FEST ABGESAGT

100 Jahre Trachtenverein Hittenkirchen: Eine Geschichte mit Höhen und Tiefen

Die lange Tradition der Hittenkirchner Trachtler steht auf zukunftsfähigen Beinen, die Kinder sind mit Eifer dabei, wie hier beim Auftanz bei einer Veranstaltung vor Corona zu sehen ist. Hötzelsperger
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Die lange Tradition der Hittenkirchner Trachtler steht auf zukunftsfähigen Beinen, die Kinder sind mit Eifer dabei, wie hier beim Auftanz bei einer Veranstaltung vor Corona zu sehen ist. Hötzelsperger
  • Anton Hötzelsperger
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100 Jahre alt wird in diesem Jahr der Chiemgauer Trachtenverein „Almarausch“ Hittenkirchen, ein guter Grund in die Vereinsgeschichte zu blicken.

Hittenkirchen – Neun junge Männer, bestehend aus Arbeitern, Knechten und Bauernsöhnen, haben sich laut Vereinschronik im Jahr 1921 im Gasthof Hittenkirchen zusammengetan, um den Trachtenverein zu gründen.

Das Vereinsleben florierte ab Beginn

Bereits im gleichen Jahr schloss der Verein sich dem Gauverband I an. 1923 konnte die erste Fahne nach einem Entwurf des Hittenkirchener Kunstmalers Franz Lechner durch einen Priester des Kapuzinerklosters Salzburg geweiht werden. Bis zu den Kriegsjahren florierte das Vereinsleben mit über 50 aktiven und passiven Mitgliedern. Nach der mehrjährigen Zwangspause infolge des Krieges, konnte schon im Herbst 1945 die Vereinsaktivitäten aufgenommen werden. 1946 wechselte der Verein zum Chiemgau-Alpenverband.

Vorstand Christoph Kaufmann war die treibende Kraft für den Bau des Trachtenheimes.

In den 70er Jahren eine Jugendgruppe gegründet

In den darauffolgenden Jahren gestaltete sich das Vereinsleben zunehmend schwierig, da der Verein keine Räume für Proben und Auftritte hatte. Zu Beginn der 70er Jahre änderte sich das mit der Fertigstellung des Hittenkirchener Pfarr- und Jugendheimes. So war es erstmals möglich, eine aktive Jugendgruppe aufzubauen.

Mit viel Eigenleistung ein neues Trachtenheim gebaut

1973 wurde durch Pfarrer Viktor Gallmann die neue Fahne geweiht, die nach Entwürfen von Schorsch Plank aus Hittenkirchen angefertigt wurde. Wie bei der ersten Fahnenweihe übernahm der Trachtenverein „Staffelstoana“ Bernau die Patenschaft. Unter großer Eigenleistung und Eigenregie konnte 1975 der erste Bauabschnitt und neun Jahre später der zweite Bauabschnitt des Trachtenheimes mit etwa 180 Sitzplätzen fertiggestellt werden. Die treibende Kraft hinter dem Bau und Betrieb des Heimes war hierbei der langjährige Vorstand Christian Kaufmann, der 2017 starb.

Mangels Vereinsheim plattelten die Burschen früher noch auf der Wiese.

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Die große Tanzfläche des Heimes führte dazu, dass das Trachtenheim als „Volkstanzhochburg“ für viele Tanzveranstaltungen zur Verfügung stand und steht. Besonders erwähnenswert sind dabei der alljährliche Volkstanzkurs für Jugendliche, der Bartholomäus-Kirtatanz im August sowie das Weiber- und Dirndlkranzl im Fasching, die beliebt und auch außerhalb der Region bekannt sind. Seit etwa 15 Jahren gibt es im Trachtenheim zudem Aufführungen der eigens gegründeten Theatergruppe, welcher besonders viele Besucherzustimmungen finden.

Beim Staatsempfang anlässlich der Olympischen Spiele im Jahr 1972

Bei vielen großen und besonderen Trachtenfesten und Festlichkeiten waren Hittenkirchener Vereinsmitglieder dabei. Darunter fällt der große Trachtenaufmarsch 1930 in Rosenheim, der große Staatsempfang mit sechs Tanzpaaren 1972 im Rahmen der Olympischen Spiele, das Jubiläumsfest 1983 der „Vereinigten Bayerischen Trachtenverbände“ in München und das Tiroler Landestrachtenfest 1988.

Mehrmals Ausrichter des Gaufestes

Der Trachtenverein Hittenkirchen feierte in seiner Vereinsgeschichte schon mehrmals selbst. In den Jahre 1952, 1971, 1986 und zuletzt 2011 war es im Rahmen von Gründungsjubiläums-Festen Ausrichter des Gaufestes des Chiemgau-Alpenverbandes.

Der noch junge Verein bei der Fahnenweihe im Jahr 1923.

Das große Jubiläumsfest zusammen mit der Feuerwehr ist für heuer abgesagt

Auch für heuer wäre ein großes Fest geplant gewesen, welches der Verein zusammen mit der örtlichen Feuerwehr, die in diesem Jahr den 150. Geburtstag feiert, ausgerichtet hätte. Aufgrund der sich abzeichnenden Lage mit länger währenden Corona-Beschränkungen, wurde das Fest bereits abgesagt. Ob und wann die Festlichkeiten nachgeholt werden, ist derzeit nicht vorhersagbar.

Freundschaften im In- und Ausland

Der Trachtenverein Hittenkirchen pflegt neben den Patenschaften innerhalb des Gaues auch Verbindungen nach außen. Seit 1961 und damit seit 60 Jahren gibt es regen Kontakt und Freundschaft mit dem „Volkstrachten- und Heimatverein Bräunlingen im Schwarzwald“. Im fünfjährigen wechselseitigen Turnus finden gegenseitige Besuche statt, zuletzt 2016, als eine Schar Hittenkirchener Mitglieder Bräunlingen während ihres Straßenfestes besuchte.

Für heuer wäre ein Gegenbesuch geplant, aufgrund der unsicheren Gegebenheiten steht noch kein Termin fest. Neben Bräunlingen gibt es seit 1976 mit dem Volkstanz- und Trachtenverein Neudau (Oststeiermark) und dem Verein „Die Bürgerwehr Cochem/Mosel“ kameradschaftlichen Kontakt mit gelegentlichen Vereinsbesuchen. Des Weiteren ist „Almarausch“ Hittenkirchen mit dem Trachten- und Heimatverein „Die Beeckshepers“ in Scheesel (Niedersachsen) befreundet.

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