Zu Besuch auf Bad Feilnbachs Almen: Der etwas andere Bergsommer im Zeichen von Corona

Schreinerin Marina Vogt sowie Resi Pletzer, die Sennerinnen auf der Huber Alm.
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Schreinerin Marina Vogt sowie Resi Pletzer, die Sennerinnen auf der Huber Alm.

Ein Almsommer im Zeichen von Corona: Ganz anders als sonst? Wie es in den vergangenen Monaten gelaufen ist, verraten vier, die es selbst erlebt haben – die Sennerinnen von der Huber-Alm und der Besitzer der Hansn-Alm.

Bad Feilnbach – Unverkennbar hat sich zuletzt Meister Herbst mit Schmuddelwetter, Regen und wieder gewöhnungsbedürftiger Kälte in Startposition begeben. In den Bergen fiel bereits der erste Schnee. Der Sommer nimmt Abschied und mit ihm auch das Leben auf den Almen. Stille wird in Kürze einkehren, wenn das Vieh nun die grünen Hänge verlässt und ins Tal zieht.

Wolfgang Bauer von der Hansn Alm.

Für den Almabtrieb bestens gerüstet

Bestens dafür gerüstet sind die Kutterlinger Almbauern, die Familie Vogt vom Naturland Betrieb „Huberhof“ sowie Familie Bauer vom „Hansnhof“. Wie der Almsommer 2020 im Zeichen von Corona verlief, wollten wir auf der Huber-Alm auf der Farrenpoint in Erfahrung bringen. Das Resümee für die Hansn-Alm wiederum zog Eigentümer Wolfgang Bauer, Bezirksalmbauer für den Almbezirk Aibling, am Telefon.

Zwei Schwestern auf der Huber-Alm

Für die Schwestern Marina (25) und Regina (20) Vogt aus Kutterling war es ein schöner Almsommer, den sie als Sennerinnen auf der 1272 Meter hoch gelegenen familieneigenen Huber-Alm verbrachten. Unterstützt wurden die beiden – vor allem, wenn Regina ihrer Arbeit als Verwaltungsangestellte im Bad Feilnbacher Rathaus oder ihren (heuer etwas spärlichen) Repräsentationsaufgaben als Apfelkönigin nachging – von „Oim-Aushilfe“ Resi Pletzer.

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Wie die 18-jährige Auszubildende zur Industriekauffrau aus Antersberg bei einer Berg-wanderung verriet, habe sie als Aushilfssennerin bei den Schwestern vom „Huaba-Hof“ und deren Familie nicht nur unbeschreiblich herrliche Tage erlebt, sondern auch sehr vieles mit Spaß und Freude gelernt – vor allem die Verantwortung für das anvertraute Vieh mit zwei Kühen, 27 Kalma („pubertierende“ Jungrinder), 16 Kälber und einem Ochsen, die von den frischen Kräutern und saftigen Gräsern auf den Almwiesen nicht genug kriegen konnten, zu übernehmen. Sorgen- und unfallfrei verliefen die Monate auch für die fünf Haflinger, sowie Hauskatze „Mieze“.

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Allerdings war es für die Huber- und auch die Hansn-Alm heuer ein etwas anderer Almsommer, den Generationen vorher so nicht kannten. Sie erlebten, wie so viele andere Almen auch, die mit der Corona-Pandemie verbundenen staatlichen Verordnungen und Beschränkungen plötzlich auch am Berg. Wie die Vogtschwestern, aber auch Wolfgang Bauer feststellten, waren zum einen vermehrt Berggeher und Mountainbiker unterwegs. Zum anderen mussten sich Almbewirtschafter und Sennerinnen auf Abstands- und Hygieneregeln umstellen und sich an diese gewöhnen.

Kalma und Haflinger verbrachten auf der Farrenpoint einen unbeschwerten Almsommer. Getrübt wurde der Friede allerdings immer wieder durch freilaufende Hunde sowie rücksichtslose Radfahrer und Wanderer. Strim

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Sie mussten drauf achten, dass die Besucher Mund- und Nasen-Schutz tragen sowie regelmäßig und sorgfältig alles reinigen und desinfizieren. Viele Gäste hätten Verständnis gezeigt und sich an die Verhaltensregeln gehalten. Sie berichten aber auch davon, dass die Einhaltung der Regeln zum Teil per Hubschrauber und Behördenbesuchen kontrolliert wurde.

Regina Vogt, heuer Apfelkönigin und Sennerin zugleich.

Sorgen bereitete beiden Almbewirtschaftern erneut eine unbelehrbare und uneinsichtige Minderheit. „Manche meinen, die Bewegungsfreiheit in der Natur nach eigenen Regeln definieren zu müssen und stören dabei einfach den Berg- und Almfrieden.“ Dazu gehörten, wie Wolfgang Bauer und die jungen Frauen von der Huber-Alm beobachteten, Mountainbiker und heuer vermehrt auch E-Biker, die sich abseits ausgewiesener Wege bewegten oder quer und ohne Rücksicht auf grasende Tiere und schützenswerte Landschaft über die Hänge der Almwiesen rasten.

Immer wieder Hunde ohne Leine auf den Almen

Ebenso sorgte wieder einmal die verantwortungslose Unsitte, Hunde frei und ohne Leine mitten durch die Herden laufen zu lassen, für großen Unmut. Sowohl der Hansnbauer als auch die Familie Vogt werden nicht müde, an die Vernunft der bikenden und wandernden Besucher, denen es, wie sie betonen, vergönnt sei, gerade auch in schwierigen Zeiten ihre Freizeit in der Bad Feilnbacher Bergregion zu verbringen, zu appellieren, bestimmte Spielregeln einzuhalten.

Für ein gutes Miteinander auf den Almen

Die Kutterlinger Almbauern appellieren an die Besucher, die Spielregeln am Berg einzuhalten: Almen sind keine Biwak- und Zeltplätze und auch kein Ort zur Ablagerung von Abfällen. Insbesondere Plastik birgt eine große Gefahr für Tiere, während kaputte Glasflaschen die Brandgefahr erhöhen. Hunde sind immer sowohl zum Schutz des Almviehs und Tieren, die sich in den Bergwäldern aufhalten, an der Leine zu führen. Radfahrer, Mountainbiker und E-Biker sollen auf den ausgewiesenen Wegen und Straßen bleiben. Wanderer werden gebeten, die Untugend zu vermeiden, quer über Almwiesen zu laufen. Sie stattdessen sollten sie die Pfade zu nutzen, die von den Eigentümern errichtet und befestigt wurden.

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