Erste Flüchtlinge aus Afghanistan in Übersee eingetroffen

Alles, was sie dabei hatten, waren Plastiktüten

Bürgermeister Marc Nitschke (Zweiter von links) sowie die Dorfhelferinnen Erika Stefanutti (daneben), Marietta Geppert (rechts, stehend) und Uschi Geiger übernahmen die Erstbetreuung der Flüchtlinge aus Afghanistan.  Foto  vom Dorp
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Bürgermeister Marc Nitschke (Zweiter von links) sowie die Dorfhelferinnen Erika Stefanutti (daneben), Marietta Geppert (rechts, stehend) und Uschi Geiger übernahmen die Erstbetreuung der Flüchtlinge aus Afghanistan. Foto vom Dorp

Übersee - "Improvisieren" war das Motto für die Gemeindeführung in Übersee nach der Zuweisung ihrer ersten Asylbewerber - allesamt aus Afghanistan - am vergangenen Wochenende. Nach einem zweiwöchigen Aufenthalt in Deutschland waren die elf jungen Männer im Alter von 16 bis 25 Jahren und eine Familie mit drei Kindern im Alter von eins, drei und fünf Jahren direkt vom Auffanglager in München per Bahn nach Übersee gekommen.

Die Flüchtlinge hatten nur ein paar Plastiktüten bei sich und sprechen weder Deutsch noch Englisch. Nur über einen etwas englisch sprechenden Flüchtling war die Verständigung möglich. Alle kommen zwar aus Afghanistan, kennen sich aber untereinander nicht.

Zur Erstbetreuung hatten sich die Dorfhelferinnen Erika Stefanutti, Uschi Geiger und Marietta Geppert zur Verfügung gestellt. Sie übernahmen auch die Einweisung der Ankömmlinge in die beiden, von der Gemeinde kurzfristig zur Verfügung gestellten Wohnungen im alten Feuerwehrhaus. Nach der derzeitigen Planung soll das Gebäude mittelfristig abgerissen werden, um dem neuen Bürgerzentrum samt neuem Rathaus Platz zu machen.

In der einen Wohnung von 80 Quadratmetern ist nun die fünfköpfige Familie untergebracht. In der anderen Wohnung von 110 Quadratmetern mit einer Küche und einer Toilette fanden die elf jungen Männer eine vom Landkreis eingerichtete spartanische Bleibe. Dank der hervorragend ausgestatteten Kleiderkammer in Übersee konnten den Menschen ein Kinderwagen, Kleidung und einige Gebrauchsgegenstände zur Verfügung gestellt werden.

Die Flüchtlinge fühlen sich nach eigenem Bekunden "in der Gemeinde nett aufgenommen". Ihr vorrangigster Wunsch ist es, die deutsche Sprache zu erlernen.

Wie Bürgermeister Marc Nitschke gegenüber der Chiemgau-Zeitung sagte, habe ein Aufruf zur ehrenamtlichen Betreuung der Flüchtlinge durch einen "Arbeitskreis Asyl" in der Gemeinde eine große Resonanz hervorgerufen. Viele wollen helfen und sind übereingekommen, sich schon am heutigen Montag zu strukturieren. Man strebt eine Aufgabenverteilung an, um die Flüchtlingen bei den Alltagsproblemen zu unterstützen und vor allem Sprachkurse zu organiseren.

Die Einladung von Nitschke zum Essen und Trinken in einem Biergarten lehnten die "Neu-Überseer" mit dem Hinweis auf ihre Religion als Muslime und den gerade begonnenen Ramadan freundlich lächelnd ab. Zumindest vorerst. vd

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