Aus dem Traunsteiner Schöffengericht

150000 Euro Pachtschulden? Ruhpoldinger Wirt auf der Anklagebank

Ein Wirt muss nicht nur ausschenken können, sondern eben auch sauber Buch führen. Das Thema könnte einem 59-Jährigen, der sich vor dem Amtsgericht Traunstein verantworten muss, zum Verhängnis werden.
+
Ein Wirt muss nicht nur ausschenken können, sondern eben auch sauber Buch führen. Das Thema könnte einem 59-Jährigen, der sich vor dem Amtsgericht Traunstein verantworten muss, zum Verhängnis werden.
  • vonMonika Kretzmer-Diepold
    schließen

Ein 59-jähriger Wirt muss sich aktuell wegen angeblichen Betrugs um die Pacht für ein Lokal in Ruhpolding vor dem Schöffengericht Traunstein verantworten. Vor allem die Buchführung gibt Rätsel auf. Ein Urteil fiel deshalb noch nicht.

Traunstein/Ruhpolding – Es gibt offenbar keine Kontoauszüge, keine Buchungsunterlagen, kaum Quittungen und vorwiegend Barzahlungen an den – zwischenzeitlich verstorbenen – Eigentümer der Immobilie. Der Prozess geht nun am Montag, 21. Dezember 2020, um 11 Uhr mit zusätzlichen Zeugen weiter.

150 000 Euro an Pachtschulden

Im Raum stand zunächst laut Anklage ein Schaden von knapp 280 000 Euro an offenen Pachtbeträgen für die Zeit zwischen Frühjahr 2014 und April 2019. Komplizierte Nachberechnungen des Vorsitzenden erbrachten einen Rückstand bei der Pacht von um die 150 000 Euro. Hinzu kommen weitere Vorwürfe von Staatsanwalt Daniel Musin wie hohe Privatentnahmen, illusorische Schuldanerkenntnisse, unbeglichene Lieferantenrechnungen und unberechtigtes Verwenden einer fremden Bankkarte. Die Anklageschrift umfasst dreifachen gewerbsmäßigen Betrug, acht Fälle der gewerbsmäßigen Untreue und einen Computerbetrug.

Angeklagter berichtet von mündlichen Absprachen mit dem Eigentümer

Der 59-Jährige wies die Vorwürfe großenteils zurück – vor allem unter Bezug auf mündliche Absprachen mit dem damaligen Eigentümer der Gastroimmobilie. Dieser habe gesagt, er solle „nach Kräften“ Pacht bezahlen, habe nicht auf der vertraglich vereinbarten Pachthöhe bestanden und sei einverstanden gewesen, Kosten für Renovierung und Ausstattung mit der Pacht zu verrechnen. Der Eigner soll Barbeträge regelmäßig persönlich in der Gaststätte in Empfang genommen haben. Manchmal soll ihm die Pacht nach Traunstein gebracht worden sein, natürlich auch in Form von Bargeld. Ergänzende mündliche Vereinbarungen mit dem Eigentümer bestätigte die bisherige Beweisaufnahme jedoch nur unzureichend, wie der Richter feststellte. Für seine Darstellung will der Angeklagte noch Zeugen präsentieren. Einer weilt allerdings unerreichbar im Ausland. Von einem anderen hatte er keine Ladungsadresse.

OVB-Leser zeigen Herz – helfen Sie schwerstbehinderten Kindern aus der Region mit unserer Weihnachtsspendenaktion 2020

Zeuge weiß von Absprachen nichts

Am ersten Verhandlungstag hatte die Tochter des verstorbenen Eigentümers erklärt, ihr Vater habe grundsätzlich alles schriftlich fixiert. Ähnlich äußerte sich ihr Ehemann. Er habe den Schwiegervater häufig in das Lokal des Angeklagten begleitet, sei auch bei der Vertragsunterzeichnung anwesend gewesen. An Gespräche über eine Renovierung erinnere er sich nicht, meinte der Zeuge. Eine Stundung der Pacht sei ihm nicht bekannt. Der 53-Jährige schränkte jedoch ein, er habe nicht an allen Gesprächen teilgenommen, könne aber auch nicht ausschließen, dass es solche Gespräche gegeben habe.

Besitzer wollte dem Wirt Chance geben

Auf Frage von Richter Thilo Schmidt erwiderte der Zeuge, die Gaststätte sei mal besser, mal schlechter gelaufen. Warum man den von Beginn an säumigen Zahler nicht früher die Tür gesetzt habe, wollte der Vorsitzende wissen. Dazu der 53-Jährige: „Man dachte, das Geschäft stabilisiert sich. Wir wollten ihm eine Chance geben.“ Der Zeuge fand es „nicht gut“, dass der Angeklagte ein ihm wichtiges Gespräch ohne sein Wissen mit dem Handy aufgezeichnet hatte. Was der Mitschnitt enthält – das wird sich am nächsten Verhandlungstag zeigen.

Kommentare