100-Tage-Fazit von Priens neuem Bürgermeister Andreas Friedrich: „Ich bin nach wie vor tiefenentspannt“

Andreas Friedrich am Schreibtisch im Bürgermeisterbüro des Rathauses. Berger
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Andreas Friedrich am Schreibtisch im Bürgermeisterbüro des Rathauses. Berger

Als Andreas Friedrich (ÜWG) am 1. Mai aufgewacht ist, war er zwar offiziell neuer Priener Bürgermeister. Aber ein richtiges „Bürgermeister-Feeling“ wollte da noch nicht aufkommen, erinnert er sich im 100-Tage-Exklusiv-Interview mit der Chiemgau-Zeitung.

Von Dirk Breitfuß

Prien –Am 1. Mai, seinem Amtsantritt, war Lockdown, es gab keinen neuen Maibaum, nicht mal der Tanz um den Maibaum war erlaubt. Da fehlte doch was. Er hätte gern das erste Fässchen angezapft.

Die Gelegenheit dazu gab es immer noch nicht, aber der 32-Jährige ist nach gut drei Monaten im neuen Amt angekommen. Er war ja auch schon richtig gefordert, sogar in Doppelfunktion. Als aktiver Feuerwehrler waren der Orkan vom letzten Juniwochenende mit schweren Schäden und das Hochwasser vom 4. August sicher die bisher anstrengendsten Arbeitstage.

„Die erste Euphorie ist verflogen, nicht aber die Begeisterung“

Trotzdem: „Ich bin nach wie vor tiefenentspannt. Die erste Euphorie ist verflogen, nicht aber die Begeisterung für dieses tolle Amt“, versichert Friedrich.

„Nach der Wahl war ich natürlich extrem erleichtert, dass es geklappt hat. Die zwei Wochen zwischen Wahl und Stichwahl waren schon stressig. Es gab ja eine Wahlempfehlung einer Partei, von der man nicht unbedingt empfohlen werden möchte und wo man kurzfristig reagieren musste.“

Im Rückblick distanziert sich der 32-Jährige auch von Kommentaren im Internet aus seinem eigenen Lager gegenüber seiner Mitbewerberin Annette Resch (CSU), „die ich so nicht getätigt hätte“.

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Jeden Tag kommen jetzt zahlreiche Bürger, die Projekte und Ideen vorstellen, aber auch ihr Leid klagen, zu ihm ins Bürgermeisterbüro im ersten Stock des Rathauses. „Ich lasse jeden kommen, der ein Anliegen hat. Ich lehne Terminanfragen nicht kategorisch ab, sondern höre mir offen die Geschichten an. Ich mache mir selber ein Bild.“ Wenn etwas mal nicht realisierbar sei, müsse man es den Betroffenen erklären können, weiß er.

Mit einer Kandidatur für das höchste Amt in seiner Heimatgemeinde hatte Friedrich schon 2014 geliebäugelt. Aber dann hatte er als damaliger Leiter des Ordnungsamtes seinem Vorgänger und Chef Jürgen Seifert (parteilos) in die Hand versprochen, nicht gegen ihn anzutreten. Als Seifert im Herbst 2019 überraschend seinen Verzicht erklärte, dachten sich Friedrich und die ÜWG: „Jetzt oder nie.“ Fast über Nacht gab der 32-Jährige dann seine Kandidatur bekannt.

Sein völliger Rollenwechsel vom Kollegen und Personalratsvorsitzenden, der die Interessen der Mitarbeiter gegenüber dem Bürgermeister vertreten hat, auf den Chefsessel sei ihm leicht gefallen, versichert der gelernte Verwaltungsfachwirt. „Sämtliche Bedenken waren nach der ersten Woche wie weggeblasen. Ich werde als Chef akzeptiert. Wenn ich sag, ich möchte eine gewisse Linie fahren, dann ist das so.“ Die Mitarbeiter seien ihm gegenüber weiterhin sehr offen. „Das freut mich sehr.“ Das gewohnte Du im Umgang hat er beibehalten.

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Nach seiner Einschätzung ist der neuformierte Marktgemeinderat trotz der personellen Zäsur – 15 der 25 Räte sind neu im Gremium – schon so weit, dass er auch weitreichende strategische Themen konstruktiv angehen kann. Als Beispiel nennt er den jüngsten Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan Griesbrücke zum Schutz des Ortskerns. „Das Gremium ist auf einem guten Weg, von Sitzung zu Sitzung werden auch die Neuen offener, es macht Spaß. Von politischem Konkurrenzdenken hab ich bis jetzt nichts großartig gespürt.“

„Herausforderungen sind dazu da, sie zu meistern“

Corona und die Folgen, vor allem wegbrechende Einnahmen für die Kommune, schrecken Friedrich nicht. „Herausforderungen sind dazu da, sie zu meistern.“ Er weiß, dass Probleme auf Prien zukommen, die sich aber jetzt noch nicht in Zahlen messen ließen. „Was man jetzt schon sagen kann: Die Beteiligung an der Einkommensteuer ist im zweiten Quartal im Vergleich zum ersten um 380 000 Euro deutlich zurückgegangen.“ Bei der Gewerbesteuer rechnet Friedrich mit Auswirkungen im nächsten und übernächsten Jahr.

Der Bürgermeister freut sich darauf, wenn sich die Lage soweit normalisiert, dass auch wieder mehr Veranstaltungen stattfinden, auch wenn er dann viele Verpflichtungen hat. Für ihn gehört das Repräsentative zum Amt. Ende August wird er sich auch davon erstmals eine einwöchige Auszeit gönnen. Dann wird Zweiter Bürgermeister Michael Anner zum ersten Mal auf dem Chefsessel Platz nehmen. Anner (CSU), ebenfalls neu in diesem Amt, findet die Zusammenarbeit mit Friedrich sehr „vertrauensvoll, ich fühle mich gut mitgenommen. Er nimmt auch Anregungen auf und seine Tür ist immer offen.“ Anner empfindet das Miteinander als „gute Teamarbeit, es macht Spaß.“

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