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Angeklagter klaut Benzin und Alkohol

40-jährigen Priener erwarten elf Monate Haft nach mehreren Delikten

Am Traunsteiner Amtsgericht wurde der Fall verhandelt. Wegen eines Geständnisses wurden nur wenige Zeugen gehört.
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Am Traunsteiner Amtsgericht wurde der Fall verhandelt. Wegen eines Geständnisses wurden nur wenige Zeugen gehört.
  • VonMonika Kretzmer-Diepold
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Ein führerscheinloser 40-jähriger Priener kaufte ein altes Auto, meldete es aber nicht an. Stattdessen klaute er fremde Kfz-Kennzeichen und Benzin. Zusätzlich stahl er Alkoholika - so viele, dass man laut Richter eine Bar hätte bestücken können.

Prien/Traunstein – Eine Bewährung versagte Richter Wolfgang Ott ausdrücklich mit der Begründung: „Das Fass ist tatsächlich übergelaufen.“ Das Amtsgericht Traunstein verhängte gegen den geständigen Angeklagten nun wegen einer Fülle von Delikten eine Freiheitsstraße in Höhe von elf Monaten.

Der 40-Jährige gab sich reuig und zerknirscht. Unumwunden räumte er die Vorwürfe von Staatsanwalt Chris-Dominik Kempel ein.

Der Angeklagte hatte sich eine Woche vor den Taten einen gebrauchten VW Golf zugelegt. Anfang April 2021 entwendete der Familienvater auf dem Park+Ride-Parkplatz am Bahnhof Prien die Kennzeichen eines Toyotas, um die Zulassung und damit auch einen Versicherungsschutz vorzutäuschen.

Im Tankzentrum Chiemsee in Grabenstätt ließ er am 11. April 2021 zunächst gegen 14.06 Uhr unbemerkt eine Flasche Jägermeister im Wert von zehn Euro mitgehen. Fünf Minuten später füllte er den Tank seines Wagens mit knapp 36 Litern Kraftstoff im Wert von 55,72 Euro. Dann verschwand er, ohne zu zahlen.

Vier Tage später kreuzte der Dieb wieder in der Tankstelle auf. Dieses Mal erbeutete er fast 24 Liter Benzin im Wert von 36,59 Euro.

Angeklagter behilft sich mit gestohlenen Kennzeichen

Um unerkannt zu bleiben, holte er sich am 17. April auf einem Parkplatz an der Beilhackstraße in Prien Kennzeichennachschub. Er schraubte die Schilder eines Renault Capture ab und brachte sie an seinem Wagen an. Erneut steuerte er das Tankzentrum in Grabenstätt an und holte sich erst eine Flasche Jägermeister, dieses Mal im Wert von 20 Euro. Anschließend zapfte er rund 30 Liter Kraftstoff für 46,85 Euro.

Des Weiteren schnappte sich der Angeklagte in einer Tankstelle in Prien am 15. August 2021 eine 25 Euro teure Flasche Jägermeister. Seine Beute am 20. August in einem SB-Markt in Traunstein hätte nach Worten des Richters gereicht, eine Bar zu bestücken: zwei Flaschen Duke, sieben Flaschen Gentleman Jack, eine Flasche Hennessy-Cognac, vier Flaschen Johnny Walker Black Label und drei Flaschen Remy Martini mit einem Gesamtwert von 509,83 Euro. Der 40-Jährige packte alles in einen mitgebrachten Trolley und rollte damit unbehelligt aus dem Laden.

Überwachungskameras zeigen den Täter

Wie eine Zeugin schilderte, fiel der Diebstahl erst eine Stunde später auf. Eine Angestellte hatte sich gewundert, wie schnell die Flaschen im Regal verkauft worden waren. Als man das Überwachungsvideo ansah, war die Überraschung groß. Der Langfinger ohne Maske und in einem auffälligen Outfit war gut zu erkennen. Niemand wusste allerdings, wer er war. Wie ein Repräsentant des SB-Markts vor dem Amtsgericht berichtete, warnte man damals sofort alle Supermärkte der gleichen Kette in der Umgebung. Prompt tauchte der Dieb am nächsten Tag in Chieming auf – in der gleichen prägnanten Bekleidung. Auf die Nachricht hin eilten Mitarbeiter aus Traunstein sofort den Kollegen zu Hilfe. Der 40-Jährige konnte Richtung Mutter-Kind-Klinik flüchten und kurz darauf gefasst werden.

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Angesichts des Geständnisses hörte das Gericht nur wenige der rund ein Dutzend Zeugen an. Zwei Mitarbeiterinnen der Tankstelle in Grabenstätt hatten, wie sie sagten, wegen des hohen Kundenzulaufs nichts mitbekommen von den Alkohol- und Benzindiebstählen. Ihre Informationen stammten aus den Videos von Überwachungskameras. Eine Angestellte erinnerte sich: „Es hieß, wir haben einen Wegfahrer. Verwirrt hat uns, dass er mit verschiedenen Kennzeichen kam. Aber das Auto war offensichtlich das gleiche. Es hatte eine markante Stelle am Dach.“

Vorstrafen verhindern leichtere Strafe

Der 40-Jährige mit Hafterfahrung hatte an die 20 Jahre Drogenprobleme. Diese Sucht wurde er los. Dafür trank er im Tatzeitraum viel Alkohol, hatte aber kaum Geld, weil er alles der Familie gab. Inzwischen konsumiert er seit über sieben Monaten gar nichts mehr und hat auch wieder einen Job – als Corona-Kontrolleur in einem Skiort im Salzburger Land. „Wenn man süchtig ist, denkt man oft nicht“, meinte er auf Frage des Richters zum Motiv.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft stellte das Gericht eine Trunkenheitsfahrt ein. Für die verbleibenden Vorwürfe plädierte Ankläger Kempel auf eine Freiheitsstrafe von 20 Monaten ohne Bewährung. Der 40-Jährige mache keinen schlechten Eindruck und habe ein Geständnis von Wert abgelegt. Negativ zu werten seien jedoch die 23 Vorstrafen, eine offene Führungsaufsicht sowie eine offene Bewährung bei Begehung der jetzigen Delikte.

Angeklagter akzeptiert die Haftstrafe

Zwölf Monate mit Bewährung hielt Verteidiger Hans Sachse aus Rosenheim für ausreichend. Der Anwalt sprach von „laienhafter Ausführung“: „Es war ein Leichtes, meinen Mandanten zu überführen.“ Zu den gestohlenen 17 Flaschen Alkohol bei einem Beutezug merkte der Anwalt an: „Ich bin überrascht, dass so viel derart leicht in einen Koffer gepackt werden kann.“ Die früheren Probleme des 40-Jährigen hätten sich grundlegend geändert. Sachse appellierte, dessen Zukunft nicht zu verbauen.

In das Zentrum des Urteils stellte der Vorsitzende die Frage einer Bewährung. Dafür seien „besondere Umstände“ erforderlich. Richter Ott wörtlich: „Eine günstige Sozialprognose kann ich beim besten Willen nicht erkennen. Nach der letzten Bewährung folgten vier weitere Straftaten.“ Mit gesenktem Kopf akzeptierte der 40-Jährige die Haftstrafe. Der Staatsanwalt äußerte sich nicht, ob auch er auf Rechtsmittel verzichtet.