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Bewegte Zeiten als Chance begreifen

Äbtissin Johanna Mayer von der Fraueninsel spricht in Zeiten von Corona über inneren Frieden

Äbtissin Johanna Mayer in der Chorkapelle vor der Bronzestatue, die Maria abbildet, und sich gegenüber dem Altar und einem dahinter liegenden Bronzekunstwerk mit Jesus am Kreuz befindet.
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Äbtissin Johanna Mayer in der Chorkapelle vor der Bronzestatue, die Maria abbildet, und sich gegenüber dem Altar und einem dahinter liegenden Bronzekunstwerk mit Jesus am Kreuz befindet.
  • Tanja Weichold
    VonTanja Weichold
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Das zweite Jahr in Folge liegt der Schatten von Corona über den Menschen. Die Krankheit fordert Todesopfer und bringt Kliniken an die Grenzen, die Impfpflicht und vom Staat verhängte Maßnahmen reißen tiefe Gräben in der Gesellschaft auf. Weihnachten als Fest der Geburt Christi und der Liebe könnte ein Anlass sein, sich zu besinnen und zu innerlichen Frieden zu finden.

Die OVB-Heimatzeitungen führten darüber ein Gespräch mit Äbtissin Johanna Mayer vom Kloster Frauenwörth.

Wie viel bekommen Sie im Klosterleben auf der Fraueninsel von den Aufregungen des Alltags „draußen“ mit?

Äbtissin Johanna Mayer: Wir sind mit den Geschehnissen in der Welt vertraut: Menschen, die in unser Haus kommen, erzählen viel von ihrem Leben, auch am Telefon, per Mail, Brief – wir versuchen, Freuden und Leid der Menschen ins Gebet zu nehmen. Wichtiges Informationsmittel ist die Tischlesung; eine Mitschwester liest bei den Mahlzeiten vor. Hierbei geht es nicht ausschließlich um religiöse Literatur, sondern auch um Zeitungsberichte oder Texte aus Büchern von anderen Wissensgebieten. Ich schätze die Tischlesungen sehr hoch und erfahre dort Vieles.

Wir erleben mit Corona schwere Zeiten. Wie lautet dazu Ihre Botschaft zu Weihnachten 2021?

Äbtissin Mayer: Menschen sehnen sich nach sozialen Beziehungen, die sie gesund halten. Auf der anderen Seite haben wir in unserem Jahrhundert vergessen, dass der Mensch auch eine innere Landschaft hat und von innen geleitet wird. Wir hören zu wenig darauf. Die Krise wäre eine Chance, dies zu ändern. Einen Menschen, der weiß, wer er ist, könnte die Krise nicht so leicht umwerfen. Ich glaube, es hilft, wenn man öfter innehält, in sich hineinhört und die innere Lebensquelle in sich zu erspüren sucht.

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Innehalten und Stille helfen, in Herausforderungen den richtigen Weg zu gehen. Ich staune immer wieder, wie viel Stärke und Vitalität in jedem Menschen schlummert. Man muss sich nur eine Quelle eröffnen. Ich helfe mir mit dem Satz: Gott ist Liebe. Ich habe ganz einfach zu suchen begonnen, wo ich Liebe erlebe, und nicht nach Tragischem. In jedem Menschen ist Vitalität, Hoffnung und Zukunft. Wir leben in dem Wissen, dass wir begleitet sind. Das heisst nicht, passiv und naiv zu sein. Aber wenn ich Schwierigkeiten als Herausforderungen sehe, die ich anpacken kann, ist schon viel gewonnen, dann gehe ich anders an das Leben heran.

Wie können Menschen den Weg zu ihrer inneren Stimme finden?

Äbtissin Mayer: Ein Perspektivenwechsel ist notwendig. Corona könnte eine Chance sein, mir bewusst zu machen, dass ich zum Beispiel eine Familie haben, dass Menschen um mich sind, die mich gern haben, dass gesunde Kinder, ein Partner da sind. Das ist alles nicht selbstverständlich. Eine gute Übung, gerade in der Corona-Zeit könnte sein: Jeden Tag beim Aufstehen an drei Dinge zu denken, für die man dankbar ist.

