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IM GESPRÄCH MIT DER OVB-REDAKTION

Blick in die Welt der Parallelen

Daniel Artmann will im Wahlkampf auch viel über Generationengerechtigkeit reden.
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Daniel Artmann will im Wahlkampf auch viel über Generationengerechtigkeit reden.

Rosenheim – Es ist eine Parallele, der durchaus ein Hauch von Raritäten-Charakter zu eigen ist.

29 Jahre alt, bereits kommunalpolitische Erfahrung gesammelt, Spitzenkandidatin der Jungen Union in Oberbayern, offizielle Zweitstimmen-Bewerberin auf der CSU-Liste für den Landkreis Rosenheim. So stellte sich die Ausgangssituation für Ilse Aigner im Frühjahr 1994 dar, als sie erstmals den Einzug in den Bayerischen Landtag anzustreben begann. Ein Unterfangen, das ihr im Herbst desselben Jahres dank genügend Wählerstimmen im Rücken gelang und den Anfang ihrer überregionalen Politkarriere bildete. Höhen und Tiefen blieben nicht aus, dennoch: Ilse Aigner gehört heute zu den Mächtigen in der CSU und im Freistaat. Stellvertretende Ministerpräsidentin, Chefin des kürzlich neu geschaffenen Mammut-Ministeriums für Wohnen, Bau und Verkehr, an der Spitze des in der Partei besonders einflussreichen Bezirksverbandes Oberbayern. An Aigner führt so leicht kein Weg vorbei, wenn es um politische Weichenstellungen in der CSU und im Freistaat geht – auch wenn der Ministerpräsident seit Kurzem Markus Söder heißt und die 53-jährige Feldkirchnerin wohl nichts dagegen gehabt hätte, läge die Bürde dieses Amtes als Nachfolgerin von Horst Seehofer jetzt auf ihren Schultern.

Auf Augenhöhe mit Platzhirschen

Es ist sicher nicht nur der Blick auf ihre eigene Vita, warum sie sich im Redaktionsgespräch bei einer Tasse Cappuccino an einem sonnigen Morgen in einem Café in der Rosenheimer Fußgängerzone für Daniel Artmann stark macht, der bei der Wahl im Herbst den Einzug ins Maximilianeum schaffen möchte. „Der Daniel hat das Zeug dazu“, sagt sie ohne Zögern. Gut gerüstet für das Ausüben eines Abgeordnetenmandats fühlt sich der bald 30-jährige Bundeswahlkreisgeschäftsführer der CSU für die Kreisverbände Rosenheim Stadt und Land allemal. Nicht nur deshalb, weil er längst offen als eines der größten Nachwuchstalente seiner Partei in der Region gehandelt wird. Nicht nur Aigner, sondern viele Freunde in der CSU bestätigen Artmann ohne Zögern ausreichend Kompetenz und Führungsqualitäten, die ihn für höhere Aufgaben prädestinieren. „Der steht locker auf Augenhöhe mit so manchem Platzhirsch“, sagte kürzlich ein CSU-Insider, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, in einem Hintergrundgespräch mit der Redaktion.

Die Ministerin betont auch heute noch, welch wichtiges Fundament ihre berufliche Ausbildung zur Radio- und Fernsehtechnikerin nach dem Realschulabschluss für ihre spätere politische Karriere war. Auch Artmann will auf keinen Fall nur über seine Jugend und das Spitzenamt in der Jungen Union definiert werden. Es sind sein Bachelorstudium „Internationale Wirtschaft und Management“, sein Masterstudium „Unternehmensrestrukturierung und -sanierung“ und die Aufgaben im Rahmen seiner Geschäftsführer-Tätigkeit, die er anführt, wenn er über Eignungsnachweise für seine Kandidatur spricht.

