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Corona-Fälle im Landkreis Traunstein

„95 Prozent der Fälle sind Ungeimpfte“: Wen die vierte Welle im Landkreis Traunstein besonders trifft

Wie viele der unter 20-Jährigen im Landkreis bereits geimpft sind, lässt sich derzeit nur schwer schätzen, da die Imfungen bei Hausärzten nicht nach Alter erfasst werden.
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Wie viele der unter 20-Jährigen im Landkreis bereits geimpft sind, lässt sich derzeit nur schwer schätzen, da die Imfungen bei Hausärzten nicht nach Alter erfasst werden.
  • Heidi Geyer
    VonHeidi Geyer
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Traunstein – Auch der Landkreis Traunstein steckt mitten in der vierten Welle. Die Infektionszahlen sowie die Hospitalisierung steigen. Die Chiemgau-Zeitung hat mit Dr. Wolfgang Krämer, Leiter des Gesundheitsamts Traunstein, über Reiserückkehrer, Auffrischungsimpfungen und Hobby-Virologen gesprochen.

Herr Krämer, was ist die Ursache für den Anstieg der Infektionen?

Dr. Wolfgang Krämer: In erster Linie sind das Ungeimpfte oder nicht ausreichend Geimpfte. Deren Anteil liegt aktuell bei 95 Prozent der Neuinfektionen, die meist auch innerfamiliär und im privaten Umfeld das Virus weitergeben. Wir werten derzeit immer die zurückliegenden zwei Wochen aus. Aktuell sind 17 Prozent der Neuinfizierten Reiserückkehrer, davon rund ein Drittel aus Kroatien. Weitere Hotspots oder Superspreader Events können wir nicht erkennen. Auffällig ist, dass die Neuinfektionen deutlich öfter jüngere Patienten betreffen.

Die Zahl der stationären Patienten ist in den vergangenen Tagen gestiegen.

Krämer: Aktuell fährt der Klinikverbund der Kliniken Südostbayern (KSOB ) das System, dass die mit Covid-19 infizierten auf der Normalstation in Bad Reichenhall zentral aufgenommen werden. Das erleichtert schlicht die Abläufe für die Kliniken. Bei den Intensivpatienten sind dies Bad Reichenhall und Traunstein. Sollten es mehr werden, werden die Patienten auch wieder stärker auf andere Kliniken verteilen.

Was sich verschoben hat, ist die Altersstruktur. Seit Impfungen möglich sind, liegt der Schwerpunkt zwischen 30 und 55 Jahren. Davor waren die Patienten deutlich älter. Die Altenheime sind größtenteils durchgeimpft und das spüren wir. Selbst bei einem Impfdurchbruch, also wenn sich jemand dort trotz Impfung infiziert, sind die Verläufe nicht mehr schwer. Nur acht Prozent der Neufälle sind älter als 60. Wobei wir derzeit keine Kinder in stationärer Behandlung haben.

Dr. Wolfgang Krämer leitet das Gesundheitsamt im Landkreis Traunstein.

Lassen sich wieder mehr Leute impfen, weil die Zahlen steigen?

Krämer: Ein bisschen steigen die Impfzahlen, aber da ist noch Luft drin. Es könnten noch viel mehr werden, weil es nicht so viele medizinisch harte Kontraindikationen gegen die Impfung gibt. Der Wirkungsgrad der Impfung ist sehr hoch. Aus meiner Erfahrung sollte sich jeder, der kann, impfen lassen. Gerade im Hinblick auf die kalte Jahreszeit rechne ich mit einer deutlich steigenden Infektionsgefahr, daher kann ich nur jedem dazu raten.

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Der Schulanfang steht kurz bevor. Wie viele Kinder und Jugendliche sind inzwischen geimpft?

Krämer: Wir haben eine Alterserfassung bei den Impfungen im Impfzentrum, allerdings wird dies bei Haus- und Kinderärzten nicht gemacht. Daher ist es schwer, eine Aussage zu machen. Von den rund 90.000 Impfungen sind 50.000 im Impfzentrum erfolgt. Im Impfzentrum sind 2200 Erstimpfungen bei Personen unter 20 Jahren erfolgt. Die Empfehlung der STIKO ist ja noch nicht so alt, außerdem ist Urlaubszeit. Hoffentlich werden wir zu Schulbeginn eine höhere Nachfrage spüren.

Gehen Sie davon aus, dass die vierte Welle dann noch mal an Fahrt aufnimmt?

Krämer: Ja, bei den Ungeimpften auf jeden Fall. Die Infektiosität der Deltavariante ist eben sehr hoch. Ich rechne bei Kindern und jungen Erwachsenen mit einer deutlichen Zunahme. Daher haben wir auch ein sehr enges Testkonzept: Grundschulkinder machen zweimal wöchentlich einen Pool-Test auf PCR-Basis, in den anderen Schulen sind es dreimal wöchentlich Schnelltests.

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Wie ist der Stand der Dinge zu den Auffrischungsimpfungen für die Menschen, die sehr früh geimpft wurden?

Krämer: Hier ist die Fachwelt noch nicht ganz eindeutig, wer sie denn tatsächlich braucht. Von anderen Impfungen weiß man, dass sie bei Menschen mit einem angeschlagenen Immunsystem schlechter wirken, etwa bei Dialysepatienten. Sie würden wohl von einer Auffrischimpfung am meisten profitieren. Hinzu kommt, dass es nicht nur um Antikörper geht. Das Immunsystem ist weitaus komplexer und hier fehlt noch die Datengrundlage.

Es gibt schon erste Laborstudien und klinische Arbeiten. Hier arbeitet man sehr intensiv auch mit Daten aus der Praxis: So werden beispielsweise alle unsere Impfdurchbrüche und deren Daten gemeldet und universitär begleitet. Momentan ist die Drittimpfung noch eher die Domäne der Hausärzte, die ihre Patienten am besten kennen.

Sie arbeiten seit Monaten ganz intensiv rund um die Impfungen, gleichzeitig misstraut ihnen ein Teil der Bevölkerung. Wie ist das eigentlich für Sie persönlich?

Krämer: Früher habe ich immer darüber gelacht, wenn bei der Fußball-Weltmeisterschaft plötzlich 30 Millionen Bundestrainer auftauchen. Inzwischen finde ich sehr schade, dass sich Menschen und vermeintliche Meinungsmacher zu weitaus komplexeren Themen so äußern.

Meiner Meinung nach ist die Datenlage überwältigend, gerade wenn man sich ansieht, dass aktuell 95 Prozent der Erkrankungen ungeimpft sind. Für die Menschen in der Pflege oder Angehörige, die miterlebt haben, wie Menschen den Kampf gegen Corona verloren haben, empfinde ich das einen Schlag ins Gesicht. Man kann ruhigen Gewissens nicht allgemein gegen eine Impfung sprechen.

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