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Das ist die Begründung - besteht noch Hoffnung?

Großkarolinenfeld blitzt bei Bahn ab: Barrierefreier Bahnhof gescheitert

Steile Treppen führen zu dem Durchgang unter den Gleisen im Großkarolinenfelder Bahnhof. Für Rollstuhlfahrer unmöglich zu navigieren, für jeden Fahrgast mit Rollator oder Krücken zumindest schwierig.
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Steile Treppen führen zu dem Durchgang unter den Gleisen im Großkarolinenfelder Bahnhof. Für Rollstuhlfahrer unmöglich zu navigieren, für jeden Fahrgast mit Rollator oder Krücken zumindest schwierig.
  • Sylvia Hampel
    VonSylvia Hampel
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„Nicht unter 1000 Reisenden täglich“. Damit lehnt die Bahn eine barrierefreie Unterführung unter den Gleisen des Großkarolinenfelder Bahnhofs ab. Für Rollstuhlfahrer bedeutet das einen Umweg von knapp einem Kilometer.

Großkarolinenfeld – Das Thema Barrierefreiheit am Bahnhof beschäftigt die Gemeinde schon seit Langem. Denn gleich, ob von und nach Rosenheim oder von und nach München: Rollstuhlfahrer haben ein Problem. Die Langzeitparkplätze sind nahezu ausschließlich nördlich des Bahnhofs. Um von dort zum südlichen Bahnsteig oder zurück zu kommen, müssen Rollstuhlfahrer einen Umweg machen, den Bürgermeister Bernd Fessler auf 800 bis 1000 Meter schätzt.

Immer wieder Rufe nach einer Lösung

Was regelmäßig zu Rufen seitens der Großkarolinenfelder nach Barrierefreiheit zur Unterquerung der Gleise führt. Die hatten von 2008 bis 2014 fachkundige und gut vernetzte Unterstützung, denn im Frühjahr 2008 wurde Anita Read, damals noch Knochner, die langjährige Behindertenbeauftragte des Landkreises und für vier Jahre auch der Staatsregierung, in den Gemeinderat gewählt. Sie sitzt im Rollstuhl. Konnte in ihren sechs Jahren im Gemeinderat aber auch keinen zählbaren Erfolg in Sachen barrierefreie Gleisunterführung verbuchen. Allerdings half Anita Read mit, den Druck hochzuhalten, dass die Bahnsteige so gestaltet werden, dass Rollifahrer überhaupt in den Zug kommen. Das ist seit 2012 der Fall.

Gemeinde investiert in Bahnhof

Die Gemeinde hat vor Jahren das Bahnhofsgebäude erworben und saniert sowie nördlich der Bahn eine Park&Ride-Anlage geschaffen. Außerdem soll jetzt der rege genutzte Bahnhof im südlichen Bereich mit einem Radweg ans Ortszentrum angebunden werden.

Nun nahm die gemeindliche ÖPNV-Beauftragte Ingrid Wittner einen erneuten Vorstoß, der Gemeinderat zog mit und beschloss einstimmig, eine barrierefreie Unterquerung der Bahngleise zu den Bahnsteigen zu beantragen. „Die Gemeinde hat in den letzten 15 Jahren bereits mehrfach bei verschiedensten Stellen versucht, dieses Ansinnen von den Verantwortlichen in Politik und Bahn umsetzen zu lassen. Bislang ist dies leider nicht gelungen“, so Fessler.

Akut wurde der Antrag, weil die Gemeinde nun auch im südlichen Bereich des Bahnhofes eine Unterstellmöglichkeit für Fahrräder bauen will. „Die sollten wir so platzieren, dass sie die Barrierefreiheit des Bahnhofs nicht verhindert“, so Fessler.

Er wandte sich erneut an die Bahn. Erneut erfolglos. Die Bahn verwies auf die sogenannte „1000-Reisende-Regelung“. Die sind Minimum, damit die Bahn aktiv wird, wie es auch auf Nachfrage gegenüber der Redaktion hieß.

Bahn pocht auf 1000 Reisende

Diese Regelung sei im nationalen und im europäischen Eisenbahnbaurecht verankert, so eine Sprecherin der Bahn. Die Reisendenzahlen in Großkarolinenfeld sei deutlich unter der Grenze von 1000 Reisenden pro Tag. „Daher ist die Aufnahme in ein Programm zum barrierefreien Ausbau entsprechend dieser Regelung nicht vorgesehen.“

Grundsätzlich gelte, dass die zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel so eingesetzt werden, dass möglichst viele Reisende davon profitieren. Große und mittlere Bahnhöfe sowie Umsteigebahnhöfe haben Priorität. „Der barrierefreie Ausbau kann daher nur Schritt für Schritt erfolgen“, so die Bahn-Sprecherin.

Ausnahmen nur bei Sonderprogrammen

Ausnahmen von der Regelung gibt es, wenn etwa seitens des Bundes Sonderprogramme aufgelegt werden, in deren Rahmen auch kleinere Stationen barrierefrei ausgebaut werden können. „Ob Großkarolinenfeld in einem zukünftigen Sonderprogramm des Bundes Berücksichtigung finden wird, können wir aus Sicht der Deutschen Bahn zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschätzen“, so die Bahn-Sprecherin.

Was geht überhaupt – und wo geht es?

Fessler will dann jedenfalls gewappnet sein. Wie er auf Nachfrage der Heimatzeitung sagte, wolle er in Absprache mit der Bahn ein Planungsbüro skizzieren lassen, wo und wie – ob Lift oder Rampe – eine barrierefreie Unterquerung der Gleise überhaupt möglich sei, wo gegebenenfalls die Baustelle eingerichtet werde. „Nicht, dass wir den Radunterstand genau dort hin setzen und uns so alles verbauen.“ Und er hofft, dass die neue Bundesregierung mehr in Sachen Ertüchtigung des ÖPNV unternimmt, als es die alte tat.