48-Jähriger lässt Puten verhungern: Vor Gericht in Traunstein zu Geldstrafe verurteilt

Nach mehreren Beanstandungen zur Tierhaltung in der Vergangenheit fanden zwei Kontrolleure des Veterinäramts am 29. August 2019 auf dem Pachtgelände eines Tierhalters im Achental zwei tote Puten.

Traunstein/Achental –Die beiden toten Tiere lagen in einem kleinen Stall, inmitten eines Geheges. Die beiden Tiere waren sichtlich verhungert und verdurstet.

Das Amtsgericht Traunstein mit Richterin Ulrike Stehberger verhängte gegen den 48-jährigen Tierhalter wegen zweifacher Tiermisshandlung und Tiertötung bei der Verhandlung jetzt eine Geldstrafe von 35 Tagessätzen zu je 15 Euro, insgesamt 525 Euro.

Der Angeklagte, der gegen einen Strafbefehl des Amtsgerichts Einspruch eingelegt hatte und ohne Verteidiger erschien, behauptete, auf dem Areal seien überhaupt keine Tiere mehr gewesen. Er habe zum Zeitpunkt der amtlichen Kontrolle schon alle Tiere abgezogen und zu anderen Gehegen gebracht gehabt.

Dem widersprachen die beiden Kontrolleure vom Landratsamt. Sie hatten die Situation auch mit Fotos dokumentiert. Laut Anklage waren die zwei toten Puten „hochgradig ausgezehrt“. Der Angeklagte habe den Puten nicht ausreichend Wasser und Futter zur Verfügung gestellt. Die Schmerzen und den Tod der Tiere habe der 48-Jährige „jedenfalls billigend in Kauf genommen“.

Gutachter bestätigt Todesursache

Gemäß Gutachten des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit waren die Tiere verhungert und verdurstet. Ihr Leiden habe sich über einen Zeitraum von mindestens fünf bis sieben Tagen erstreckt, hielten die Veterinäre als Obduktionsergebnis fest.

Die Staatsanwältin Barbara Sedlmeyr betonte im Plädoyer, der Angeklagte habe gewusst, dass sich noch Tiere auf dem Gelände befanden. Sie beantragte für den nicht vorbestraften Mann aus dem Berchtesgadener Land wegen Tiermisshandlung eine Geldstrafe von 35 Tagessätzen. Sie ging aber von einem geringeren Einkommen als im Strafbefehl aus und halbierte den Tagessatz auf 20 Euro.

Im Urteil stellte Richterin Stehberger fest, der Angeklagte habe die Tat bestritten. Sie habe jedoch aufgrund der Zeugenaussagen und des Gutachtens keine Zweifel, dass sich der 48-Jährige nicht ausreichend um die Tiere gekümmert habe. 35 Tagessätze seien in der Tat angemessen.

Zu seinen Gunsten rechnete das Gericht das bislang unbescholtene Vorleben des Angeklagten.

Außerdem habe sich der Tierhalter in einer persönlichen Ausnahmesituation befunden, so die Richterin. Strafschärfend wirke: „Er hat die Tiere sehr schlecht versorgt – über mehrere Tage hinweg. Zwei Tiere sind gestorben.“

Die Höhe des Tagessatzes entspreche den aktuellen wirtschaftlichen Verhältnissen des Angeklagten. kd

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