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Interview mit Stefan Rotter

Fast 70 Jahre am „bayerischen Meer“ – Bernauer Wasserwacht feiert Jubiläum

Die Wasserwacht Bernau bei einem Einsatz auf dem Chiemsee im vergangenen Jahr.
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Die Wasserwacht Bernau bei einem Einsatz auf dem Chiemsee im vergangenen Jahr.
  • VonElisabeth Kirchner
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Bernau – Seit fast 70 Jahren gibt es die Wasserwacht in Bernau Felden, und was damals mit nur einem Holzboot mit Motor und einer Handvoll Ehrenamtlichen begann, ist heute eine 100 Frau und Mann starke aktive Truppe mit zwei Motorrettungsbooten und einem Quadbike. Warum Stefan Rotter (35), Vorsitzender der Bernauer Wasserwacht, sein Ehrenamt nicht missen möchte.

Herr Rotter, schon allein die Lage der Wasserwacht am Südende des Chiemsees lädt zum Verweilen ein. Oftmals sieht man die Wasserwachtler auf dem Steg in der Sonne sitzen. Aber darf man sich Ihre Wochenenden immer so vorstellen?

Stefan Rotter: Das täuscht. Natürlich ist unser Haus am See wunderbar, und das soziale Miteinander ebenso. Aber wir sind ehrenamtliche Hilfeleister, und das bedeutet, dass wir sozusagen 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, und das an 365 Tagen im Jahr wie die Feuerwehr im Einsatz sind.

Was hat sich im Vergleich zu früher geändert?

Rotter: Früher waren es nur Segler, Ruderer oder Schwimmer, für die wir im Unglücksfall oder bei Unwetter ausrücken mussten. Heutzutage sind viel mehr Leute auf dem See. Segler, Surfer, Kitesurfer, SUPper, E-Motorboot-Fahrer, Schwimmer, und natürlich die vielen Touristen. Man darf das nicht unterschätzen, unser Einsatzgebiet erstreckt sich von Bernau über Prien bis hin zu den Inseln. Und wir leisten ja nicht nur Erste-Hilfe für Unglücke auf dem Wasser.

Stefan Rotter, Vorsitzender der Wasserwacht Bernau.

Was heisst das genau?

Rotter: Natürlich sind wir als Wasserwacht auf dem Wasser als Retter aktiv, inklusive Patiententransporte auf dem Wasserweg. Wir bieten Wassergewöhnungs-, Schwimm- und Rettungsschwimmkurse und wir bilden Lehrkräfte, Klinikpersonal und viele weitere Interessenten in der Wasserrettung aus. Für unsere Ehrenamtlichen, die bei der Wasserwacht Rettungstaucher werden möchten, bieten wir auch eine Tauchausbildung an. Wir helfen bei Tauchgängen, im Winter gibt es bei uns Eisrettungsübungen.

Was findet noch an Land statt?

Rotter: Wir engagieren uns im Natur- und Gewässerschutz und sammeln ein- bis zweimal im Jahr Müll in den vielen Buchten des Chiemsees nahe Bernau. An Land organisieren wir regelmäßig Blutspenden-Aktionen in Zusammenarbeit mit dem BRK, auch wenn wir davon nicht reich werden, und wir bilden in Erste-Hilfe und dem Sanitätsdienst aus. Dazu kommt noch der Katastrophenschutz: Wir haben unter anderem im Corona-Abstrich-Zentrum im Rosenheim mitgeholfen und in Zusammenarbeit mit der Kreiswasserwacht bauen wir derzeit auch die Wasserrettung in der Luft aus.

Das klingt aber nicht nach Baywatch, sondern eher nach viel Engagement und Herzblut bei Wind und Wetter.

Rotter: Das stimmt. Unser Einsatzgebiet ist sehr groß, und wenn da ein Boot ausfällt wie derzeit das Priener Boot, dann sind wir noch mehr gefordert. Dazu kommt noch das unberechenbare Wetter am See, das viele oftmals unterschätzen. Wenn sich die Großwetterlage schnell ändert, dann kann es passieren, dass binnen weniger Minuten eine Schneise der Verwüstung von Prien nach Bernau zieht. Das ist dann wie ein Domino-Effekt, und das heißt für uns im Ernstfall eine Vielzahl an Einsätzen, die innerhalb von 10 Minuten bei der Integrierten Leitstelle eingehen. Im schlimmsten Fall mit 20 bis 30 in Seenot geratenen Personen, die in Zusammenarbeit mit den anderen Chiemseewasserwachten und der DLRG die benötigte Hilfe bekommen. Dazu kommt, das wir alle ehrenamtlich arbeiten.

Wie viele Einsatzkräfte haben Sie?

Rotter: Auch wenn die Wasserwacht Bernau derzeit 600 Mitglieder verzeichnet, sind davon nur gut 100, darunter gut 60 Jugendliche, aktiv. Da müssen wir im Ernstfall auf Abruf bereitstehen, und das kann dann schon mal Dienst außerhalb des Dienstplans heißen. Und wir sind ein gutes Team. Aber mit Corona alle bei der Stange zu halten, ist nicht einfach, denn Zusammenhalt entsteht mit dem Zusammensein, da nützen auch die besten und schönsten Online-Veranstaltungen nichts.

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