Alemannen wollen ins Lechnerhaus

Das Lechnerhaus hat seinen Namen vom Regensburger Holzstofffabrikanten Josef Leonhard Lechner, dem es gehörte. Der Markt Prien hat es 1991 einer Nachfahrin Lechners abgekauft. Foto Archiv Berger
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Das Lechnerhaus hat seinen Namen vom Regensburger Holzstofffabrikanten Josef Leonhard Lechner, dem es gehörte. Der Markt Prien hat es 1991 einer Nachfahrin Lechners abgekauft. Foto Archiv Berger

Das Lechnerhaus steht seit vielen Jahren leer und verfällt zusehends. Interessenten für die kommunale Immobilie an der Beilhackstraße gab es immer wieder mal. Gescheitert ist eine Belegung bisher am Preis. Jetzt haben die Priener Pfadfinder ein Auge auf die alte Villa geworfen. Sie müssen sich aber bis nach der Kommunalwahl in Geduld üben, ob ihr Ruf erhört wird.

Prien - Der Stamm der Alemannen wächst. So heißen die Priener Pfadfinder. 1986 gegründet, fand sich 1993 die erste Gruppe in Prien zusammen. Heute sind es über 100 Aktive von acht bis 20 Jahren, die in sieben Gruppen wöchentlich zusammenkommen, um in erster Linie zum Spielen, Basteln, Zelten und Singen in die Wälder des Eichentals ziehen.

Pfadfinder sind zwar ziemlich wetterfest, aber manchmal ist es auch für sie draußen zu nass oder zu kalt. Deshalb ist der Stamm schon seit längerem auf der Suche nach einer überdachten Unterkunft.

Als sich der bisher letzte Vorstoß zerschlagen hatte, das Lechnerhaus einer neuen Nutzung zuzuführen, boten sich die beiden Marktgemeinderäte Werner Waap (BfP) und Tobias Ihm (MfP) an, ein Konzept auszuarbeiten. Etwa zeitgleich gründete sich im Sommer 2013 der neue Verein "Weg", ein Zusammenschluss Erwachsener, die die Priener Pfadfinder bei aller Eigenständigkeit des Stammes in Dingen unterstützen, die für Jugendliche dann vielleicht doch zu komplex sind.

Das könnte zum Beispiel ein Pachtvertrag mit der Gemeinde über die Nutzung des Lechnerhauses sein. In der jüngsten Marktgemeinderatssitzung wurde diesesKonzept von "Weg"-Vorsitzendem Sebastian Hippe vorgestellt. Der Diplom-Sozialpädagoge ist selbst ehemaliger Pfadfinder. Er und rund 20 "Alemannen", die mitgekommen waren, gerieten dabei in die Bugwellen des Kommunalwahlkampfs. Denn die CSU-Fraktion war alles andere als glücklich, dass dieses Thema noch vor dem Urnengang auf die Tagesordnung gesetzt worden war und so bei den Pfadfindern vielleicht Hoffnungen geweckt würden, die sich später als unerfüllbar herausstellen könnten.

Denn das Lechnerhaus steht in einem Gebiet, das vielleicht irgendwann einmal für eine Ortsumgehung - in welcher Form auch immer - gebraucht werden könnte. Um dieses Thema herrscht zwar seit dem letzten Kommunalwahlkampf 2008 - zumindest öffentlich - absolute Ruhe, es taucht aber im Vorfeld des Urnengangs Mitte März wieder aus der Versenkung auf.

Zudem könnte der marode Zustand des Lechnerhauses einer Nutzung entgegenstehen. Hans-Jürgen Schuster (CSU) nannte eine Summe jenseits der 80000-Euro-Marke, die vor einigen Jahren bei einer Untersuchung der Substanz im Raum gestanden habe, wobei es nur um eine Teilnutzung des Erdgeschosses gegangen sei.

Und schließlich stehe dem Tagesordnungspunkt noch ein Beschluss des Hauptausschusses vom Dezember 2012 entgegen, wonach zunächst grundsätzliche Überlegungen nötig seien, bevor eine Entscheidung über die Zukunft des Lechnerhauses getroffen wird.

Bürgermeister Jürgen Seifert wiederum betonte, dass es lediglich um die Vorstellung des Konzepts gehe. Am Ende sprachen sich nur acht Gemeinderäte für den Antrag der CSU aus, den Tagesordnungspunkt abzusetzen. 15 stimmten für die Vorstellung des Konzepts, darunter auch drei CSU-Räte.

Hippe umriss dann später die Grundzüge und Philosophie der Arbeit der "Alemannen". Er zeichnete das Bild eines "lebendigen und selbstständigen" Pfadfinderstammes, dessen Gemeinschaft sich das Lechnerhaus gern herrichten möchte, um dort nicht nur kreativ handwerklich zu arbeiten, sondern auch im Garten des 3000-Quadratmeter-Grundstücks einen Streichelzoo einzurichten und Räume für die Mittags- und Ganztagsbetreuung der Priener Waldorfschüler einzurichten. Diese Angebote hat der Verein "Weg" zu Beginn dieses Schuljahres übernommen und kümmert sich seitdem mit Erziehern um die Betreuung der Schüler. Das Geld, das der Verein dafür bekommt, könnte in die notwendigen Instandsetzungsarbeiten im Lechnerhaus fließen. Die Pfadfinder würden die Pflege von Haus und Grundstück übernehmen, die Gemeinde im Gegenzug wohl auf eine Pacht verzichten - soweit der Ansatz.

Noch nie habe es einen Interessenten für das Gebäude gegeben, der bereit gewesen sei, so viele Eigenleistungen zu erbringen, brach Ihm eine Lanze für das Konzept. "Geben wir ihnen eine Chance", appellierte er und Waap charakterisierte die Pfadfinder als "verantwortungsvolle Leute, die keinen Hirngespinsten nachrennen". Alfred Schelhas (SPD) ging angesichts des Konzepts "das Herz auf" und Ella Pelzl (MfP) äußerte sich gleichfalls "total begeistert".

Die CSU wollte sich nicht als "Bedenkenträger" abstempeln lassen, wie Bürgermeisterkandidat Michael Anner betonte, aber "Wir machen den zweiten Schritt vor dem ersten", warnte er. Er habe sich selbst ein Bild vom Zustand des Gebäudes gemacht. Ein immenser Aufwand sei nötig, um es nutzen zu können. Auch sein parteiloser Fraktionskollege Georg Fischer fand die Vorgehensweise "nicht ehrlich", wenn die Gemeinde vielleicht in drei Jahren sage "Ällabätsch, jetzt brauchen wir es selber", nachdem die Pfadfinder es mit großem ideellen und finanziellen Aufwand hergerichtet hätten.

Die Fronten blieben bis zum Ende der Diskussion abgesteckt. So fand es zum Beispiel auch Zweite Bürgermeisterin Renate Hof (CSU) "unfair, jetzt Hoffnungen zu machen", während Felicitas Bauer (BfP) im Gegenteil es für "nicht unfair" hielt, weil die Verhältnisse klar seien und die Pfadfinder wüssten, worauf sie sich einlassen würden.

Am Ende wurden die Alemannen wieder aus dem Wahlkampf befreit, als Seifert die lange und konträre Diskussion beendete: "Mir ist das Konzept viel zu wertvoll und zu wichtig, als dass ich es in den Wahlkampf hineinnehme." db

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