„Abstand wird mit Gesundheit belohnt“ - Priener Alltag in der Corona-Krise

Nicht nur Priens Bürgermeister Jürgen Seifert ist über das Verhalten der Priener Bürger begeistert, auch die Polizei würdigt die Einhaltung der Corona-Beschränkungen. Die Straßen der Marktgemeinde sind aktuell nahezu menschenleer. Berger/Mischi

Das gesellschaftliche Leben, wie man in noch bis vor einer Woche kannte, ist Vergangenheit. Abstand halten ist das oberste Gebot der Stunde. Und Zusammenhalten. Doch wie sieht der „neue Alltag“ aktuell in Prien aus? Ist für alles vorgesorgt? Bürgermeister Jürgen Seifert stand Rede und Antwort.

von Silvia Mischi

Prien– Abstand halten zueinander. Niemanden durchs Raster fallen lassen. Doch wie läuft das Gemeindeleben aktuell in Prien aus? Die Heimatzeitung hakte bei Bürgermeister Jürgen Seifert nach:

Gibt es schon einen bestätigten Covid19-Fall in der Gemeinde?

Seifert:Hierzu gibt es keine Angaben. Die liegen allein aus Datenschutzgründen dem Gesundheitsamt vor. Wir wissen, dass einige Personen in häuslicher Quarantäne sind, aber nicht, ob positiv getestet oder vorsorglich wegen direktem Erstkontakt mit einer erkrankten Person. Fakt ist, dass keine Toten gemeldet sind.

Ist Prien für den Notfall gerüstet? Gibt es einen Notfallplan?

Seifert:Wir sind zum jetzigen Zeitpunkt so gut es geht, gerüstet. Die aktuelle Situation wird täglich in einer Fachbereichsleiter-Teamsitzung neu bewertet. Das Leben in Prien ist im Allgemeinen im Rahmen der Ausgangsbeschränkung geordnet und läuft auch. Dies bestätigt mir die Polizei. Die Priener halten sich im Großen und Ganzen gut an die Regelungen. Von Fall und Themen abhängig würde ich den Krisenstab mit entsprechender Besetzung einberufen.

Wie stehen Feuerwehr und Hilfsdienste parat?

Seifert:Feuerwehren, Polizei und Hilfsdienste fahren aktuell Notfallpläne. Diese garantieren eine tägliche 24-stündige Einsatzbereitschaft. Ich stehe in regelmäßigem Kontakt mit den Einsatzleitungen. Eine Beeinträchtigung ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht gegeben. Die Einsatzbereitschaft ist aktuell verfügbar, aber abhängig von der jeweiligen Ausfallquote wegen Krankheit.

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Wie eng ist die Kommunikation mit Landratsamt und den Kliniken?

Seifert:Der Informationsfluss mit dem Landratsamt ist aufgrund der Auslastung dort soweit eingeschränkt, dass die notwendigen Informationen an die Kommune bedarfsgerecht weitergeleitet werden. Anfragen durch die Kommune werden entsprechend bearbeitet. Wir versuchen, die Behörde zu entlasten, statt mit Anfragen zu belasten und setzen geltende Bestimmungen um.

Wie kann das „normale Leben“ im Rahmen der Ausgangsbeschränkungen ablaufen?

Seifert:Die im Rahmen der erlassenen Allgemeinverfügung lassen der Bevölkerung doch umfangreiche Möglichkeiten sich frei zu entfalten. So sind Spaziergänge, Sport, Einkäufe und entsprechende Arztbesuche möglich. Auch der familiäre Kontakt ist nicht eingeschränkt. Es sollen lediglich die sozialen Kontakt eingeschränkt werden. Hier muss ich die Priener loben. Sie halten sich, nach allem was ich sehe und höre an die Auflagen und halten Abstand. Bitte weiter so. Abstand und Ausdauer werden mit Gesundheit belohnt! Zudem ist es nicht verboten, per Telefon, Brief oder sonstigen Medien in Kontakt mit anderen zu treten.

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Welche gemeindlichen Einrichtungen sind geschlossen, welche offen?

Seifert:Das Rathaus ist telefonisch und digital erreichbar. Dort und in den Gewerken läuft der Betrieb im 50:50-Modus im Homeoffice. Geschlossen sind das Prienavera, die Stippelwerft, die Bücherei, die Kinderspielplätze, die Galerie, die Kunstausstellungen, die Musikschule und natürlich die Kindergärten und Schulen.

