Ärzte werden zu TV-Darstellern: Priener Klinik in Corona-Krise mit kreativer Idee

Die Klinik St. Irmingard hat Reha-Patienten in der Onkologie, Kardiologie und Psychotherapie. Berger
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Die Klinik St. Irmingard hat Reha-Patienten in der Onkologie, Kardiologie und Psychotherapie. Berger

Bisher saßen die Reha-Patienten in der Klinik St. Irmingard bei Gruppentherapien immer zusammen. Wegen Corona gibt es einen Teil der Sitzungen jetzt im hauseigenen TV. Die Ärzte sind zu Fernseh-Darstellern geworden.

Von Dirk Breitfuß

Prien – Die Akutkrankenhäuser haben ihre Kapazitäten hochgefahren und können die Behandlung von Corona-Kranken derzeit gewährleisten. Die Reha-Kliniken plagen ganz andere Sorgen. „Es könnte eine Welle auf uns zukommen“, argwöhnt Dietolf Hämel, Vorstand der Gesundheitswelt Chiemgau GWC) aus Bads Endorf und Geschäftsführer der Klinik St. Irmingard, die zu diesem Verbund gehört. Weil viele Kranke in den vergangenen Monaten aus Angst vor einer Infektion mit Covid 19 nicht zum Arzt gegangen sind, rechnet Hämel damit, dass auf Ärzte und dann auch auf die Reha-Kliniken einiges zukommt.

Belegung wieder bei 80 Prozent

Die Klinik St. Irmingard ist inzwischen schon wieder auf 80 Prozent der Belegung hochgefahren, erklärt der Geschäftsführer im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. 200 der 235 Betten sind wieder belegt. In normalen Zeiten ist die Klinik eigentlich immer voll ausgelastet.

Als die Pandemie sich im März in Deutschland ausbreitete, mussten Reha-Betten Kapazitäten freimachen, um Patienten aus Akut-Krankenhäusern früher aufnehmen zu können, damit dort wiederum Platz für Corona-Kranke ist. Kurzzeitig war die Irmingardklinik deshalb nur zur Hälfte belegt. Wirtschaftlich „hat das grundsätzlich schon weh getan“, sagt Hämel. Aber sie habe früh reagiert, eine Hygienekommission installiert, Besuchsverbote verhängt, Mitarbeiter hätten externe kontakte vermeiden, die beliebten Kulturveranstaltungen seien gestoppt worden, listet Hämel eine Reihe von Sofortmaßnahmen auf, die dazu beigetragen haben, dass nach seinen Angaben kein einziger Coronafall bei Patienten und Personal im Haus aktenkundig geworden sei. Nur bei zwei Personen sei bei einer Überweisung aus Akutkliniken in die Reha-Klinik eine Infektion mit Covid-19 schon bekannt gewesen und sie seien im Haus sofort isoliert worden.

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Um direkte Kontakte zu vermeiden, sind Ärzte und Klinikleitung kreativ gerworden. Eine ganze Reihe von Therapieangeboten haben die Fachleute vor laufender Kamera dargestellt. Die Filme laufen jetzt zu angekündigten Zeiten im hauseigenen Fernsehkanal. Die Patienten können diese Therapiebausteine im eigenen Zimmer verfolgen.

Stolz ist Hämel darauf, dass keiner der über 250 Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt werden musste, als das Haus zwischenzeitlich nicht voll ausgelastet war. Der Personalbedarf sei durch Corona sogar gestiegen, weil zum Beispiel im Speisesaal auf einen Drei-Schicht-Betrieb umgestellt worden sei, damit es nicht zu voll wird und die Patienten mit Abstand zeitlich versetzt essen können. Ganz pragmatisch ist der Geschäftsführer deshalb gar nicht unglücklich, dass weiterhin 15 Prozent der Kapazität für den Notfall freigehalten werden muss, denn: Eine Vollbelegung sei angesichts des Mehr-Schicht-Betriebs personell zurzeit gar nicht zu stemmen.

Krankenhäuser entlastet

Zusammen mit den Romed-Kliniken aus dem Landkreis Rosenheim und den Kliniken Südostbayern aus dem Raum Traunstein habe die Irmingardklinik ein Konzept für akut-stationäre Brückenstationen entwickelt und umgesetzt, um Patienten früher in die Reha-Klinik aufnehmen und die Krankenhäuser so entlasten zu können.

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Obwohl durch staatliche Rettungsschirme ein Teil der finanziellen Ausfälle kompensiert werden konnte, hat die Klinik die Corona-Pandemie zu spüren bekommen. Hämel nennt zwar keine konkreten Zahlen, räumt aber ein, dass derzeit ein Instandhaltungsstopp gelte, um Geld zu sparen. Und auch der geplante Ausbau mit einem Verbindungstrakt nach Süden zum ehemaligen Hotel Luitpold II, das für Klinikzwecke umgebaut werden soll, sei vorerst „hinten angestellt“.

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