheit entlasten könnte, indem sie Steuern senkt. Auch eine Benzinpreisbremse sähe er als ein sinnvolles Mittel.

„Die normalen Leute sind die Leidtragenden“

Denn: „Die ganz normalen Leute, die fleißig in die Arbeit gehen, sind die Leidtragenden“, ist seine Meinung. Ihn als Unternehmer treffen die allgemeinen Preiserhöhungen genauso im Einkauf: „Jedes Schreiben, das ich aufmache, und jedes Gespräch mit Lieferanten, das ich führe, dreht sich um Preiserhöhungen“, sagt er. Auch die Fischer seien betroffen, denn die würden „einen Haufen Benzin“ verfahren, wenn sie auf Fang auf dem Chiemsee unterwegs seien.

Hagen stellt sich täglich die Frage: „Wie soll das weitergehen, wie sieht es im nächsten Monat aus?“, wie er sagt. Er versuche, mit einer Mischkalkulation gegenzusteuern, sei aber letztlich um höhere Preise auf seiner Speisekarte nicht herumgekommen. „In meinen Augen haben wir human angepasst“, meint er und fügt hinzu: „Wir haben viele Stammgäste und einheimisches Publikum bei uns. Da tut es schon weh, wenn Gäste sagen: ihr seid‘s aber teuer geworden.“

Dehoga-Kreisvorsitzende rechnet mit Urlauber-Boom

Theresa Albrecht, die Rosenheimer Kreisvorsitzende des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) kann den Frust gut verstehen. Sie sagt im Gespräch mit unserer Zeitung: „Grundsätzlich ist es für alle eine schwere Zeit. Hinter uns liegt Corona mit langen Zwangsschließungen in der Branche.“ Die Gastwirte seien voller Tatendrang und nun gebe es diese hohen Preissteigerungen in allen Bereichen. Auf die Frage, ob sie davon ausgehe, dass die Menschen am Essengehen sparen werden, erwidert sie: „Sicher werden das Manche machen.“ Sie denke aber, dass die hiesige Region wegen der vielen Urlauber nicht so stark betroffen sein wird: „Die Leute werden eher daheim sparen.“ Theresa Albrecht prophezeit der Hotel- und Gaststättenbranche wieder einen hervorragenden Sommer. Die Buchungslage sei bei vielen Hotels schon jetzt sehr gut.

Mehr Lohn für die Mitarbeiter nötig

Daniel Hagen hält dagegen. „Es ist ein Teufelskreis. Unsere Mitarbeiter wollen sich auch noch leisten können, in der Freizeit mal essen zu gehen, also müssen wir ihnen mehr bezahlen.“ Außerdem sei es überhaupt schwer, noch genügend Personal zu finden. Viele Leute seien nach der Corona-Zeit nicht mehr ins Gastgewerbe zurückgekehrt: „Da musst du schon genug bezahlen.“

Die Preisspirale nennt er eine „bittere Situation“. Er wolle den Frust nicht in sich hineinfressen, deshalb der Papp-Kanzler: „Ich will meinen Gästen sagen, dass ich mit den höheren Preisen auch nicht glücklich bin.“ Denn: „Das tut jedem weh in der Gastronomie. Wir wollen nicht, dass die Gäste den halben Bausparer auflösen müssen, um sich das noch leisten zu können.“

Mehr zum Thema

Kommentare