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BIODIVERSITÄT

500 Obstbäume, 300 Sorten: Ein besonderer Wanderweg rund um die Ratzinger Höhe

Von der Ratzinger Höhe bis nach Prien führt der Wanderweg.
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Von der Ratzinger Höhe bis nach Prien führt der Wanderweg.
  • Heidi Geyer
    vonHeidi Geyer
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Der Priener Georgi oder der Endorfer Breitling – schon mal gehört? Im Gebiet von der Ratzinger Höhe bis Prien finden sich viele seltene Obstsorten. Ein ganz besonderer Weg macht diese nun erlebbar – ermöglicht durch Freiwillige.

Rimsting/Prien – Dr. Nathusius Taubenapfel oder Himbeerapfel von Holowaus – diese Sorten sagen heute wohl nur noch eingefleischten Pomologen, nämlich Obstbaukundlern, etwas. Braeburn, Gala und Boskop sind da schon deutlich geläufiger. In der Nähe der Ratzinger Höhe finden sich jedoch noch viele alte und wenig bekannte Sorten auf dem Obst- und Kulturweg, der von Freiwilligen unterhalten wird.

Langfristiges Projekt

Vor 28 Jahren begannen die Obst- und Gartenbauvereine von Hirnsberg-Pietzing und Prien den Obst- und Kulturweg Ratzinger Höhe anzulegen. „Treibende Kraft waren damals Günter Krumrey, der inzwischen verstorbene ehemalige Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins Prien und Umgebung, und der damalige Kurdirektor Peter Donauer auf Priener Seite sowie Sepp Stein aus Hirnsberg“, heißt es in einer Pressemitteilung des Landratsamtes Rosenheim zum Projekt.

Gartenbauvereine mit Spezialisierung

Ein Projekt, das erstaunliche Ausmaße angenommen hat: Heute stehen 500 Obstbäume in gut 300 verschiedenen Sorten entlang des circa 20 Kilometer langen Wanderweges. Rund um die Ratzinger Höhe verläuft dieser.

Die Obst- und Gartenbauvereine, die sich beteiligen, haben sich auf alte, seltene Obstbaumsorten spezialisiert. Ein Schwerpunkt sind dabei Sorten, die in den „Deutschen Obstsortenblättern“ ab 1900 empfohlen worden sind. In Zeiten von Monokultur und Klimawandel setzt der Weg ein Zeichen. 2015 wurde der Weg in das Obstsortenerhalter-Netzwerk Deutschlands aufgenommen und ist dort eines der größten privat betriebenen Projekte dieser Art.

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Mit nicht unerheblichem Aufwand für die beiden Gartenbauvereine: Immerhin müssen Früchte aller Bäume zur Überprüfung der Sortenechtheit an den Deutschen Pomologenverein geschickt werden. Nicht alle Sorten werden bestätigt. So stellte sich per Analyse des genetischen „Fingerabdruckes“ heraus, dass es sich bei dem an der Ratzinger Höhe vereinzelt vorkommenden „Kalifornischen Königsapfel“ in Wahrheit um die amerikanische Apfelsorte „King of Tomkins County“ handelt. Es wird vermutet, dass der „Ringer“, der vor gut 100 Jahren in Ulperting eine Baumschule betrieb, diese Sorte auf irgendeine Weise erhielt und sie, wie andere rare Sorten auch, an der Ratzinger Höhe verbreitete.

Teil des Obst- und Kulturweges in Bach bei Greimharting

Die organisatorische Hauptlast für den Weg lag bisher bei Sepp Stein vom Gartenbauverein Hirnsberg-Pietzing. Sie wird jetzt weitergegeben in jüngere Hände. Baumwart Christian Meissner kümmert sich künftig um den Zustand der Bäume sowie die Beschilderung und organisiert Arbeitseinsätze.

50 Eigentümer machen mit

Roman Pröll, Gartenfachberater am Landratsamt Rosenheim, übernimmt die pomologische Planung, die Kartierung und die Verifizierung der Sorten. „Das ist ein ganz besonderer Weg, eingebettet in eine wunderschöne Landschaft, mit Gasthöfen und Brennereien auf dem Weg“, sagt Pröll. Denn die Obstbäume sind kein staatlicher Besitz, sondern stehen größtenteils auf privaten Flächen. Insgesamt 50 Grundstücksbesitzer konnten für das Projekt gewonnen werden.

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Für die Eigentümer der Bäume schafft die Analyse oft Klarheit, erklärt Pröll: „Zum Teil stellen sich die Sorten ganz anders dar, als diejenigen, die man gekauft hat.“ Jede Sorte habe andere Eigenschaften, etwa was die Lagerung, Reife und Erntefähigkeit angehe. Die Vielfalt ist riesig.

„Weltweit gibt es zwischen 13.000 und 14.000 Apfelsorten“, sagt Pröll. Ein Teil der Sorten sei durch den Klimawandel bedroht, gerade sehr alte Bäume auf Streuobstwiesen. „Das liegt unter anderem daran, dass die Niederschläge regional oft sehr stark schwanken“, sagt Pröll. Umso wichtiger sei es, deren Erhalt zu sichern.

Biodiversitätsprojekt will alte Sorten retten

In sechs Landkreisen zwischen Weilheim-Schongau und Berchtesgadener Land werden seit 2015 im Auftrag der Regierung von Oberbayern seltene Apfel- und Birnensorten gesucht. Dabei wurden bisher rund 250 Bäume entdeckt, deren Früchte von namhaften deutschen Sortenkundlern nicht bestimmt werden konnten.

Im Rahmen eines fünfjährigen Biodiversitätsprojektes sollen nun diese unbekannten oder „vergessenen“ Sorten nachgezogen und in „Sortenerhaltungsgärten“ der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Bis 2024 werden sich Projektmanagerin Eva Bichler-Öttl und Sortenkundler Georg Loferer um das Fortbestehen dieser Raritäten kümmern.

+++ Weitere Infos finden sich auf der Internetseite www.apfel-birne-berge.de. +++

Regionale Sorten sind beispielsweise der Endorfer Breitling, der Priener Georgi und der Vogtareuther Taubenapfel. „Viele der Lokalsorten haben sich als Zufallskreuzungen ergeben, manche sind aber auch seit Jahrhunderten für gewisse Eigenschaften gezüchtet worden“, sagt Roman Pröll, Gartenfachberater im Landratsamt Rosenheim. Zunächst sollen die „vergessenen“ Sorten mithilfe genetischer Fingerprints weiter untersucht werden: Möglicherweise lassen sich Früchte doch noch einer bekannten, aber sehr seltenen Sorte zuweisen.

In einem nächsten Schritt werden diese Sorten nachgezogen und diejenigen Sorten, die heute noch für die Verwertung interessant sind, vermehrt und mithilfe der Landschaftspflegeverbände bzw. der Kreisverbände für Gartenkultur und Landespflege verbreitet.

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