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18-jährige Bruckmühlerin schafft Quali trotz schwerer Hindernisse

Inklusion unter schwierigsten Bedingungen: Zeynep Öztürks Erfolg zeigt, dass das möglich ist

Zeynep Öztürk (Zweite von rechts) hat ihren Quali geschafft: Auf dem schweren Weg begleiteten sie unter anderem (von links) Klassenleiterin Sarah Hösselbarth, Mutter Senay und Rektorin Arabella Quiram. Hier zeigen sie den verglasten Arbeitsplatz der Schülerin im Klassenzimmer der 9a.Baumann
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Zeynep Öztürk (Zweite von rechts) hat ihren Quali geschafft: Auf dem schweren Weg begleiteten sie unter anderem (von links) Klassenleiterin Sarah Hösselbarth, Mutter Senay und Rektorin Arabella Quiram. Hier zeigen sie den verglasten Arbeitsplatz der Schülerin im Klassenzimmer der 9a.
  • VonJohann Baumann
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Zeynep Öztürk ist 18 Jahre alt. In den vergangenen drei Jahren meisterte sie Unglaubliches: Eine Nierentransplantation, ihren Mittelschulabschluss und jetzt auch noch den Qualifizierenden Abschluss. Wie die Bruckmühlerin das geschafft hat, erzählte sie den OVB-Heimatzeitungen.

Bruckmühl – Für Gänsehautmomente sorgte Zeynep Öztürk, als sie während der Abschussfeier der Justus-von-Liebig-Mittelschule das Wort ergriff. „Ich habe heute einen ganz besonderen Anlass, hier zu sprechen“, mit diesen Worten begann sie ihren Rückblick auf die dramatischen letzten drei Jahre ihrer Schulzeit. Denn Zeynep erhielt eine Spenderniere und kurz darauf begann die Corona-Pandemie. Wie sie ihre Schulzeit meisterte.

Die heute 18-jährige kam mit einem beidseitigen Nierenfehler zur Welt. An den Auswirkungen litt sie schon lange, doch als sie an die Mittelschule kam, verschlechterte sich ihr Zustand. „Sie wurde immer schwächer, war immer weniger belastbar und sehr oft krank“, beschreibt Rektorin Arabella Quiram den Leidensweg des Mädchens.

Nierentransplantation kurz vor der Pandemie

Im Juli 2019 erhielt Zeynep von ihrem Vater eine Spenderniere. „Danach begann für mich ein neues Leben“, beschreibt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Das neue Leben war verbunden mit zahlreichen Arztbesuchen, Klinikaufenthalten, Medikamenten-Umstellungen und Hygienemaßnahmen. Der Gesundheitszustand von Zeynep war lange sehr kritisch, weil nicht klar war, ob ihr Körper die Niere abstoßen würde. Die hatte Glück: Die Niere wurde angenommen.

An einen Schulbesuch war aber vorerst überhaupt nicht zu denken. „Zusammen mit ihrer Mutter haben wir Hausunterricht beantragt“, erklärt die Schulleiterin. Für die Antragstellung bei der Regierung von Oberbayern ist unter anderem ein ärztliches Attest erforderlich.

Den Unterricht, der bis Juli 2020 auf Deutsch, Mathematik und Englisch beschränkt war, übernahm ab Dezember 2019 Veronika Käferle, Schulamtsdirektorin a. D. und vormalige Rektorin der Justus-von-Liebig-Schule. Der häusliche Unterricht umfasste acht Stunden pro Woche. „Nach dem Ausbruch von Corona im März 2020 galten für mich strenge Desinfektionsregeln vor dem Betreten der Wohnung: Schutzkleidung, Schuhwechsel, Händedesinfektion, Mundschutz, Abstand am Schreibtisch“, erläutert die Pädgogin. Bald erfolgte der Übergang auf den Online-Unterricht.

Ab September 2020 durfte Zeynep im Einvernehmen mit der Schulleitung und dem Arzt wieder zur Schule gehen. So konnte der Unterricht erweitert werden, war es möglich, Zeynep Schritt für Schritt auf den Mittelschulabschluss hinzuführen.

Dafür war allerdings eine Reihe von Schutzmaßnahmen notwendig. „Ich bekam im Klassenzimmer einen Sitzplatz mit Plexiglasscheiben und eine eigene Toilette“, erzählt Zeynep: „Meine Mitschüler haben viel Rücksicht genommen, damit ich keine Infektion bekam.“

Mentorin und Hauslehrerin von Zeynep (links) war auch die frühere Schulamtsdirektorin Veronika Käferle.

Im Sommer 2021 meisterte sie ihren Mittelschulabschluss. „In den großen Ferien danach habe ich dann beschlossen, den Quali zu machen“, erzählt sie. Veronika Käferle habe sie bestärkt, ihr immer wieder Mut gemacht und sie Schritt für Schritt begleitet. „Am Anfang haben einige Lehrer nicht daran geglaubt, dass ich den Quali schaffen könnte. Aber jetzt habe ich ihn erfolgreich bestanden“, sagt Zeynep voller Stolz. Arabella Quiram würdigt den Ehrgeiz der 18-Jährigen: „Zeynep zeigte das ganze Jahr einen unglaublichen Willen, Sachverhalte zu lernen und zu verstehen. Dass sie nun am Ende des Jahres den Qualifizierenden Abschluss an der Mittelschule bestanden hat, finden wir alle ganz wunderbar.“ Zeyneps Beispiel beweise, dass Inklusion auch unter den schwierigsten Bedingungen gelingen könne.

Jetzt folgen Kurse und die Ausbildung

Ihre Rede auf der Abschlussfeier nutzte Zeynep auch, um sich zu bedanken: „Bei meiner Familie, meinen Mitschülern, Lehrkräften, bei der Schulleitung und bei allen, die halfen, dass ich hier lernen konnte.“ Vor dem Gespräch mit unserer Zeitung war Seynep gerade bei einer der regelmäßigen medizinischen Untersuchungen. „Es ist alles in Ordnung, die Werte sind gut“, berichtet sie mit glücklichen Augen. Jetzt wird sich die frisch gebackene Quali-Absolventin in verschiedenen Kursen weiterbilden, ehe sie 2023 eine Ausbildung beginnt.

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