Achental: Blutbären-Raupe wird eingesetzt

Das giftige Kreuzkraut bereitet sich in Bayern immer weiter aus. Vor allem auf ungepflegten und schlecht gedüngten Flächen wie Weiden und Pferdekoppeln finde das Jakobskreuzkraut guten Nährboden. dpa
+
Das giftige Kreuzkraut bereitet sich in Bayern immer weiter aus. Vor allem auf ungepflegten und schlecht gedüngten Flächen wie Weiden und Pferdekoppeln finde das Jakobskreuzkraut guten Nährboden. dpa

Seit Jahren ist das Ökomodell Achental im Bereich Kreuzkraut aktiv. Nach zahlreichen Informationsveranstaltungen wurde nun ein Gesamtkonzept über die Integrierte ländliche Entwicklung (ILE) im Achental vom Amt für ländliche Entwicklung bewilligt und wird mit 75 Proozent bezuschusst.

Übersee–Das Konzept beinhaltet die Kartierung der problematischen Kreuzkräuter im Achental, sowie Informationsveranstaltungen und Einzelberatungen und Aktionstage.Im nächsten Frühling sollen die Raupen auch in unserer Region gegen das Kreuzkraut (vor allem Jakobskreuzkraut) eingesetzt werden. Da im Achental aber auch das Wasserkreuzkraut weite Verbreitung findet, gilt es zu prüfen, inwieweit sich diese Bekämpfungsmethode für diese Kreuzkrautart eignet. Den Großteil der Kosten dafür trägt dasÖkomodell Achental, so dass auf die Landwirte, die im kommenden Jahr die Raupen einsetzen möchten, nur eine durchaus überschaubare Kostenbeteiligung zukommt.

Landwirte tragen nur einen Kostenanteil

Im voll besetzen Saal des Wirtshaus d´Feldwies in Übersee gab es aktuelle Informationen zum Thema Kreuzkräuter, Methoden zu Bekämpfung und Eindämmung, Erfahrungen, Hinweise und Infos zum Stand der Wissenschaft. Schwerpunkt des Abends war der Vortrag von Andreas Frahm, der seit sieben Jahren sehr gute Erfahrungen mit dem Einsatz der Raupe des Blutbären gemacht hat und deutschlandweit Landwirte, Gemeinden und Straßenbauämter zum Einsatz der Blutbärraupe berät. Der Maschinenring Traunstein, das Amt für Landwirtschaft, das LfL, das LKP und das Ökomodell Achental organisierten einen gemeinsamen Infoabend. Thema war die Regulierung der Kreuzkrautarten mit verschiedenen Methoden, unter anderem mit dem Einsatz der Raupe des Blutbären. Im ersten Vortag referierte Michael Laumer, Pflanzenbauberater bei der Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), über die Grundlagen und Pflanzensoziologie der Kreuzkräuter und gab einen Einblick über Aktuelles aus der Forschung. Kreuzkräuter (auch Greiskräuter) zählen zu den Konfliktarten.

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

Sie enthalten Pyrrolizidin-Alkaloide, die in hoher Konzentration für Mensch und Tier giftig sind, da sich das Gift mit der Zeit in der Leber anreichert und dort zu irreversiblen Leberschäden führt. Aufgrund von Bitterstoffen werden die Pflanzen vom Weidevieh nicht gefressen.

Nur durch die Futterkonservierung in Heu oder Silage gehen diese Bitterstoffe allerdings verloren, während die Giftstoffe erhalten bleiben. Dadurch besteht eine erhöhte Vergiftungsgefahr, vor allem bei Pferden und Rindern.

Erfahrungen aus der Beratungspraxis lieferte Johann Staltmayr, Pflanzenberater beim Landeskuratorium für pflanzliche Erzeugung in Bayern (LKP). „Um Massenaufkommen zu verhindern und bei den kritischen Arten eine Etablierung zu unterbinden, sollten auf landwirtschaftlichen Produktionsflächen, aber auch sonstigen Haus- und Grünflächen, bereits erstmals auftretende Individuen entfernt werden“, so Staltmayr.

Dies kann beispielsweise manuell durch Ausstechen erfolgen. Dazu müssen die Kreuzkräuter erkannt und von anderen Pflanzen unterschieden werden. Die Pflanzenrückstände können über die gemeindlichen Wertstoffhöfe entsorgt werden.

Lesen Sie auch: Giftpflanzen breiten sich aus: Gefahr für Menschen und Tiere

Bereits im vergangenen Jahr organisierte das Ökomodell Achental Informationsveranstaltungen zur „Richtigen Grünlandbewirtschaftung“ mit Johann Staltmayr als Berater vor Ort.

Weiter gab Simon Bauer, AELF Traunstein, einen Überblick über die aktuelle Situation im Grünlandumbruch. Hierbei vor allem zur praktischen Vorgehensweise und zu Fristen, welche in dem Zusammenhang eingehalten werden müssen. Besonders gespannt waren die Zuhörer über den Vortag von Andreas Frahm, Landwirt aus Schleswig- Holstein, über den Einsatz der Blutbär-Raupe gegen das Jakobskreuzkraut. Frahm aus dem Kreis Segeberg züchtet die Raupen des Blutbären. Das ist ein Schmetterling, der auch Jakobskrautbär genannt wird.

Insekt geht nur auf spezielle Bitterstoffe

Das Besondere daran ist, dass die Raupe des Blutbären ausschließlich das Jakobskreuzkraut frisst. In ihm sind Bitterstoffe enthalten, welche die Tiere vor Fressfeinden schützen. Der Raupe schmeckt das bittere Kraut, aber den Vögeln schmecke die bitteren Raupen nicht mehr. Ein cleverer Trick der Natur.

Anfangs siedelte Frahm wenige Raupen auf seinem Feld an. Die Raupen vermehrten sich und fraßen das Unkraut ab. Heute sind seine Flächen sauber.

Kommentare