Ob das Unternehmen Landtagskandidatur wie bei ihr im ersten Anlauf erfolgreich für ihn endet, weiß er nicht. Hierfür kämpfen will der junge Familienvater jedenfalls mit ganzer Kraft – und er kann dabei nicht nur auf die volle Rückendeckung der Ministerin bauen. „Ich fühle mich von vielen Seiten gut unterstützt“, sagt Daniel Artmann. Da ist das Netzwerk von rund 6500 Mitgliedern der Jungen Union in Oberbayern, die hinter ihrem Spitzenkandidaten stehen; da sind die Landtagsabgeordneten Otto Lederer und Klaus Stöttner, die ihm mit Rat und Tat zur Seite stehen; da ist das Vertrauen, das er bei der stellvertretenden CSU-Generalsekretärin Daniela Ludwig genießt; da ist der gute Ruf, den er sich längst bei vielen Kommunalpolitikern in seiner Heimat erworben hat; da sind nicht zuletzt die guten Drähte, die Artmann zu vielen Mitgliedern der Staatsregierung und zu wichtigen Repräsentanten des öffentlichen Lebens in der Region hat. Und da ist seine Frau Annette, mit der er sich häufig und offen über seine politische Arbeit austauscht. „Ein wertvoller Ratgeber und nötigenfalls auch ein wichtiges Korrektiv“, sagt der CSU-Bewerber.

1994 lag CSU bei 38 Prozent

Ein Selbstläufer ist die Kandidatur beileibe nicht, auch wenn Artmann auf dem aussichtsreichen Listenplatz neun antritt und vor ihm Parteifreunde sind, die durchaus ein Direktmandat holen können. „Es wird entscheidend darauf ankommen, wie viele Mandatsträger über die Oberbayern-Liste in den Landtag einziehen“, sagt Ilse Aigner. Auch wenn es alles andere als sicher ist, dass die Wähler im Freistaat die CSU erneut mit einer absoluten Mehrheit der Mandate ausstatten: Ilse Aigner glaubt, dass Artmanns Ausgangsposition eher besser ist als ihre eigene 1994 war. „Damals lag die CSU nach der Amigo-Affäre in Umfragen bei 38 Prozent“, erinnert sich die Bezirksvorsitzende.

Werde er gewählt, bleibe er selbstverständlich die gesamte Amtsperiode Abgeordneter, verspricht der JU-Bezirksvorsitzende. Eine Aussage, die er nicht zuletzt vor dem Hintergrund seit Monaten andauernder parteiinterner Spekulationen trifft, die ihn neben zwei anderen CSU-Bewerbern ein Interesse an der Nachfolge von Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer zuschreiben. Als Stadtrat in Rosenheim hat sich Artmann binnen kurzer Zeit bereits profiliert.

Geschlossenheit in den eigenen Reihen, ein klar strukturiertes Wertefundament, ehrliche politische Aussagen und transparentes Handeln: Artmann und Aigner stimmen überein, dass dies wesentliche Säulen sind, wenn die CSU Erfolg bei der Landtagswahl haben will. „Wir haben uns sehr offen ausgetauscht. Es passt alles.“ Mehr sagt Aigner nicht mehr zu dem monatelangen Tauziehen in der Partei um die Nachfolge von Horst Seehofer, richtet den Blick lieber nach vorne und kommt auf die großen politischen He rausforderungen zu sprechen, die Deutschland und Bayern meistern müssen. Ihr neues Ministerium aufzubauen, sei derzeit eine ganz besondere für sie. Auch wenn das Haus teilweise noch eine Baustelle ist und sie zunächst beim Führungspersonal entscheidende personelle Weichenstellungen vornehmen musste, hat sie die Herausforderung gerne angenommen. „Wohnen und Bauen sind nicht nur bei uns in Oberbayern zentrale Themen. Der Ministerpräsident wollte, dass sich jemand mit Erfahrung dieses Komplexes annimmt.“ Markus Söder habe ihr Haus gut mit Mitteln ausgestattet, die Zusammenarbeit mit ihm sei reibungslos, sagt Aigner. Deshalb habe sie gar nicht lange nachgedacht, als ihr Söder dieses Ministerium angeboten habe.