Einmal auf etwas bewusst verzichten, zum Beispiel, beim Essen und Trinken, lässt den Sonntagsbraten wieder besser schmecken. Auch unser Gesundheitssystem muss nicht immer kritisiert werden. Im Vergleich zu vielen anderen Kontinenten ist es auf hohem Niveau. Ich vermisse die nötige Gelassenheit in der Gesellschaft. Nicht alles ist gleich ein „Aufreger“.

Und wie betrachten Sie die Situation als Christin?

Äbtissin Mayer: Wir Christen und Christinnen dürfen nicht vergessen, das wir an Weihnachten die Geburt Jesu Christi feiern, unseres Gottes und Erlösers. Für uns ist das Gebet ein wesentlicher Teil unseres Lebens. Trotz der weltweiten Pandemie gibt uns unser Glaube Hoffnung und Halt.

Als Christin ist das Gebet ein wesentlicher Teil des Lebens. Corona hat uns gezeigt, dass nicht alles machbar ist. Ich glaube tief in meiner Seele, dass es etwas über dieses Irdische hinaus gibt. Im Christentum freuen wir uns jetzt an Weihnachten über die Geburt Christi.

Die Gesellschaft ist wegen Corona bereits äußerst gespalten, was ist Ihr Urteil darüber?

Äbtissin Mayer: Für mich ist erschreckend, dass von Demonstrationen bürgerkriegsähnlich Szenen zu sehen sind, wie Menschen einander verletzten und gefährden. Wir dürfen und sollen verschiedener Meinung sein und diese Meinung auch vertreten, aber ohne andere in Gefahr zu bringen. Im Grundgesetz steht, dass die Würde des Menschen unantastbar ist. Es geht nicht, dass man seine Meinung mit Gewalt vertritt.

Aktuelle Artikel und Nachrichten finden Sie in unserem Dossier zur Corona-Pandemie

In uns allen lebt doch die Vision einer Menschheitsfamilie, wir wünschen uns mehr Frieden in der Welt. Dass sich die Welt beruhigt, geht nur, wenn jeder an sich arbeitet. Es muss immer Wege zur Versöhnung geben. Für uns ist es auch völlig unverständlich, dass die Länder keinen einheitlichen Weg finden, um Flüchtlingen zu helfen, die Menschen scheinen nicht zusammenzurücken.

Aber wie kann jeder einzelne den Weg für sich finden?

Äbtissin Mayer: Die momentane Weltsituation sollte uns zu einer Kehrtwende zwingen. Mir geben Gebet, Schriftlesung und Meditation große Kraft. Das löst nicht unbedingt Probleme, aber es verändert von innen heraus. Es macht friedfertiger und verständnisvoller für das Leid der Mitmenschen. Wir im Kloster bekommen davon viel erzählt.

Meistens können wir die Situationen nicht ändern, aber wenn wir für die Menschen beten und sie segnen, bewirkt das viel. Segnen heißt, dem anderen Gutes wünschen. Unsere Kirche ist Wallfahrtsort zur Seligen Irmengard. Die Menschen kommen mit ihren Sorgen und Nöten im Herzen hierher. Wenn sie im Gebet zur Seligen Irmengard Trost finden und in einem Gespräch mit einer Mitschwester Verständnis und Segen erfahren, sind sie unendlich dankbar. Wir erfahren das in zahlreichen Briefen, Mails und Telefonaten, die uns während des Jahres erreichen.

Wie lautet Ihre Botschaft am Ende des Jahres 2021?

Äbtissin Mayer: Ich möchte dieses Jahr in Dankbarkeit beschließen und voller Hoffnung in das Jahr 2022 gehen. Hoffnung als vitale Grundhaltung ist jeder gesunden Seele eingestiftet.

Welche Wünsche haben sie für 2022?

Äbtissin Mayer: Dass ich immer offen bleibe für meine innere Stimme, dass ich sie höre, auch wenn sie leise ist. Sie leitet mich in meinem Dienst. Auch in der Gemeinschaft wünsche ich mir diese Offenheit für den rechten Geist, der uns führen wird.

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