Priener Arzt will Anlaufstelle für Corona-Tests werden – Ärzteverband sagt ihm ab 

Neben der Praxis wäre das Zelt gestanden. Dr. Richard Schader sowie die Arzthelferinnen Roswitha Kaiser, Veronika Attlfellner und Elfriede Wimmer zeigen den Platz.
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Neben der Praxis wäre das Zelt gestanden. Dr. Richard Schader sowie die Arzthelferinnen Roswitha Kaiser, Veronika Attlfellner und Elfriede Wimmer zeigen den Platz.

Viel Lauferei hätte sich Dr. Richard Schader aus Prien ersparen können, wenn er nicht dem Appell des Hausärzteverbands gefolgt wäre und seine Unterstützung bei Corona-Tests zugesagt hätte. Denn jetzt steht er mit einer „Wir machen jetzt alles anders“-Ansage, zugekauften Masken und Schutzmänteln da.

Prien – Aber von Anfang an: Dr. Schader, Arzt für Allgemeinmedizin, Sportmedizin und Naturheilverfahren, hat 15 Corona-Risikopatienten ans Gesundheitsamt Rosenheim überwiesen. „Die kamen nicht durch, die sind alle unverrichteter Dinge wieder zurückgekommen.“

Das Amt sei offensichtlich überlastet. „Das ist doch auch kein Wunder, die sind total unterbesetzt“, moniert Schader. Deshalb habe er in der vergangenen Woche bereits sechs bis acht Patienten selbst getestet. Denn während man für den Katastrophenfall offenbar gerüstet ist, fühlt sich so mancher niedergelassene Arzt völlig im Stich gelassen.

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Bei Tests unterstützen

Dann kam ein Appell des Hausärzteverbands. Wer könne, soll bei Corona-Tests unterstützen und entsprechende Schutzbereiche schaffen. Schader wäre sogar einen Schritt weitergegangen. Er, der sich die Praxis mit seiner Kollegin Gabriele Pellicci teilt, hat beschlossen, eine offizielle Anlaufstelle für Corona-Tests zu werden. 

Dr. Richard Schader ist über das jüngste Schreiben des Deutschen Hausärzteverbands verärgert.

Das Gesundheitsamt Rosenheim habe dies auf seine Nachfrage hin auch begrüßt. „Ich habe das zudem mit dem Labor in Traubling abgesprochen, die hatten sogar noch Kapazitäten“, erklärt der Mediziner. Auch einen separaten Raum in ausreichender Entfernung hätte es gegeben, in dem er den Abstrich machen kann.

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Alles war bereit

Denn: Patienten mit Corona-Verdacht dürfen bekanntlich eine normale Praxis nicht betreten. „Zuletzt war mir von Bürgermeister und Feuerwehr ein Zelt sogar zugesagt worden, um dieses neben dem Parkplatz aufbauen zu können“, schildert Schader. Masken und Schutzmäntel hatte er ebenfalls nachbestellt und das Equipment aufgerüstet. „Wir reden hier von maximal zehn bis 15 Patienten, die ich pro Tag getestet hätte“, betont der Arzt.

Diese wären nur nach Voranmeldung und dann – noch im Auto sitzend – aufgerufen und getestet worden. Allerdings nur: bei begründetem Verdacht. „Meine Assistentinnen haben sich freiwillig bereit erklärt, hier an einem Strang zu ziehen freut er sich über den Einsatz von Roswitha Kaiser, Veronika Attlfellner und Elfriede Wimmer.

Streckt das System die Waffen?

Doch dann kam am Dienstagabend ein neuerliches Fax des Deutschen Hausärzteverbands. „Mit einer Rolle rückwärts“, moniert Schader. Darin heißt es, dass die massenhaften Corona-Tests einmal die richtige Strategie gewesen seien, aber nicht mehr in der aktuellen Situation. „Von Ressourcenverschwendung ist darin die Rede, weil die Testsets knapp werden“, so der Mediziner. 

Für ihn klingt es auch ein wenig danach, als ob man hinsichtlich der Tests ein wenig die Waffen strecken würde. Wir werden definitiv künftig keine Tests mehr durchführen, betonte Schader angesichts der Neueinteilungen.

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