Warum man in der Bücherei Feldkirchen-Westerham an Kuchen denkt

Maria Lettenmayr und Oswald Passauer vor einem Teil der Medien –insgesamt gibt es 29000. Beide sind bei der Bücherei in Feldkirchen ehrenamtlich tätig – jetzt in Corona-Zeiten tragen sie natürlich in der Bücherei Mund- Nasen-Schutz.
+
Maria Lettenmayr und Oswald Passauer vor einem Teil der Medien –insgesamt gibt es 29000. Beide sind bei der Bücherei in Feldkirchen ehrenamtlich tätig – jetzt in Corona-Zeiten tragen sie natürlich in der Bücherei Mund- Nasen-Schutz.

Was wird es werden? Nuss-, Eierlikör- oder Käsekuchen?

Feldkirchen-Westerham – Wenn der Westerhamer Oswald Passauer (70) der Kuchenbeauftragte der ehrenamtlichen Bücherei-Runde ist, bringt er Käsekuchen mit – „mein Lieblingskuchen“, sagt er und lacht. In den letzten Wochen war es allerdings anders: Da mussten die ehrenamtlichen Bücherei-Helfer auf die Kuchenrunde verzichten. Aber jetzt, im Rahmen der Corona-Lockerungen, denken sie schon langsam wieder über Kuchen nach. Passauer ist einer von 65 ehrenamtlichen Helfern der Gemeindebücherei. Er gehört dem Donnerstagsteam an,  von 16 bis 19 Uhr stehen er und derzeit weitere drei Helfer den Lesern mit Rat und Tat zur Seite.

Als Schüler imHaus gespielt

Passauer kennt das Petzinger-Haus, in dem seit 30 Jahren die Bücherei untergebracht ist, seit rund 55 Jahren. Auch von innen. Denn in dem Gebäude hat sein Schulfreund Raimund gewohnt – lange ist das her. Aber das Gebäude hat an Charme und Gemütlichkeit nichts eingebüßt.

Passauer ist seit 2013 als ehrenamtlicher Helfer aktiv. „Als ich in Rente ging, wollte ich was machen. Und zwar mit Menschen.“ Er kannte bereits einige, die bei der Bücherei aktiv waren und so schaute er jeden Tag herein – und ist bei der Donnerstagsgruppe hängengeblieben –  der Kuchengruppe. Aber er springt auch ein, wenn Not am Mann ist. „Klar, ich helfe gerne mit. Es ist Freude, keine Arbeit.“

Das ergeht Maria Lettenmayr (68) aus Feldolling auch so – ebenfalls eine ehrenamtliche Helferin am Donnerstag – und manchmal montags. Die 68-Jährige ist seit 1992 dabei. Ihre Motivation? „Ich wollte eigentlich Bibliothekarin werden.“ Vor knapp 30 Jahren hat sie ihre Kinder oft mitgenommen, die haben dann in der Bücherei Kassetten gehört.

Die gibt es schon lange nicht mehr – dafür CDs, DVDs und Co. Immer wenn die zurückgegeben werden, kontrolliert das Team alles. Die Inhalte werden herausgenommen und die Hüllen in den Raum unters Dach gebracht. „Bibi Blocksberg“, „Drei ???“. Möchte jemand sie ausleihen, werden CDs und DVDs unten am Em pfang hineingelegt. Jeder Helfer ist übrigens für alles und jeden zuständig.

Viele Leser fragen oft, wie und wann es weitergeht. Wie der Umbau jetzt vonstatten geht – das wird seit Jahren im Gemeinderat diskutiert, wurde 2019 vorerst auf Eis gelegt und jetzt im Gemeinderat neu aufgerollt. „Wir hoffen, dass es bald losgeht“, so Passauer.

Sind besondere Ereignisse im Gedächtnis geblieben? Passauer erinnert sich gerne an eine Schülerin, die ein Referat über die Olympischen Spiele 1936 halten sollte: „Wir können ja Bücher aus ganz Deutschland bestellen – aber bis sie da sind, dauert es.“ Das Referat musste allerdings eine Woche später fertig sein. Lettenmayr lacht: „Ja, auf den letzten Drücker kam die Schülerin. Aber wir konnten ihr helfen.“

Alle Mitarbeiter überlegten und einer sagte, dass er zu Hause ein Buch übers Thema habe. Also brachte er es der Schülerin mit. „Ja, wir sind für die Besucher da.“ Stimmt – das sind sie. Kinder spielen, schauen Bücher an. Mama ist im Raum nebenan. Eine große Familie ist das.

Und Lettenmayr erzählt, dass einige Leser auch mal etwas Süßes mitbringen – als Dankeschön. „Das ist wirklich so nett“, sagt sie.

Aktion sei Dank:Das Kind liest

Gerne erinnert sich Pass auer an die Oster-Aktion. In den Wochen vor dem Fest verstecken die Mitarbeiter jeden Tag ein Buch. Wer es findet, darf es behalten. Vor Jahren hat ein Junge ein Buch gefunden und sich sehr gefreut. Obwohl er laut seiner Mutter „gar nicht liest“. Daraufhin forderte die Mutter, dass er das Buch seiner Schwester geben sollte. Aber er weigerte sich, las es durch und Wochen später kam seine Mutter und sagte: „Er liest – endlich!“

Bücher stapeln sich auch zu Hause bei Passauer und Lettenmayr. Sie kommen auf drei bis vier Bücher im Monat. Sie leihen sich die Bücher aus – nach der ehrenamtlichen Tätigkeit. Danach gibt es normalerweise Kuchen – „vorher nicht“, sagen beide und lachen.

Und welcher es ist, ist immer eine Überraschung. Außer bei Passauer, der bringt seinen Lieblingskuchen mit.

Kommentare