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FREE-SOLO-HIGHLINER „FRIEDI“ KÜHNE AUS BAD AIBLING ÜBERTRIFFT EIGENEN WELTREKORD

Balanceakt in 200 Metern Höhe

Weltrekordhalter: Friedrich Kühne.
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Weltrekordhalter: Friedrich Kühne.

Free Solo - für die einen ist es Freiheit pur, für die anderen lebensmüder Wahnsinn. Der Profi-Slackliner Friedrich Kühne (27) aus Bad Aibling hat jetzt als erster Mensch im französischen Verdon eine 110 Meter lange Highline ohne Sicherung überquert – und übertraf damit seinen eigenen Weltrekord vom vorigen Jahr um 38 Meter.

Bad Aibling/Verdon – Nur sehr wenige Menschen auf der Welt betreiben das Free- Solo-Highlinen, das ein extrem hohes Maß an Vorbereitung, Körperbeherrschung und Selbstvertrauen erfordert. Einer davon ist „Friedi“ Kühne, der sich Mitte September mit einigen Freunden auf den Weg zur Verdonschlucht in Südfrankreich, einer der beliebtesten High-line- und Kletterspots in Europa, gemacht hat. Die 700 Meter tiefe, auch als „Grand Canyon du Verdon“ bekannte Schlucht bietet senkrechte und teils überhängende glatte Felswände.

Nach drei Tagen intensivster Vorbereitung und zahlreichen gesicherten Begehungen der 110 Meter langen Line wagte sich der Profi-Slackliner dann zum ersten Mal komplett ungesichert auf die Line. Innerhalb von knapp zehn Minuten balancierte der 27-Jährige über die volle Strecke von 110 Metern und brach damit seinen eigenen Weltrekord, den er im vergangenen Jahr in Kanada aufgestellt hatte.

Das Gefühl und die Gedanken während eines solchen ungesicherten Balanceakts in 200 Metern Höhe ließen sich nur schwer in Wort fassen, erklärt Kühne. „Es ist ein bisschen wie das bekannte Vertrauensspiel: Man stellt sich mit geschlossenen Augen vor einen Freund und lässt sich einfach rückwärts fallen, in dem vollen Vertrauen, dass der andere einen auffängt. Nur dass man dieses Spiel beim Free-Solo-Highlinen eben mit sich selber spielt und nicht mit ei-ner zweiten Person.“ Auch das Risiko sieht der studierte Mathematiker als kalkulierbar: „Ein Sturz auf einer Highline bedeutet nicht sofort einen Sturz in die Tiefe. Geübte Slackliner fangen sich bei einem Verlust des Gleichgewichts sofort an der Slackline und umklammern diese mit Armen und Beinen. Dieser sogenannte ,Catch-Reflex‘ ist bei mir voll ausgeprägt. Wenn ich auf einer Highline völlig konzentriert balanciere, passiert es ei-gentlich nie, dass ich in die Sicherung stürze.“

In Verdon hat er sich Gott sei Dank nicht verkalkuliert. „Ich bin die Line ungefähr zehnmal mit Sicherung hin- und hergelaufen, ohne ein einziges Mal zu stürzen. Erst als ich mit den Bewegungen und Eigenheiten dieser Line zu 100 Prozent vertraut war, legte ich die Sicherung ab.“ Denn für Kühne ist Free-So lo-Highlinen Perfektion: „Es muss alles passen: der Ort, meine körperliche Verfassung und Stimmung an dem Tag, die Leute, die dabei sind und zusehen.“ Sehr wichtig ist ihm auch, dass auf beiden Seiten der Highline Menschen sind, denen er vertraut und die etwaige Wanderer davon abhalten, der Slack line zu nahezukommen, während er ohne Sicherung unterwegs ist. „Hier in Verdon war all dies gegeben.“

Dennoch forderte ihm die 110 Meter lange Line körperlich und mental deutlich mehr ab, als alle vorherigen ungesicherten Begehungen. „Vor allem auf den letzten Metern lief mir der Schweiß über das Gesicht und ich musste mich unglaublich stark konzentrieren, um nicht nervös zu werden, mich krampfhaft oder zu schnell zu bewegen.“ Immer wieder musste er sich sagen: „Du hast die Kontrolle über das Band, du hast das tausende Male gemacht, du kannst jederzeit catchen.“ Er durfte zudem keine Angst aufsteigen lassen. „Denn Angst führt zu Anspannung, und Anspannung und Slack linen sind unvereinbar.“ Unglaublich glücklich und voll positiver Energie sei er am anderen Ende angekommen: „Nach einem solchen Vertrauensbeweis an sich selber hat man das Gefühl, nichts auf der Welt ist unmöglich.“

Mit Free Solo, sagt Friedrich Kühne, soll es das aber erst einmal gewesen sein. Nachdem er im Sommer sein Studium, Mathematik und Englisch für das gymnasiale Lehramt, mit dem ersten Staatsexamen beendet hat, zieht es ihn in die Ferne zu einem Slackline-Roadtrip durch den Süden der USA, mit spektakulären Highlines in der Wüste Nevadas, Utahs und Arizonas.

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