25 Jahre Woehl-Orgel in Prien: „Kein Register zuviel, keins zu wenig“

Ein Freudentag für die kirchliche und weltliche Priener Gemeinde im Jahr 1995: Die neue Woehl-Orgel auf der renovierten Empore kurz vor der Einweihung.
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Ein Freudentag für die kirchliche und weltliche Priener Gemeinde im Jahr 1995: Die neue Woehl-Orgel auf der renovierten Empore kurz vor der Einweihung.

Jubiläum in der Priener Pfarrkirche „Mariae Himmelfahrt“: Vor 25 Jahren wurde die neue Woehl-Orgel eingeweiht. Der extra gegründete Orgel-Verein brachte für das 1,2 Millionen Mark teure Instrument rund 340.000 Mark zusammen. Ein Rückblick.

Von Anton Hötzelsperger

Prien– „25 Jahre Woehl-Orgel Prien“ – unter diesem Motto hätten heuer die Priener Kirchenmusiktage gestanden, die aber coronabedingt abgesagt werden mussten. Es wird also heuer in der Pfarrkirche „Maria Himmelfahrt“ keine Jubiläumskonzerte geben – dennoch trafen sich anlässlich der Orgelrevision Monika Sommer von der Orgelbaufirma Gerald Woehl aus Marburg, Michael Anner senior und Kirchenmusiker Bartholomäus Prankl. Zusammen hielten sie Rückschau auf den Werdegang eines besonderen Kunstwerkes in der Priener Pfarrkirche.

Michael Anner, über 50 Jahre Mitglied des Priener Kirchenchores, erinnert sich gut an die Entstehungsgeschichte der Woehl-Orgel, war er doch Erster Vorsitzender des 1992 gegründeten Orgelbau-Fördervereins. „42 Personen waren gleich zu Beginn Mitglied des Vereins, mein Stellvertreter war Klaus Obermüller, Schatzmeisterin wurde Sonja Kommissari, Hans Schuderer übernahm das Amt des Schriftführers und als Beisitzer machten Pfarrer Josef Preis, Franz Bruckmaier, Johanna Löw, Heiner Sedlmeir und Sepp Linhuber mit.“ Für die Realisierung des über 1,2 Millionen-Mark teuren Projekts war es notwendig, Kräfte und Spendenbereitschaften über Prien und über die Kreise der regelmäßigen Kirchgänger hinaus zu finden.

Der Orgel-Verein brachte 340 000 Mark zusammen

„Als ich am ersten Tag meiner Bitt-Gespräche von der Sparkasse Rosenheim gleich die Zusage für einen ansehnlichen Betrag bekam, wurde mir schon wohler“, so Anner. Eine „Orgel-Sause“ und eine Haussammlung trugen dazu bei, dass der Verein laut Anner 340 000 D-Mark zusammenbrachte. Er selbst spendete damals anlässlich seines 50. Geburtstages 10 000 D-Mark in die Orgelkasse.

„Ohne diese faszinierende Orgel in Prien wäre ich wohl kein Berufskirchenmusiker geworden“, bekannte Bartholomäus Prankl in Erinnerung an seinen Orgelunterricht in jungen Jahren; mit 14 spielte er an der Woehl-Orgel seinen ersten Gottesdienst. „Das Besondere der großen Orgel mit 50 Registern ist ihre enorme Vielseitigkeit und die klangliche Qualität der Stimmen – kein Register ist zu viel und keines ist zu wenig.“

Diesem Lob stimmte Monika Sommer zu: „Jeder Millimeter war überlegt und ist genutzt; der Auf- und Einbau war eine enorme Herausforderung“, würdigte sie die Qualität der Orgel auch in Hinsicht auf die engen Platzverhältnisse.

Rückblick auf den Bau

Zum Rückblick auf den Bau, die Finanzierung sowie Einweihung der Woehl-Orgel im Jahr 1995 gehört auch, dass damals das barocke Gehäuse von Jakob Thalmayr aus Weisham in gekonnter Weise renoviert und die ursprüngliche Farbigkeit von 1738 wiederhergestellt wurde.

Die Einweihung erfolgte durch Weihbischof Franz Schwarzenböck. Für Pfarrer Josef Preis, der 1988 nach Prien kam, war eine Orgel „die Königin unter den Instrumenten – und doch nur Dienerin vor Gott“.

Starke Unterstützung erhielt die Pfarrgemeinde damals von der politischen Gemeinde und vom damaligen Bürgermeister Lorenz Kollmannsberger. Er bezeichnete die Einweihung der neuen Orgel als einen „Freudentag für die gesamte Marktgemeinde“ und auch als ein „historisches Ereignis“.

Kirchenpfleger Sepp Stöttner hielt in der Festschrift fest: „Schon in den Jahren 1983/1984 war der Tenor: Wir brauchen eine neue Orgel. Die Pfarrkirche war aber in dieser Zeit eine durchgehende Baustelle. Dacheindeckung Presbyterium, Außenanstrich, Deckengemälde, Innenrestaurierung, Emporen-Unterbau sowie Kirchenheizung und Pflaster – all diese Arbeiten standen an. Nach vielen Gutachten und Besichtigungen entschloss sich die Kirchenverwaltung 1991 für einen Neubau“.

Salzburger Mozarteum nutzte Orgel für Examina

Der damalige Kirchenmusiker Rainer Schütz beschrieb seine Dankbarkeit wie folgt: „Ich freue mich, dass unsere neue Orgel mit dem Herrlichen unserer Pfarrkirche eine so vollkommene Einheit bildet, sowohl in optischer als auch in klanglicher Hinsicht.“ Schütz, der 1982 nach Prien kam, berichtet, dass die neue Orgel zeitweise für Studenten der Musikhochschule an der Universität Mozarteum in Salzburg als Examen-Instrument Verwendung fand.

Der neue Spieltisch wird auf die zweite Empore hochgezogen.
Der damalige Kirchenmusiker Rainer Schütz vor dem neuem Spieltisch.

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