Abiturienten des Priener Gymnasiums haben im Homeschooling schon Reifeprüfung geschafft

Andreas Schaller nimmt Maß: Der LTG-Direktor überprüft, on der Mindestabstand zwischen den Bänken eingehalten wird. Berger
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Andreas Schaller nimmt Maß: Der LTG-Direktor überprüft, on der Mindestabstand zwischen den Bänken eingehalten wird. Berger

Jede Woche kehren jetzt mehr Kinder und Jugendliche an ihre Schulen zurück. Die Schulen stehen vor großen Herausforderungen. Am Ludwig-Thoma-Gymnasium in Prien haben sie Direktor Andreas Schaller und sein Team bisher gut gemeistert.

Von Dirk Breitfuß

Prien – Die sprichwörtliche heiße Nadel kann Andreas Schaller seit Wochen nicht aus der Hand legen. Den Direktor des Ludwig-Thoma-Gymnasiums (LTG) bringt eigentlich so leicht nichts aus der Ruhe. Corona ab und zu schon.

Umso größer ist der Respekt, den der Chef des Priener Gymnasiums dem Abschlussjahrgang 2020 entgegenbringt. Am 20. Mai beginnen für die 106 jungen Damen und Herren die Abiturprüfungen in der Turnhalle. Die charakterliche Reifeprüfung haben die Abiturienten für Schaller aber in den vergangenen Wochen beim Homeschooling schon abgelegt. „Die waren alle immer total diszipliniert und fokussiert und haben sich nicht von ihrem Ziel abbringen lassen.“

„Die nächsten Wochen werden superspannend“

Sein Lob hat der Direktor dieser Tage auch schon in sein Grußwort für den Jahresbericht formuliert. Normalerweise bekommen den die Abschlussschüler mit ihrem Zeugnis bei einer großen Feier im vollen König Ludwig Saal überreicht. Heuer wird alles ausfallen, sogar der symbolische Händedruck. Das LTG grübelt noch über einen angemessenen Rahmen, der erlaubt ist.

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+++Unwägbarkeiten gehören in diesen Zeiten zum Tagesgeschäft Schallers, seines Sekretariats und des über 80 köpfigen Kollegiums. „Die nächsten Wochen werden superspannend“, weiß der Direktor. Eine Woche nach dem Abi-Jahrgang sind knapp 100 Schüler des Q11 zurück aus dem häuslichen Umfeld in die Klassenzimmer gekommen, eine weitere Woche später sollen die fünften und sechsten Klassen folgen, das sind nochmal 250 Mädchen und Buben.

Während Schaller das im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung erzählt, wartet er minütlich auf Mails aus dem Kultusministerium. Denn bisher scheint nur sicher, dass die Fünft- und Sechstklässler blockweise sogenannten Präsenzunterricht bekommen sollen. Das heißt, in einer Woche kommt die Hälfte in die Schule, die anderen bleiben im Homeschooling. In der nächsten Wochen ist es dann umgekehrt. Für viele Lehrer bedeutet das doppelte Arbeit.

Noch gibt es viel mehr Fragen als Antworten. Schaller streckt im Gespräch einen Finger nach dem anderen aus, um die offenen Punkte aufzulisten. Zwei Hände sind schnell aufgebraucht. „Wir warten händeringend auf genauere Anweisungen.“

„Das einzige,was wir wissen: Keiner fällt durch“

Das LTG muss, wie alle anderen bayerischen Schulen auch, die Vorgaben aus München umsetzen und mit den örtlichen Gegebenheiten in Einklang bringen. 1000 Fragen tauchen auf – nur ein Beispiel: Dürfen Arbeitsblätter wegen der Infektionsgefahr noch vom Lehrer nach hinten durchgereicht werden, wie das üblich ist? „Das einzige, was wir sicher wissen ist, dass wegen Corona keiner durchfällt.“

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Wegen Corona wurde das Raumkonzept für dieses Schuljahr, also die Aufteilung der Klassen auf die Räume, über den Haufen geworfen und ein neues entwickelt. Priorität hat das Ziel, die Gruppen so auf große Zimmer aufzuteilen, dass jeder mindestens die vorgeschriebenen vier Quadratmeter Platz hat. Statt im Ludwig-Thoma-Haus, wo die Abiturjahrgänge sonst ihre Kurse haben, sitzen die Abschlussschüler jetzt auch in der Aula, in der Mensa und im Veranstaltungssaal im Neubau von Haus 1.

Das LTG hatte von Anfang an eine Maskenregelung getroffen, wie sie inhaltlich identisch inzwischen für alle Schulen verbindlich vorgegeben ist: In den Klassenzimmern können die Schüler Masken aufsetzen, in allen anderen Bereichen müssen sie, also vor allem in den Gängen.

An neuralgischen Punkten, zum Beispiel den Eingängen, haben die Hausmeister Christian Tautz und Hans Eicher Desinfektionsmittel bereitgestellt.

Die Reinigungsfirma ist instruiert, bei ihrer täglichen Arbeit kritische Stellen noch genauer als sonst mit Špezialreiniger zu bearbeiten, unter anderem Türgriffe und Lichtschalter.

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Schüler und Eltern werden Schaller zufolge laufend per Rundmails über Neuigkeiten informiert. Bei der Herausforderung des Homeschoolings haben Lehrer und Schüler von der Arbeit einen fünfköpfigen E-Learning-Teams EDV-affiner Lehrkräfte profitiert, ist der Direktor froh. Dank dieser Spezialisten konnte das LTG von Anfang die komplette Kommunikation über seine schuleigene „next-cloud“ abwickeln.

Das hat offenbar funktioniert. Bei einer Umfrage zum Unterricht daheim vor wenigen Tagen bekam die Schulleitung überwiegend positive Resonanz. Fast 500 Eltern schickten die ausgefülten Fragebögen zurück.

„Die Eltern drehen natürlich am Rad“

Während es sonst Vorlaufzeiten gibt, um Neuerungen umzusetzen, geht es in Corona-Zeiten um Lösungen in Echtzeit. Wenn wieder mal eine Pressekonferenz mit dem Ministerpräsidenten in München ist, sitzt Schaller auch vor dem Fernseher. „Vorher wissen wir auch nichts, das ist natürlich sehr unbefriedigend.“

Der Direktor hat großes Verständnis für Eltern, die mit Homeschooling und Homeoffice immer mehr an ihre Grenzen stoßen. „Die drehen natürlich am Rad“, formuliert er es drastisch. Er hat aber auch Positives beobachtet: Das Homeschooling hat die Selbstständigkeit vieler Schüler gefördert. Wo sonst auf die Erklärung des Lehrers gewartet wird, klicken viele jetzt ein Erklär-Video im Internet an.

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