Almen einzäunen? Bauern im Achental geht der Schutz des Wolfes zu weit

Weidekühe im Gebiet der Wuhrstein Alm.
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Weidekühe im Gebiet der Wuhrstein Alm.
  • vonSybilla Wunderlich
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Ein Wolf hat in Reit im Winkl und Kössen Schafe gerissen. Nun luden die Bezirksalmbauern im Achental zu einer Informationsveranstaltung. Eine Möglichkeit, wie Bauern ihre Tiere schützen können: Zäune. Doch diese Lösung finden nicht alle gut. 

Schleching – Die Schafsrisse in Reit im Winkl und Kössen Ende Juni stammen von einem Wolf aus Südosteuropa. In der Region wird seitdem kontrovers über den Wolf und die Almwirtschaft diskutiert. „Almen sind nicht mit Zäunen zu schützen“, sagt Josef Glatz, Vorsitzender des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern (AVO). Auf Einladung der Bezirksalmbauern Maria König und Georg Hacher tauschten sich die Achentaler Almbauern bei einer Informationsveranstaltung im Landgasthof Post in Schleching aus.

Die Resonanz seitens der Almbauern war groß, allerdings konnte eine Mitarbeiterin des Landesamtes für Umweltschutz (LfU) kurzfristig nicht teilnehmen. Zunächst sagte Josef Glatz, dass andere Wege als Zäune gefunden werden müssten. Wichtig sei ihm, dass die Almbauern sich dabei einbringen können.

Provokation für Almbauern

Im Anschluss stellte Almfachberater Alfons Osenstätter vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, (AELF) in Traunstein einen Überblick über die Förderrichtlinie „Investition Herdenschutz Wolf“ des Freistaats vor. Allerdings war bereits für viele Zuhörer das Ziel der Richtlinie ein Affront: Schließlich soll damit „die Akzeptanz bei Haltern von Nutztieren für wild lebende Wölfe in Bayern möglichst gesteigert werden.“

Konkret sieht die Richtlinie vor, dass Investitionen für mobile und festinstallierte Elektrozäune sowie mobile Ställe für Schafe und Ziegen gefördert werden könne, sagte Osenstätter. Allerdings sei dieser Antrag mit einer Zweckbindung für zehn Jahre verbunden. Die nicht unerheblichen Kosten für die Zäune müssen vom Landwirt vorgestreckt werden. Jedoch bezweifelte auch Osenstätter, ob Almen in der Praxis eingezäunt werden können.

Schutzgebiete unklar

Zudem sei die Alm kein schützbares Gebiet, wie der Geschäftsführer des AVO, Hans Stöckl, erklärte. In Schutzgebieten würde der Landwirt laut „Aktionsplan Wolf“ des LfU bei Schäden an einem Nutztier durch den Wolf eine Ausgleichszahlung erhalten. Derzeit besteht laut Stöckl aber für die Landkreise Rosenheim und Traunstein keine solche Einteilung.

Der AVO forderte daher noch in diesem Jahr eine Einteilung der Gebiete und bei Übergriffen eine sofortige Festlegung. Im Falle nichtschützbarer Flächen hält der AVO die Möglichkeit, sofort einen Wolf entnehmen zu können, für richtig. Entnahme bedeutet, dass ein Wolf entweder gefangen oder getötet wird.

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Zäune schränken Almwirtschaft ein

Aus Stöckls Sicht gebe es keine zumutbare „wolfssichere“ Einzäunung ohne erhebliche Einschränkung für die Almwirtschaft.

Rechtlich sei das Thema komplex, wie anschließend Christian Nebel vom Landratsamt Traunstein aufzeigte: Der Wolf gelte als geschützte Tierart in Europa mit einem strikten Tötungsverbot. Über eine Entnahme entscheidet laut Nebel abschließend die „Höhere Naturschutzbehörde“, basierend auf Einschätzungen des Landratsamts des LfU und der Landesanstalt für Landwirtschaft. Nebel äußerte jedoch Verständnis für die Almbauern. Mit dem „Aktionsplan Wolf“ des LfU soll laut Nebel ein gangbarer Weg gefunden werden.

Einvernehmliche Lösung nötig

Der Schlechinger Bürgermeister Josef Loferer positionierte sich klar: „Wenn das LfU eine Möglichkeit zur Co-Existenz sieht, dann muss auch gesagt werden wie!“ Die Bauern bräuchten Planungssicherheit, sonst sei deren Existenz gefährdet.

Auch sein Unterwössener Amtskollege Ludwig Entfellner plädierte für eine Lösung, bei der alle Parteien beteiligt seien und die sich nicht nur auf Fördergelder beziehe. Dem stimmten Moderator Georg Hacher sowie Maria Stöberl, Geschäftsführerin des Verbandes der Forstberechtigten im Chiemgau, zu.

Bei aller Kritik auf der Infoveranstaltung bekam der Wolf abschließend noch Unterstützung. Martin Stief vom „Netzwerk große Beutegreifer“ wie darauf hin, dass nicht jeder Angriff von einem Wolf komme. In den meisten Fällen könne ein Hund nachgewiesen werden.

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