Bedarf wächst und wächst

Die Achentalgemeinden brauchen mehr Pflegeplätze

Wo ist der nötige Halt für pflegebedürftige Senioren? Der Bedarf steigt in zehn Jahren um fast ein Drittel an, darauf müssen sich die Gemeinden einstellen.
+
Wo ist der nötige Halt für pflegebedürftige Senioren? Der Bedarf steigt in zehn Jahren um fast ein Drittel an, darauf müssen sich die Gemeinden einstellen.

Als Grundlage für weitere Entscheidungen und neue Strukturen in der Seniorenpflege ist in Reit im Winkl ein interkommunales Seniorenkonzept für die Gemeinden Unterwössen, Marquartstein, Schleching und Reit im Winkl vorgestellt worden. Die Botschaft ist klar: Die Achentalgemeinden brauchen mehr Pflegeplätze.

von Bärbel vom Dorp

Reit im Winkl – Im Fokus stand dabei unter anderem eine Stärkung der ambulanten Versorgung. Mit der Arbeitsgruppe für Sozialplanung und Altersforschung (AfA), die sowohl die Koordinationsstelle Wohnen im Alter als auch Pflege und Wohnen in Bayern betreut, hatten die Gemeinden einen fachkompetenten Partner für das Konzept gewinnen können.

Entwicklung und Angebote untersucht

Die AfA hatte sich damit auseinandergesetzt, wie eine pflegerische Versorgung älterer Bürger interkommunal entwickelt und organisert werden kann. Dabei wurden die demografische Entwicklung und das pflegerische Angebot in den vier Gemeinden und der näheren Umgebung untersucht. Weiterhin wurde geprüft, wie sich die Nachfrage nach pflegerischen Leistungen in den kommenden Jahren entwickelt. Außerdem wurde hinterfragt, wie die Angebote in die jeweilige Gemeinde eingebunden werden können.

Stationäre Pflege durch ambulante Angebote ausgleichen

„In der Betrachtung der nächsten zehn Jahre wird im Schnitt ein Drittel der Bevölkerung älter als 65 Jahre sein, weshalb eine Versorgungsstruktur Sinn macht“, sagte Sabine Wenng von der AfA. „Der Pflegebedarf wird bis 2031 um 26 Prozent steigen. Dieser fällt in der Regel in der Altersgruppe 75 Jahre und älter an. Früher sind die Älteren mit etwa 65 Jahren ins Heim gegangen, heute im Schnitt erst mit 85.“ Wenng führte das auf den Aufbau der Organisations-struktur im ambulanten Bereich zurück, denn je mehr Unterstützung ambulant angeboten werde, umso länger sei das Wohnen zuhause möglich. Heute leben bereits zwei Drittel der Pflegebedürftigen zuhause. Dies entspräche den Wünschen der Senioren. Konkret ging es bei Wenngs Ausführungen um einen stationären Pflegebedarf in den vier Gemeinden von etwa 158 Pflegebedürftigen im Jahr 2023 und bis zu 185 im Jahr 2031. Der Bedarf an stationären Pflegeplätzen könnte nach ihren Worten rechnerisch beispielsweise durch ambulante betreute Wohngemeinschaften bei einer Stärkung der ambulanten Versorgung kompensiert werden.

OVB-Leser zeigen Herz – helfen Sie schwerstbehinderten Kindern aus der Region mit unserer Weihnachtsspendenaktion 2020

Augenmerk auf barrierefreie Wohnungen

Denkbar wäre laut Wenng auch die Deckung des Bedarfs durch Kleinpflegeheime in den Gemeinden und einer Stärkung der ambulanten Versorgung. Auch ein größeres Pflegeheim in einer der vier Gemeinden und kleinere Satelliten in den übrigen Gemeinden sowie eine Stärkung der ambulanten Versorgung seien eine Alternative.

Neben der Stärkung der ambulanten Strukturen sei laut Wenng ein besonderes Augenmerk auf barrierefreie Wohnangebote für Senioren in den Gemeinden zu legen. Zur Zeit entstehen insbesondere durch die MARO Genossenschaft in Marquartstein und Unterwössen rund 60 barrierefreie zusätzliche Wohnungsangebote für Senioren. „Das ist ein Schritt in die richtige Richtung“, betonte die Referentin.

Quartierskonzept mit Manager schaffen

Damit ein attraktives Angebot mit Wohnen und Grundversorgung, ortsnaher Unterstützung und Pflege sowie Beratung und soziale Netzwerke für die älteren Bürger geschaffen werden kann, schlägt Wenng ein Quartierskonzept mit einem Quartiersmanager in den einzelnen Gemeinden vor.

Hilfen vermitteln und Engagement fördern

Dieser „Kümmerer“ habe die Aufgabe, eine Beratungsinfrastruktur aufzubauen, Beratungen – auch Hausbesuche – durchzuführen, organisierte Hilfen zu vermitteln und zu vernetzen, bürgerschaftliches Engagement vor Ort zu fördern und zu begleiten sowie generationsübergreifende und bedarfsorientierte Angebote aufzubauen.

Die dargelegten Punkte des interkommunalen Seniorenkonzepts haben alle anwesenden Verantwortungsträger, vor allem die Bürgermeister und Gemeinderäte der vier Gemeinden als gute Grundlage für weitere Entscheidungen gesehen, um moderne Strukturen in Sachen Seniorenpflege zu schaffen.

Kommentare