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17-Jährige veröffentlicht erstes Buch trotz großer Konkurrenz

Warum eine Schülerin aus Prien nun ihre eigenen Regionalkrimis schreibt

Mit den „typisch bayerischen“ Kriminalgeschichten kann sie wenig anfangen: die Priener Schülerin Lena Köpl.
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Mit den „typisch bayerischen“ Kriminalgeschichten kann sie wenig anfangen: die Priener Schülerin Lena Köpl.
  • Jens Kirschner
    VonJens Kirschner
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Den Einstieg in die Welt der Krimis fand Lena Köpl mit „Hubert und Staller“. Doch beim Lesen blieb es nicht lange, nun hat die 17-Jährige ihr eigenes Buch veröffentlicht. Denn es gibt etwas, das sie an vielen Regionalkrimis stört.

Prien – Die 17-jährige Lena Köpl mag Krimis, stört sich aber an vielen regionalen Versionen der Geschichten. Zu verspielt, zu verspaßt. Ernst muss es bei der Schülerin zugehen. Auch deswegen, hat sie ihren eigenen Regionalkrimi geschrieben, den nun auch ein Verlag zur Veröffentlichung angenommen hat.

Eines muss man vorwegschicken: Der Titel ihres Erstlingswerks ist für Einheimische vielleicht grammatikalisch nicht ganz korrekt. „Tödlicher Chiemgau“ müsste es eigentlich heißen.

Sei‘s drum: Für die Schülerin ist es ein Erfolg. Denn dass Lena Köpl es in jungen Jahren überhaupt geschafft hat, ihr Buch bei einem Verlag unterzubringen, nötigt Dietlind Pedarnig durchaus einen gewissen Respekt ab. Die Lektorin zeichnet für das Programm beim Münchner Allitera Verlag verantwortlich und spricht nur für den eigenen kleinen Verlag.

Große Konkurrenz im Verlagswesen

Krimis verlegt man dort inzwischen gar nicht mehr. „Die Konkurrenz ist unglaublich groß“, sagt die Germanistin. Anders gesagt: Krimis gebe es wie Sand am Meer. Entsprechend aufwendig sei es inzwischen geworden, Rezensionen für die Kriminalgeschichten zu platzieren, um dem Buch auch die nötige Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Um sich von den klassischen Regionalkrimis abzugrenzen, hat sich Lena Köpl eine Ermittlerin ausgedacht, deren Lebensgeschichte eher ungewöhnlich ist. In ihrem Buch ermittelt Kriminalhauptkommissarin Abby Perez den Mord an einer Konditorin in Prien. Perez hat nicht nur brasilianische Wurzeln, sie arbeitete früher auch beim Militär. Mit ihrer Protagonistin will Lena Köpl auch ein wenig aus dem klassischen Schema vieler bayerischer Regionalkrimis ausbrechen: Zugereister trifft auf den „typischen Bayern“.

Einstieg mit „Hubert und Staller“

„Ich mag es, in andere Welten einzutauchen und auch mal die Perspektive zu wechseln“, beschreibt die Schülerin, warum sie gerne zu Stift und Papier greift, um ihre Ideen niederzuschreiben. Angefangen habe sie mit Kurzgeschichten, bereits damals waren es Krimis. „Ich war schon immer in diesem Genre drin. Ich habe nie was anderes gelesen“, sagt sie. Köpl mag das Rätsel, was hinter den meisten Kriminalgeschichten steht. Die Frage: Wer war der Täter?

Und im gleichen Atemzug gibt die Schülerin zu erkennen, warum sie mit dem „klassischen“ Regionalkrimi nichts anfangen kann. Auch wenn sie mit der Serie „Hubert und Staller“ in Sachen Krimis eingestiegen ist. Aber Lena Köpl mag es lieber ernster. „Die Krimis von Klaus-Peter Wolf finde ich wahnsinnig spannend“, sagt sie, ohne dass sie sich mit dem Autor der Ostfrieslandkrimis vergleichen will.

Lehrer gab den Anstoß

Ohnehin gibt sich die 17-Jährige selbstkritisch: „Ich bin noch immer nicht so weit, dass ich sage, ich schreibe wahnsinnig gut.“ Zum Schreiben gehöre viel Erfahrung, auch Lebenserfahrung, wie sie findet.

Ihr Chiemgau-Krimi war das erste Manuskript, das sie mehrfach überarbeitet, anderen zum Lesen gegeben hatte und schließlich an mehrere Verlage schickte.

Damals war sie 14 Jahre alt. Einer ihrer Lehrer hatte ihr ans Herz gelegt, sich um die Veröffentlichung ihrer Geschichte zu bemühen. Und: „Ich bin tatsächlich öfter weiter gekommen, als ich vermutet hätte“, sagt Lena Köpl. „Ich war nicht so naiv, dass ich gedacht hätte, die nehmen mich jetzt alle.“

Verlag sehr genervt

Bei einem Verlag aus dem Baden-Württembergischen Lagenargen ist die junge Autorin schließlich untergekommen. Über ein Jahr dauerte die Bearbeitung des Manuskripts. Obgleich sie die Anmerkungen aus dem Lektorat in Grenzen gehalten hätten. Im Gegenteil: „Ich denke, ich habe den Verlag doch sehr genervt“, sagt Lena Köpl. Ihr seien noch viele Sachen aufgefallen, die sie heute anders geschrieben hätte. Aber diesen Schuh, dass sie nicht noch einmal gründlicher über das Manuskript geschaut hat, zieht sie sich an.

Geschichte muss stimmig sein

Wobei der sprachliche Feinschliff nur ein Aspekt ist, mit dem sich Lektoren in Buchverlagen beschäftigen. Auch wenn der Text am Ende schön formuliert, flüssig und gut lesbar sein muss: Am Ende gehe es auch darum, dass die Geschichte in sich stimmig ist, wie Lektorin Dietlind Pedarnig schildert: Stimmt der rote Faden? Tauchen Figuren auf und verschwinden wieder, ohne dass es dem Leser erklärt wird?

Ob sich Lena Köpl nach ihrem Abitur am Rosenheimer Sebastian-Finsterwalder-Gymnasium einen Weg als Autorin einschlagen will, lässt die 17-Jährige im Raum stehen. Wohlwissend, dass es inzwischen schwierig geworden ist, seine Brötchen mit Literatur zu verdienen. Als Realistin verfolgt sie derzeit andere Pläne: Sie möchte Rechtsmedizinerin werden.