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Zum Start der Literaturtage

Zu 95 Prozent Liebe: Eva Niedermeier aus Bad Aibling berührt Herzen mit Ton und Text

Jung, selbstbewusst und talentiert: Die Liedermacherin und Poetin Eva Niedermeier aus Mietraching eröffnet am Freitag (30. September) mit ihrem Gastspiel in der Stadtbücherei die Literaturtage Bad Aibling.
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Jung, selbstbewusst und talentiert: Die Liedermacherin und Poetin Eva Niedermeier aus Mietraching eröffnet am Freitag (30. September) mit ihrem Gastspiel in der Stadtbücherei die Literaturtage Bad Aibling.
  • Eva Lagler
    VonEva Lagler
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Nein, die Poetry Slammerin von 2015 ist sie längst nicht mehr. Heute steht Eva Niedermeier aus Bad Aibling in ganz anderer Mission auf den Bühnen des Landes. Und das mitnichten „sternhagelverloren“. Wie es dazu kam und was es mit ihren Wortspielen auf sich hat, verrät sie hier.

Bad Aibling – In der Früh um 5 Uhr in den Stall zum Kühemelken auf dem elterlichen Berndlschneider-Hof, um 10 Uhr im Dirndlgwand zum Interviewtermin und danach gleich weiter mit dem Zug zum Oktoberfest nach München – Kontrastprogramme wie diese sind Eva Niedermeier längst nicht mehr fremd. Und so wird die gebürtige Bad Aiblingerin auf dem Zwischenstopp in ihrer Heimat am Freitag (30. September) auch die Literaturtage in der Stadtbücherei im Rathaus eröffnen.

„Eva Niedermeier – ist das nicht die erfolgreiche Poetry Slammerin?“ Eine Frage, die ihr immer wieder begegnet. „Der Begriff hängt bis heute an mir. Dabei mache ich schon seit Jahren kein Poetry Slam mehr“, schmunzelt die 25-Jährige aus Mietraching, die schon früh auszog, um die Welt der Künste zu erobern.

Mit Musik und Poesie unterwegs

Mittlerweile hat sie sich in Deutschland einen Namen gemacht als Liedermacherin, Poetin und Bloggerin, hat ihr erstes Musikalbum herausgebracht und ihren eigenen, selbst illustrierten Gedichtband veröffentlicht. Und das alles zunächst neben der Ausbildung zur Industriekauffrau und nun neben ihrem Studium „Kunst, Musik und Medien“ in Marburg. Wobei sie dort auch noch in der Gastronomie sowie als Übungsleiterin für eine Elterninitiative für an Krebs erkrankten Kindern tätig ist.

Ihre größte Leidenschaft gehört dem Text: „Ich habe schon früh angefangen, zu schreiben – mit zehn oder elf Jahren: Gedichte, Songs, furchtbare englische Songs, und dazu auch Gitarre gespielt“, lacht die Studentin.

Zum Poetry Slam (dabei treten verschiedene Künstler auf der Bühne mit selbst geschriebenen Texten gegeneinander an) kam sie, weil ihre Texte „immer zu lang für ein Gedicht oder einen Song“ waren.

200 Besucher im Muffatwerk begeistert

Und so fasste sie sich eines Tages ein Herz und fuhr nach München, zu einem Wettbewerb im Muffatwerk. Vor 200 Besuchern legte sie einen Auftritt hin, von dem der Veranstalter so begeistert war, dass er sie zu einem weiteren einlud. Von diesem kehrte sie allerdings zweifelnd zurück: „Irgendwie dachte ich, das ist vielleicht doch nicht meine Welt“, erinnert sie sich. Doch kurz darauf schon der Ritterschlag: Sie gewann aus dem Stand bei den Bayerischen Meisterschaften U20 und von da an waren alle Bedenken wie weggeblasen. Selbst für die deutschsprachigen Weltmeisterschaften im Poetry Slam qualifizierte sie sich. Zuhause erhielt sie im selben Jahr den Kleinkunstpreis des Theatervereins Bad Aibling, im Jahr darauf den Kulturförderpreis des Landkreises Rosenheim.