Wertstoffhof und Müllabfuhr sind zentrale Themen, die den Bürgern unter den Nägeln brennen. Wie sieht hier die Regelung aus?

Seifert:Der Wertstoffhof hat zu den üblichen Zeiten geöffnet. Es gibt dort aber einen erhöhten Kontroll- und Einlassdienst auf und vor dem Gelände. Zudem werden Personen aufgefordert, draußen im Auto zu warten. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist mit keiner Beeinträchtigung zu rechnen. Der Landkreis wird die Müllabfuhr als Regelversorgung aufrechterhalten.

Ist die Trinkwasserversorgung gewährleistet und „virensicher“?

Seifert:Im Trinkwasser ist der Coronavirus nicht übertragbar. Die Trinkwasserversorgung ist über unseren Notfallplan abgesichert. Gleiches gilt für die die Abwasserversorgung. Wir haben frühzeitig reagiert und zudem bereits seit Anfang März keinen Hochbehälter mehr persönlich betreten. Auch beim Abwasser werden alle persönlichen Schutzvorkehrungen eingehalten.

Das Soziale Prien beweist einmal mehr seine Stärke. Wie bringt sich die Gemeinde ein?

Seifert:Die große Hilfsbereitschaft der Bürger ist toll. Zudem gibt es über das Sozialreferat den neu gegründet Einkaufsdienst. Als Gemeinde haben wir Gelder für die Tafel bereitgestellt. Hier werden zur Erleichterung des Procederes nun Gutscheine zum direkten Einkauf an die Tafelkunden ausgegeben. Diese sind aber nur für Lebensmittel und Getränke, nicht für Spirituosen oder Tabakwaren.

Was ist, wenn ich dringend meinen Pass oder andere Fristsachen zu erledigen habe?

Seifert:Da man zur Zeit sowieso nicht verreisen kann oder darf, ist die Beantragung auf einen späteren Zeitpunkt zu verlegen. Dies gilt auch bei Ausweisen, die abgelaufen sind. Bei dringenden Notwendigkeiten ist im Rathaus ein Termin zu vereinbaren. Fristsachen wie Wohngeldanträge, Sozialhilfeanträge werden entgegengenommen und ans Landratsamt Rosenheim weitergeleitet.

Infos zum Priener Rathaus gibt es hier

Gibt es eine zentrale Nummer, an die die Bürger sich wenden können?

Seifert:Wenn jemand Fragen hat, kann er folgende Nummern anrufen 60641, 60642, 60643, 60645 oder 60691.

Zur Pendler-Parkplatz-Sondererlaubnis: Wie bekomme ich diese verlängert?

Seifert:Wir sind ja nach wie vor via Telefon oder E-Mail für die Öffentlichkeit erreichbar. Hier kann man sich melden, und dann kann der Sonderausweis vorbereitet werden. Wir können diesen mit Rechnung zusenden. Es dauert zwar ein paar Tage, aber der Ausweis endet auch nicht völlig überraschend. Sollte der Ausweis dann noch nicht vorliegen, muss für diesen Tag ein Parkticket gezogen werden.

Bleibt der Friedhof für Besuche im Rahmen von Spaziergängen geöffnet?

Seifert:Unter Berücksichtigung der Allgemeinverfügung – ja. Ein Friedhofsbesuch kann im Zuge eines Spazierganges stattfinden, muss aber mit Abstand und ohne Menschenansammlung erfolgen.

Tagen die Gremien weiterhin? Kann ich beispielsweise als Bauantragsteller auf die Behandlung vertrauen?

Seifert:Der Bauausschuss tagt im großen Sitzungssaal mit Sicherheitsabstand von eineinhalb bis zwei Metern. Vom 1. bis 30. April soll auf Empfehlung des Städtetags ein sogenannter Ferienausschuss ins Leben gerufen werden. Darüber läuft gerade eine Online-Abstimmung unter den Gemeinderatsmitgliedern. Dieser soll dann in geringerer personeller Besetzung der kleine Bruder des Gemeinderats sein. Er trifft dann auch Aufgabenübergreifend dringende Einzellfall-Entscheidungen.

Stichwort Trauungen..

Seifert:Sie werden bis auf Weiteres noch durchgeführt. Bis zum 19. April darf aber nur das Brautpaar mit den beiden Trauzeugen zur Trauung ins Rathaus kommen.

Wenn Sie ein Lob aussprechen sollten...

Seifert:... dann geht das an alle Bürger. Jeder nimmt seinen Platz in der Gesellschaft wahr und hält Abstand. Danke dafür!

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