Der bevorstehende Wahlkampf zwingt Aigner und Artmann dagegen immer wieder neu zum Nachdenken. Bezahlbarer Wohnraum, der digitale Wandel, Innere Sicherheit, soziale Fragen und die Entlastung des Mittelstandes sind zentrale Themen, bei denen sich die CSU ihrer Meinung nach klar positionieren muss.

Der JU-Bezirksvorsitzende schielt mit Blick auf sein Alter nicht nur auf jüngere Wähler, er will auch bei der Generation 60 plus punkten. „Die ist politisch unglaublich interessiert“, sagt Artmann. Mit Jung und Alt will er bei seinen Veranstaltungen unter anderem auch über Generationengerechtigkeit diskutieren. „Die Gefahr von Altersarmut ist für meine Generation größer als das bisher der Fall war“, sagt Artmann. Vor diesem Hintergrund müsse seiner Meinung nach beispielsweise auch die Diskussion um die Zukunft der Rente geführt werden. „Ich bin für eine Mindestrente, die zehn Prozent höher ist als die Auszahlung für Menschen, die nur in der sozialen Hängematte waren“, sagt er.

Was passiert, wenn es am Ende nicht zu einer absoluten Mehrheit reichen sollte, daran verschwenden der aktuelle Bezirksvorsitzende und die ehemalige JU-Chefin von Oberbayern im Moment keine Gedanken. „Wir kämpfen um jede Stimme“, sagt Aigner. Für den Fall, dass eine Koalitionsbildung erforderlich wird, ist ihr eines wichtig. „Wir wollen nach der Landtagswahl auf keinen Fall Berliner Verhältnisse“, sagt sie mit Blick auf die zähen Koalitionsverhandlungen nach der Bundestagswahl im Vorjahr.

Spontanes Lehrbeispiel

Was rät die erfahrene Ministerin Daniel Artmann für seinen Wahlkampf? „Wir Politiker sind Dienstleister. Es ist entscheidend, wie wir mit Menschen umgehen. Wir müssen raus zu ihnen. Da hat Daniel Artmann bisher alles richtig gemacht“, sagt Aigner.

Dann liefert sie ihrem jungen Parteifreund fast postwendend ein spontanes Lehrbeispiel, wie es ein Regisseur nicht besser in ein Stück einbauen hätte können. „Hallo Gerhard“ , ruft die Ministerin und springt auf, als sie ein etwas ungläubiger Blick eines vorbeigehenden Passanten trifft. Aigners herzliche Begrüßung, kombiniert mit einem kurzen Plausch, galt Gerhard Eichhorn und seiner Frau Rita. Er stand zu Zeiten an der Spitze des RSV Götting, als sie aktiv Radsport betrieb und oberbayerische Vizemeisterin im Rennradfahren war.

Sportlich ist die Ministerin heute noch, auch wenn die Zeit für Radeln, Skifahren oder Berggehen knapp ist. Selbst wenn sich das private Zweirad-Vergnügen aufgrund des Wahljahres heuer im schlimmsten Fall auf den Startschuss zur Eröffnung der traditionellen BR-Radl tour beschränken könnte, den sie gibt: Hilfreich war die Zeit bei den Göttinger Radsportlern für Ilse Aigner allemal. Sie lernte bereits damals, sich abzustrampeln.

Als erfolgreicher Radsportler hat Artmann zwar bisher nicht von sich reden gemacht, im übertragenen Sinn will er aber künftig gerne noch kräftiger in die Pedale treten. Wenn sie es auch gern täte, den Startschuss hierfür kann Ilse Aigner im Gegensatz zur Radltour nicht geben. Der muss vom Wähler kommen. Um den zu überzeugen, dafür wird Artmann in den kommenden Monaten reichlich strampeln.

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