Interview

Der achte Zwerg misst 1,98 Meter: Sebastian Knözinger als Adalbert in Rimsting auf der Bühne

Sebastian Knözingerals achter Zwerg Adalbert hat seine liebe Not. Seine sieben Zwergenbrüder haben ihn verstoßne, weil er nicht zu wachsen aufhörte. Mit 1,98 Metern lebt er jetzt allein. re
  • Silvia Mischi
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Acht Zwerge? Die Märchenlegende spricht immer nur von sieben. Woher der achte Zwerg kommt und wer Adalbert ist, das offenbart eine Weihnachtsgeschichte für alle Kinder im Alter von drei bis acht Jahren am Sonntag, 22. Dezember, um 15 Uhr in der Rimstinger Werkstatt, Rosenstraße 1. Dabei begeben sich die Zuschauer auf eine Weihnachtsreise hinter dem achten Berg.

Rimsting – Hinter diesem Stück und in der Rolle des Adalberts steckt Sebastian Knözinger. Im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung sprach er über Idee, Gestaltung und vieles mehr.

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Rimsting hat heuer eine ganz besondere Bedeutung für Sie und die Produktion. Welche ist das?

Knözinger: Die Vorstellung, die am Sonntag in Rimsting stattfindet ist insofern eine besondere, als sie nicht nur die letzte für diese Adventssaison ist, sondern auch die 350. überhaupt von diesem Stück. Das freut uns sehr, denn wer geht bei der Entwicklung eines Stückes schon davon aus, dass es so oft über die Bühne gehen wird, und ein Ende ist ja noch lange nicht abzusehen. Es gibt jetzt schon wieder die ersten Anfragen für nächstes Jahr.

Können Sie was zum Inhalt des Stücks sagen?

Knözinger: Die Geschichte des Stücks ist die des Zwergs Adalbert, dem Bruder der berühmten sieben Zwerge hinter den sieben Bergen, der vor Jahren von ihnen aus dem gemeinsamen Zwergenhaus geworfen und verstoßen wurde, weil er nicht aufhörte zu wachsen. Er fristet nun ein einsames Dasein in seinem Häuschen vor den sieben Bergen und entscheidet sich, zum heurigen Weihnachtsfest seinen Brüdern ein Friedensangebot zu machen und sie zu sich nach Hause einzuladen. Doch ganz so einfach ist das nicht ...

Wie sind Sie darauf gekommen?

Knözinger: Die Grundidee entstand aus einer Agenturanfrage an mich. Ich wurde gebeten, für eine Weihnachtsmärchenproduktion am Stadttheater Konstanz vorzusprechen und zwar für einen der sieben Zwerge in „Schneewittchen“. Dass ich 1,98 Meter groß bin, wurde bei der Anfrage ignoriert. Ich habe empört abgelehnt, aber mich im Nachhinein gefragt, ob es nicht reizvoll sein könnte, einmal einen großen Zwerg zu spielen. Zusammen mit meiner Co-Autorin und Regisseurin Martina Schnell habe ich das Stück entwickelt.

Wieviel Adalbert steckt in Sebastian Knözinger?

Knözinger: Jedes Stück, das man selbst schreibt, ist in irgendeiner Weise autobiografisch, weil man ja nur von dem schreiben kann, was man kennt, aber im Falle von Adalbert halten sich die Parallelen in Grenzen: Ich wurde weder von meiner Familie verstoßen, noch habe ich besonders unter meiner Körpergröße gelitten. Was ich aber mit Adalbert gemeinsam habe ist die Sehnsucht nach Harmonie und Zufriedenheit. Auch Adalberts Neigung zu Chaos und Unordnung ist mir nicht fremd.

Was verbinden Sie mit Weihnachten? Was ist Ihnen dabei wichtig?

Knözinger: Mit Weihnachten verbinde ich persönlich seit einigen Jahren tatsächlich hauptsächlich den Adalbert, weil für mich jede Adventszeit hindurch fast jeden Tag irgendwo eine Vorstellung stattfindet. Das ist sehr anstrengend, macht aber auch sehr glücklich. Besonders schön ist, dass immer Zuschauer dabei sind (auch Erwachsene!) die jedes Jahr wiederkommen, weil für sie ein Vorstellungsbesuch zwingend zur Weihnachtszeit dazugehört. Manche Kinder waren mit drei Jahren zum ersten Mal dabei und sind inzwischen acht oder neun und kommen immer noch.

Warum ein Kindertheater?

Knözinger. Der Wunsch war, einmal ein Kinderstück zu produzieren, wie es uns gefällt, ohne Kostümierung mit Latzhosen und bunten Socken. Und mit einer Geschichte aus dem Leben, mit Problemen, die viele Menschen, egal ob Kinder oder Erwachsene, kennen, wie zum Beispiel Einsamkeit oder dem Wunsch dazuzugehören und natürlich dem Stress, den eine Ausnahmesituation wie die Adventszeit für Menschen und Zwerge bedeutet.

Wo sind dabei etwaige Hürden und was ist daran „schöner“ als ein Theater für Erwachsene?

Knözinger: Ich würde sagen, dass es beim Kindertheater weder andere Hürden als beim Theater für Erwachsene gibt, noch, dass es schöner ist. Es ist beides Theater und funktioniert nach denselben Regeln. Der Unterschied ist allerdings, dass Kinder weniger höflich sind als Erwachsene, wenn ihnen etwas nicht gefällt oder ihnen langweilig ist. Das erfordert eine große Wachheit auf der Bühne. Und die Bereitschaft, aktiv in die Vorstellung einzugreifen ist natürlich bei Kindern auch stärker ausgeprägt als bei Erwachsenen. Und da wären wir vielleicht doch bei einer Hürde: Eine Erwachsenenvorstellung kann man unter Umständen mit grippal angegriffenen Stimmbändern spielen, bei einer ausverkauften Kindervorstellung hat man als Schauspieler gegen die Meute keine Chance.

Was für Projekte stehen für 2020 bei Ihnen an?

Knözinger: Natürlich wird es auch 2020 wieder in der Adventszeit eine Adalbert-Tournee geben und über das Jahr verteilt Vorstellungen meines Solostücks für Erwachsene, „Hamlet sucht Arbeit“. Im Herbst ist eine neue Eigenproduktion (für Erwachsene) mit meiner Regisseurin Martina Schnell geplant und natürlich wird sich wieder das eine oder andere kurzfristig und ungeplant ergeben. Das ist das Schöne an der Selbstständigkeit eines Schauspielers.

Kommen Sie wieder ins Chiemgau?

Knözinger: Dem Chiemgau bin ich von Kindesbeinen an verbunden durch die Großeltern in Gollenshausen und durch diverse Auftritte in den letzten Jahren, wie den Gamsbart-Ahoi-Kabarettfahrten auf der MS Edeltraud oder zuletzt beim Dramasuri-Festival in Prien. Es ist immer schön hier zu spielen, das Publikum ist begeisterungsfähiger und aufmerksamer als in der gesättigten Großstadt. Darum komme ich sehr gern wieder, sobald sich die Gelegenheit bietet!

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Karten und Sonderführung

Karten für das Kindertheater „Adalbert, der achte Zwerg“ mit Sebastian Knözinger am 22. Dezember gibt es für acht Euro unter Telefon 0 80 51/96 31 80 oder online auf www.werkstatt-rimsting.de. Beginn: 15 Uhr. Am Freitag, 20. Dezember, gibt es zudem um 9 Uhr noch eine Vorstellung, die buchbar für Kindergarten-Gruppen ist.

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