Achental: Streitpunkt Gülle und deren Verordnung

An der Güllethematikscheiden sich bei Landwirten, Politik und Verbrauchern die Geister. Verordnungen bringen bauern in Nöte. dpa
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An der Güllethematikscheiden sich bei Landwirten, Politik und Verbrauchern die Geister. Verordnungen bringen bauern in Nöte. dpa

Es ist ein Kreuz mit der Gülle. Da sind die Landwirte auf der einen Seite: Sie müssen ihre Felder und Wiesen düngen und natürlich die Gülle loswerden. Und da sind Politiker aus Deutschland und der EU auf der anderen Seite, die mit immer schärferen Verordnungen das Trinkwasser schützen wollen. Verbraucher fühlen sich durch den Geruch belästigt und fürchten Nitrat im Trinkwasser..

Grassau– Ganz auf der Seite der Bauern stehen die Vertreter des Ökomodells Achtental. „Wir haben uns auf die Fahnen geschrieben, dass wir besonders die kleinen Landwirte unterstützen wollen“, erklärt Wolfgang Wimmer, Geschäftsführer des VereinsÖkomodell Achental. Für ihn ist die Nitratbelastung im Chiemgau kein Thema: „Die Betriebsgrößen in unserer Region sind wesentlich kleiner als etwa in Niederbayern oder gar im Osten Deutschlands.“ Nach Wimmers Worten weisen die Brunnen im Achental „hervorragende Werte“ auf.

Unter dem Titel „Land schafft Verbindung – wir rufen zu Tisch“ fordern Landwirte in ganz Deutschland gemeinsame Verhandlungsgespräche mit allen beteiligten Akteuren (Verbraucher, Politiker, NGOs, Landwirte) – ganz nach dem Motto „miteinander reden, statt übereinander“. Kritisiert wird unter anderem die permanente negative Stimmungsmache, das „Bauernbashing“ und die damit einhergehende Gefährdung des Berufsstandes.

Brunnen im Achental haben hervorragende Werte

Ökomodell-Geschäftsführer Wimmer springt den Bauern bei. Die Bauern hier pflegten überwiegend Gründlandwirtschaft und betrieben beim Pflanzenschutz weniger Aufwand. Viele Bauern hätten ihren Betrieb bereits auf Bio umgestellt oder die Bewirtschaftung extensiviert. Ihm fehle das Verständnis, „wenn eine ganze Berufsgruppe an den Pranger gestellt wird.“

Um sich ein besseres Bild von der derzeitigen Situation zu machen, hat das Ökomodell zwei Landwirte, die die Initiative unterstützen, zur Gesamtvorstandssitzung eingeladen. Neben einer kurzen Vorstellung der Initiative „Land schafft Verbindung“ erläuterten die beiden Vertreter von LSV, Nikolaus Noichl junior aus Grassau und Michael Holzmann aus Grabenstätt, die Problematik hinter der geplanten Verschärfung der Düngeverordnung.

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Laut aktuellem Stand der Düngeverordnung (2016) dürfen jährlich maximal 170 Kilogramm Stickstoff pro Hektar aus Wirtschaftsdünger auf Acker- und Grünland ausgebracht werden, berichteten die beiden Vertreter. Da der Bedarf auf den Flächen oftmals viel höher ausfällt, muss der Restbedarf bei konventioneller Landwirtschaft über zugekaufte mineralische Ergänzung gedeckt werden. Bei biologischer Landwirtschaft muss auf den Restbetrag gänzlich verzichtet werden. Da es vor allem hier in der Region viel regnet und die überwiegenden Grünlandflächen mehrmals gemäht werden, reiche die organische Düngung nicht aus. Als Ausgleich müssen die Landwirte mineralische Ergänzung zukaufen, obwohl genug Gülle vorhanden wäre.

Verschärfte Regeln führen zu Unterdüngung

Die Landwirte kritisieren die Pauschalisierung der Grenzwerte, die nicht auf regionale Gegebenheiten abgestimmt wurden. Deshalb führe die Verschärfung der Düngeverordnung zur Unterdüngung und in der Folge zu Qualitätseinbußen beim Grundfutter, insbesondere in der Milchviehhaltung. Die hervorragende Grundwasserqualität ist anhand der aktuellen Nitrat-Werte aus der Region gut erkennbar. Der Durchschnitt der Achental-Gemeinden bewegt sich im Bereich von sechs Mulligram pro Liter – weit niedriger als der festgelegte Nitrat-Grenzwert von 50 Milligram pro Liter. Dies soll auch so bleiben, so der Vereinsvorsitzende und bergens Bürgermeister Stefan Schneider.

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