Ihre Leidenschaft, der sie zunächst in den Urlauben nachging, führte sie quer durchs Land, von Auftritt zu Auftritt. „Oft nur gegen Fahrtkosten und Unterkunft – das war wie ,Work and travel‘ in Deutschland. Richtig cool, ich habe dadurch viele Städte und Menschen kennengelernt, konnte Erfahrungen sammeln und Kontakte knüpfen.“ Dass die Nächte manchmal kurz waren und zu den Schlafgelegenheiten einmal sogar eine Badewanne in der Wohnung eines Freundes zählte, spielte keine Rolle für die damals 17-Jährige.

Auch Standup Comedy begeisterte die junge Künstlerin. „Da kannst Du im Prinzip sogar erzählen, was Du morgens als zweites Frühstück hattest – Hauptsache, es kommt witzig rüber.“ Als sich die Poetry Slam-Szene zu verlaufen begann, ihre Gedichte kürzer wurden und der Wunsch nach einem eigenen Musikalbum wuchs, konzentrierte sie sich auf die Zeit im Studio. Heraus kam 2020 das Album „Lagerfeuerfrust“ – gefolgt von der Corona-Pandemie. Zeit, die sie nutzte, die Reichweite ihres Instagram-Auftritts zu erweitern, an ihrer Lyrik zu arbeiten und jeden Tag ein Gedicht zu posten: „Da gab es dann keinen Grund mehr, kein Buch zu veröffentlichen.“

Circa 95 Prozent ihrer Texte, schätzt sie, handeln von der Liebe – „das inspiriert mich am meisten. Dazu habe ich auch immer Wortspiele im Kopf.“ Viele davon tiefgründig, melancholisch. Was immer wieder Leser in den sozialen Medien dazu bringt, sie trösten zu wollen, sich Sorgen um ihren Gemütszustand zu machen und sogar ihre Eltern – die sie im Übrigen in allem, was sie tut, leidenschaftlich unterstützen – darauf anzusprechen.

Nicht wie im „richtigen Leben“

„Die Leute denken, die muss ja ein furchtbar trauriges Leben haben. Oder schreiben mir: Was bist Du für eine verletzte Seele“. Das ist zwar auch ein Kompliment, weil ich demzufolge realistisch und authentisch rüberbringe, was ich sagen will. Aber man muss trennen zwischen dem lyrischen Gehalt und dem realen Leben“, sagt die Poetin, die in Mietraching auch Bernie-Eva (nach dem Namen des elterlichen Hofs) genannt wird und alles andere als einen traurigen Eindruck macht. Im Privaten kann das allerdings schon einmal zu Verwirrungen führen – „wenn man jemanden gerade datet, der dann auf Instagram ein schwermütigeres Gedicht liest und es direkt auf sich bezieht.“

Erstlingswerk in edlem Leinenkleid

Eva Niedermeier erfüllte sich im vergangenen Jahr mit „Sternhagelverloren“ ihren großen Traum eines eigenen Poesiebands, in den sie all ihre Energie steckte. Und „unfassbar viel Geld“. Denn an ihrem „absoluten Herzensprojekt“ wollte sie nichts dem Zufall überlassen. Sie feilte an jedem Detail und ließ sich richtig viel Zeit. „Mir war es sehr wichtig, dass es in Deutschland produziert und auf gutem Recyclepapier gedruckt wird. Es sollte keine Klebebindung und unbedingt ein Leinenhardcover haben, Goldprägnierung und Lesebändchen.“ Dieses Werk ohne einen Verlag herauszubringen, war enorm aufwendig. „Aber ich wollte an dieser Stelle auf keinen Fall sparen.“ Das Ergebnis und die vielen positiven Rückmeldungen bestätigen sie. „Ich bin ziemlich stolz darauf“, sagt die Autorin, die auch die Illustrationen dazu selbst gefertigt hat. „Als Künstlerin muss man standbeintechnisch ein Tausendfüßler sein“, sagt sie mit einem Augenzwinkern.

Die Lust auf einen zweiten Poesieband ist ebenso groß wie der Wunsch, auch wieder ein Musikalbum herauszubringen oder Konzerte zu geben. Auch ein Roman steht auf der Liste mit Dingen, die sie eines Tages verwirklichen möchte.

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