Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


GEWALT HINTER GITTERN

20-Jähriger bricht im Bernauer Gefängnis einem Mithäftling den Kiefer

Ein Justizvollzugsbeamter steht vor der geöffneten Tür einer Gefängniszelle. In der JVA Bernau soll sich ein Afghane laut dem Anwalt des Angeklagten einen Kieferbruch durch einen Stoß gegen ein Stockbett geholt haben. Das Gericht sah das anders und verurteilte den Täter, selbst JVA-Insasse, zu einer verlängerten Haftstrafe.
+
Ein Justizvollzugsbeamter steht vor der geöffneten Tür einer Gefängniszelle. In der JVA Bernau soll sich ein Afghane laut dem Anwalt des Angeklagten einen Kieferbruch durch einen Stoß gegen ein Stockbett geholt haben. Das Gericht sah das anders und verurteilte den Täter, selbst JVA-Insasse, zu einer verlängerten Haftstrafe.

Weder Bewährung noch Haftstrafe schienen ihm eine Lehre zu sein. Deshalb muss ein 20-jähriger Türke nach einer neuerlichen Körperverletzung in der JVA Bernau nun zusätzliche 18 Monate hinter Gittern verbüßen.

Bernau – Der Angeklagte musste sich vor dem Jugend-Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richter Hans-Peter Kuchenbaur am Amtsgericht Rosenheim verantworten. Nach einem Streit beim Kartenspiel in einer Nachbarzelle drang der Bernauer laut Anklageschrift schon am zweiten Tag seines Aufenthalts in der JVA Bernau im Juli vergangenen Jahres in die Zelle eines Mit-Gefangenen ein. Er soll einen 45-jährigen Afghanen beschuldigt haben, ihn gegenüber einem Mitgefangenen Bastard genannt und somit ihn und seine Familie beleidigt zu haben.

Es sei zu einem Streitgespräch und einem Handgemenge gekommen. Der Angeklagte soll mit einem Faustschlag dem Afghanen den Kiefer doppelt gebrochen haben. Der Angeklagte selber machte vor Gericht zur Sache keinerlei Angaben.

Opfer konnte nicht mehr richtig sprechen

Wenn auch das Erinnerungsvermögen der beteiligten Insassen nicht sehr ausgeprägt war, so war der ärztliche Bericht eindeutig. Die JVA-Leitung steckte den Angeklagten für drei Wochen in Hausarrest und strich ihm für vier Wochen den Einkauf. Vor allem die Feststellung eines Zeugen, das Tatopfer habe nach der Auseinandersetzung nicht mehr richtig sprechen können, wies auf eine erhebliche Schlagwirkung hin.

Der Afghane berichtete, dass eine umfangreiche Operation vonnöten gewesen sei mit mehreren Schrauben im Unterkiefer und wochenlangen Schmerzen beim Essen. Bis heute sei er beim Kauen erheblich eingeschränkt belastbar.

Staatsanwalt von Schuld des Angeklagten überzeugt

Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe vermochte kein abschließendes Urteil darüber zu treffen, ob der Angeklagte nach Jugend- oder Erwachsenenrecht zu behandeln sei. Der Staatsanwalt war nicht nur von der Schuld des Türken überzeugt. Vor allem die Unbelehrbarkeit und fehlende Einsicht, die immer wieder einschlägigen Tathandlungen beklagte er. Besonders die Tatsache dass die Körperverletzung in der Haft erfolgte, wo er aus seiner Vorverurteilung gerade etwas lernen sollte. Jugendstrafe hielt er für möglich und beantragte deshalb die bereits zu verbüßende Strafe, die im Juli 2021 beendet gewesen wäre, um weitere zwölf Monate zu erhöhen.

Weitere Artikel und Nachrichten aus dem Chiemgau finden Sie hier.

Der Verteidiger Rechtsanwalt Harald Baron von Koskull zog in Zweifel, dass die Verletzung des Kontrahenten tatsächlich von einem Schlag seines Mandanten herrührte. Es sei vielmehr wahrscheinlich, dass der Verletzte im unstrittigen Handgemenge gegen eines der Stockbetten geprallt war und sich so diese Verletzung zuzog. Er beantragte Freispruch. Dem vermochte das Gericht nicht zu folgen. Klar sei, dass der Angeklagte ein Gewaltproblem habe. Keine der früheren erzieherischen Maßnahmen habe er befolgt, was auch zum Widerruf der Bewährungsstrafe geführt hatte. Er sei nun nach Erwachsenen-Strafrecht zu behandeln. Das Gericht sprach eine Haftstrafe von 18 Monaten aus.

Im Jahre 2017 hatte er zusammen mit zwei anderen einen Jugendlichen geschlagen, im Januar 2018 attackierte er – wiederum mit zwei anderen – ein Mädchen und gemeinsam verprügelten sie dann deren Begleiter. Die Bewährungsauflagen ließen ihn kalt, sodass die Bewährung widerrufen wurde und er im Jugendgefängnis Laufen die Strafe antreten musste. Dort war er jeglicher erzieherischen Einwirkung völlig unzugänglich, sodass er an die Justizvollzugsanstalt für Erwachsene nach Bernau überstellt wurde.

Kommentare